Freitag, Juli 30, 2010

Reich sein vor Gott



+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 12: 13 – 21

13 Einer aus der Volksmenge bat Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen.
14 Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht?
15 Dann sagte er zu den Leuten: Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.
16 Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.
17 Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll.
18 Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen.
19 Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens!
20 Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?
21 So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.





Da kommt heute im Evangelium glatt einer daher und verlangt von Jesus, den Erbstreit mit seinem Bruder zu schlichten. Jesus lehnt ab mit dem Verweis auf seine Inkompetenz.

Dennoch antwortet er dem Mann in Form eines Gleichnisses, in dem er die Wurzel dieses Erbstreites beim Namen nennt – nämlich die Habgier. Sie sieht den Sinn des Lebens darin aufgrund eines großen Vermögens im Überfluss zu leben.

Mit dieser Geschichte gibt Jesus dem Mann ein Werkzeug zur Hand, mit dem er seinen Beitrag leisten kann zur Beendigung des Streites mit seinem Bruder. Denn es liegt der Verdacht nahe, dass nicht nur der Bruder habgierig ist, der das Erbe nicht teilen will sondern auch der Mann, der unbedingt seinen Anteil am Erbe haben will.

Einen ähnlich Fall weiß ich aus der Familie eines guten Freundes. Dem sein Vater – Gott hab ihn selig! – war der Erstgeborene einer kinderreichen Familie. Mit Auszeichnung schloss er die Landwirtschaftsschule ab und brachte die besten Voraussetzungen mit, den großen Bauernhof seines Vaters als Erbe anzutreten.

Unglücklicherweise hat er sich mit seinem Vater wegen einiger Erneuerungen in der Landwirtschaft dermaßen überworfen, dass  dieser ihn enterbte und den Hof seinem nächstältesten Sohn  übergab.

Wiewohl der Vater meines Freundes gute Aussichten gehabt hätte, den Erbstreit zu gewinnen, hat er darauf verzichtet um des Friedens in der Familie willen.

Ich weiß freilich nicht ob er etwa durch das heutige Evangelium zu diesem gewiss nicht leichten Schritt bewegt wurde; wundern tät es mich nicht, weil ich ihn als sehr frommen Menschen kannte.

So war es ihm möglich, nach dem Ableben seines Vaters den elterlichen Hof immer wieder zu besuchen und eine gute Beziehung zu seinem Bruder und in der Folge zu dessen Kindern zu leben. Ein beispielhaftes Verhalten!

Im Blick auf das heutige Evangelium entbehrt es nicht einer gewissen Tragik, dass der Mann sich mit seinem Anliegen ausgerechnet an Jesus wendet. Dass er es tut, weist an sich schon darauf hin, wie so gar nichts er von Jesus und seinem Auftrag begreift.

Denn dieser Auftrag Jesu besteht in der Tat darin, ein Erbe zu teilen – nämlich das Erbe des Reiches Gottes! Paulus hat das deutlich erkannt, wenn er im Römerbrief schreibt: „So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi.“ (Röm 8:16-17)

Der Mann aus dem Volk streitet also um das Erbe mit seinem Bruder, der ihm davon nichts geben will; dabei soll ihm Jesus helfen, der nichts lieber täte, als das Erbe des ewigen Lebens, nämlich die Gotteskindschaft, mit ihm zu teilen. Aber das kann er nicht sehen, weil er blind dafür ist! Und was macht ihn blind? Die Habgier ist es nach dem Erbe seines Vater.

Es trifft hier genau das zu, was Paulus in 1 Kor schreibt: Habsüchtige werden das Reich Gottes nicht erben (vgl. 1 Kor 6:10). Und das können sie auch gar nicht, denn in ihrer Habsucht richten sie mit den Worten der heutigen Lesung ihren Sinn auf das Irdische und nicht auf das Himmlische (vgl. Kol 3:2)

Die Lösung dieses Dilemmas ist einfach und radikal: Tötet die Habsucht, die ein Götzendienst ist! (vgl. Kol 3:5) Leicht gesagt! Aber wie ist das zu schaffen? Wenn man einem Kind ein gefährliches Spielzeug wegnimmt lassen die Eltern es nicht mit leeren Händen zurück sondern geben ihm Spielzeug, das nützt.

Paulus macht es geradeso und gibt den Kolossern nicht weniger als den Himmel zum „Spielzeug“: „Richtet euren Sinn auf das Himmlische!“ Dann könnt ihr das Irdische leichter loslassen!

Zu diesem Blick auf das Himmlische ermutigt zudem die erste Lesung, wenn wir dort lesen, dass alles Windhauch ist, was wir uns an irdischem Besitz erwerben. Bedenken wir also, dass unsere Heimat der Himmel ist und gehen wir mit den irdischen Gütern so um, dass wir die himmlischen nicht verlieren! Amen!

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