Samstag, Juli 17, 2010

Das Eine Notwendige




Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 10: 38 – 42

38Sie zogen zusammen weiter, und er kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf.
39Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu.
40Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!
41Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.
42Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.


Den Herrn freundlich aufnehmen! Wie das geht, zeigen uns die beiden Schwestern Martha und Maria im heutigen Evangelium.
Die eine, Martha – offensichtlich die Ältere – nahm ihn freundlich auf, indem sie ganz davon in Anspruch genommen ist, für ihn zu sorgen.
Maria nimmt den Herrn freundlich auf, indem sie sich zu seinen Füßen hinsetzt und ihm zuhört.

Wie Martha sich nun bei Jesus beklagt, dass Maria ihr sie ganze Arbeit überlässt und ihn bittet, er möge ihr sagen, sie soll ihr helfen – wie antwortet Jesus darauf?

Er macht sie aufmerksam auf ihre viele Sorgen und Mühen.
Dann weist er sie hin auf das eine notwendige und beschließt seine Antwort mit der Bemerkung, dass Maria das Bessere gewählt hat, das ihr nicht genommen werden soll.

Gleich vorweg: Im Urtext steht: Maria hat das gute Teil erwählt! Dieses gute Teil meint denn auch das eine notwendige, von dem Jesus spricht. Worin besteht dieses gute Teil? Es besteht in der uneingeschränkten Aufmerksamkeit auf Jesus: Sie hörte seinen Worten zu und dabei hat sie die Welt um sich vergessen samt ihrer Schwester und der Arbeit. Das ist nicht selbstverständlich!
Sie hätte sich auch bei dem, was Jesus sagt langweilen und insgeheim die Arbeiten ihrer Schwester interessanter finden können. Wie oft treffen wir Leute, bei denen uns das Zuhören langweilt – sei es, dass sie uns das gleiche schon früher einmal erzählt haben oder sei es, dass sie nicht interessant erzählen können.

Maria war ganz Ohr für ihn. Das gute Teil, das sie erwählt hat, ist Jesus selber, seine Gegenwart, sein Dasein, sein Wort. Sie hat sich so dafür öffnen können, dass ihre Aufmerksamkeit nur von IHM erfüllt war und sonst von nichts und von niemand. Und das ist für Jesus auch das eine notwendige!

Dieses eine Notwendige, dieses gute Teil hat ja auch Martha erwählt, wenn es von ihr heißt, dass sie ganz davon in Anspruch genommen war, für ihn zu sorgen: Kartoffelschälen für Jesus, Zwiebeltränen für Jesus, die Suppe kochen für Jesus, das Hauptgericht zubereiten für Jesus, die Nachspeise für Jesus! Sie hatte wahrlich nur das Eine Notwendige – unsern Herrn Jesus – vor Augen – wohl so sehr, dass sie sich dessen selber nicht bewusst war.

Und dann der Bruch: ihre Schwester Maria, wie sie da bei Jesus sitzt – tatenlos, still; „bloß“ zuhören, womöglich plaudern mit ihm. Jesus gerät ihr aus dem Sinn und der Ärger über ihre Schwester breitet sich in ihr aus.
Augenblicklich wird ihr zur Sorge und Mühe, was ihr bisher spielend von der Hand ging, weil sie dabei nur an Jesus dachte.
Sie beginnt, sich mit ihrer Schwester zu vergleichen und auf einmal ist die Enge da, die es ihr nicht erlaubt zu sehen, dass man Jesus auch auf andere Weise als die ihrige zum guten Teil erwählen kann.
Die Worte Jesu an Martha sind eine gewiss schmerzliche Zurückführung in den Zustand der reinen Hingabe an Jesus, den sie eben zuvor noch gelebt hat.

Was sich für unser christlich geistliches Leben aus all dem ergibt, liegt auf der Hand:
Wollen wir mit der Tradition Martha und Maria mit dem aktiven bzw. dem kontemplativen Leben in der Nachfolge Christi gleichsetzen dann ist das Eine Notwendige und das gute Teil das, dass sowohl Aktion wie auch Gebet in möglichster Ausrichtung auf Jesus geschieht.
Es wird auch klar – und dies lehrt uns auch die eigene Erfahrung – dass diese Ausrichtung auf Jesus nicht selbstverständlich ist und sowohl im Gebet als auch im Arbeiten ein gefährdetes Gut ist, das wir unversehens verlieren können.

So bleibt die innige Bitte an den Herrn, dass der uns immer wieder in seine Nähe rufe und uns zu ihm kommen lasse, so dass unser Leben ein beständiges Verweilen in seiner Gegenwart werde. Amen!

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