Mittwoch, Juli 07, 2010

Er gab ihnen Vollmacht


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 10: 1–12.17–20



1 Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.


2 Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.


3 Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.


4 Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs!


5 Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus!


6 Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.


7 Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!


8 Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt.


9 Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.


10 Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Straße und ruft:


11 Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe.


12 Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt.


17 Die Zweiundsiebzig kehrten zurück und berichteten voll Freude: Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen.


18 Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.


19 Seht, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden. Nichts wird euch schaden können.


20 Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.



Jesus ist kein Einzelgänger – darum ist er auch nicht allein unterwegs sondern in Gemeinschaft; zusammen mit seinen Jüngern und mit mehreren Frauen, die ihn mit ihrem Vermögen unterstützen.


Jesus ist auch kein Einzelkämpfer – darum teilt er mit seinen Jüngern die Arbeit im Reich Gottes. Das tut er, indem er mit ihnen die Vollmacht teilt, die ganze Macht des Feindes zu überwinden; dazu gehört die Gabe, Kranke zu heilen, mit den Leuten über das Reich Gottes zu sprechen, ihnen den Frieden anzubieten;


Dazu gehört, sich bei dieser Aufgabe nicht auf Reichtum oder auf trügerische Vorräte zu stützen sondern einzig auf die Sendung durch Jesus und die Kraft, die sie verleiht.

Die Vollmacht, die Jesus verleiht, kann in seinen Jüngern nur wirken, wenn die Verbindung zu Jesus nicht behindert oder gar gelöst wird.


Schließlich gilt es auch zu bedenken, dass Jesus die Vollmacht, die er seinen Jüngern gab, nie zurückgenommen hat.


Und wenn wir weiter überlegen, dass die Jünger diese Vollmacht durch Handauflegung an ihre Mitarbeiter weiter gegeben haben und dies durch die Jahrhunderte bis heute geschehen ist, dann können wir sagen, dass diese Vollmacht auch jenen gegeben ist, die heute den bischöflich-priesterlichen Dienst in unserer Kirche ausüben.


Die Vollmacht Jesu ruht auch heute auf seinen Jüngern. Sie schlummert in ihnen und wartet dringend, geweckt zu werden. Und den Auftrag Jesu an seine Jünger, den Herrn der Ernte zu bitten, Arbeiter in seine Ernte zu senden, können wir auch dahin gehend verstehen, dass der Herr der Ernte seine Arbeiter wachrüttelt zur Besinnung auf die Vollmacht, die er ihnen gegeben, damit sie in ihnen auflebe und auch heute die Macht des Feindes überwinde.


Es ist auch bemerkenswert, wie selbstverständlich Jesus seine Vollmacht mit den Jüngern teilt. Erstens tut er das nicht, damit er selber es dann bequemer habe und zweitens lässt Jesus überhaupt keine Angst erkennen, er könne dabei was verlieren und etwa in den Jüngern unbequeme Konkurrenz erhalten. Einmal mehr wird deutlich, wie Jesus nicht sich selber sondern die Menschen im Auge hat.


Wenn Jesus die Jünger mit seiner Vollmacht betraut, so deshalb, damit die Menschen schneller jenes Heil erlangen, das ihnen von Gott her in seinem Reich zugedacht ist.


Ein Ernstnehmen des heutigen Evangeliums hat unweigerlich eine Erneuerung unserer christlich-priesterlichen Berufung zur Folge.


Es ist zudem Bemerkenswert, dass Jesus das pastorale Konzept des Vorläufers anwendet, indem er Menschen vor sich her schickt, die die Menschen auf ihn vorbereiten sollen.


Er selber hat ja die Früchte dieses Konzeptes geerntet: Johannes der Täufer, sein Vorläufer, hat ihm die ersten Jünger zugeführt; der Evangelist Johannes erzählt uns davon.


Dieses pastorale Konzept lässt uns schließlich verstehen, warum Jesus Jünger um sich versammelt hat: sie sollten die Gemeinschaft mit ihm leben, damit er sie prägen kann; damit sich ihnen einprägen kann, was sie sehen, hören, erleben. So durch das Leben mit Jesus geprägt schickt der Herr sie aus, damit sie von diesem Leben mit Jesus erzählen und weitergeben, was er ihnen gegeben hat. Jesus lebt als in Gemeinschaft mit seinen Jüngern, um sie zu befähigen, Menschen in die Gemeinschaft mit Jesus zu führen, indem sie ihr Leben mit, aus und durch Jesus bezeugen. So wie Jesus mit ihnen das Leben geteilt hat sollen auch sie ihr Leben mit Jesus teilen mit den Menschen, zu denen sie gesendet sind. Dies ist dann eine weitere Verwirklichung des Gebotes Jesu: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!


Die Gemeinschaft der Kirche ist gleichermaßen aus der Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes wie aus der Gemeinschaft Jesu mit seinen Jüngern herausgewachsen. Dies gilt es besonders zu bedenken, wenn wir von den Krankheiten geheilt werden wollen, die uns als Kirche heute verunzieren und belasten. Amen!


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