Samstag, Juni 05, 2010

Stark wie der Tod ist die Liebe


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 7: 11 – 17


In jener Zeit

11ging Jesus in eine Stadt namens Nain; seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten ihm.

12Als er in die Nähe des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie.

13Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht!

14Dann ging er zu der Bahre und fasste sie an. Die Träger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!

15Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.

16Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen.

17Und die Kunde davon verbreitete sich überall in Judäa und im ganzen Gebiet ringsum.




Jesus ruft einen jungen Mann vom Tod ins Leben zurück. Zu dieser Handlung bewegt ihn Mitleid. Mitleid nicht mit dem jungen Mann, weil er zu früh aus seinem noch jungen Leben geschieden ist; Mitleid hat Jesus vielmehr mit der Mutter dieses jungen Mannes: Sie ist eine Witwe und der Verstorbene war ihr einziger Sohn. Das heißt: jetzt hat sie niemand mehr, der auf sie schaut, der sich um sie kümmert, der sie versorgt. Ein soziales Netz wie bei uns heute gab es damals nicht. Auf einmal gehört sie mit den unheilbar Kranken und Waisen zur Randgruppe der Gesellschaft, abhängig vom Wohlwollen ihrer Mitmenschen.


Im Blick auf diese Frau heißt es also von Jesus: „Er hatte Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht!“


Doch bewegt ihn dieses Mitleid nicht nur zu Worten sondern auch zu einer Tat, die jedes menschliche Maß übersteigt: Er ruft den jungen Mann aus dem Tod ins irdische Leben zurück! Unglaublich!


Die Leute merken es sogleich: Bei dem, was Jesus da getan hat, ist Gott selber im Spiel; da ist Gott am Werk. Denn Tote lebendig machen ist allein das Werk Gottes. Darum preisen die Leute nicht Jesus sondern Gott und sagen dabei: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen. (Lk 7:16)


Zugleich ist dieses machtvolle Zeichen aber ein Hinweis auf die machtvolle, barmherzige Liebe Jesu zu dieser trauernden, einsamen Witwe. Und genau das können wir bei Jesus auf Schritt und Tritt verfolgen: was er an Wunderbarem wirkt, tut er nicht, um eine Show abzuziehen; um sich selber hervorzutun; um zu demonstrieren, wie gut und mächtig er ist.


Er tut all dies Wunderbare einzig um der Menschen in ihrer Armut willen. Das Elend der Menschen fordert ihn heraus, ihre Krankheit, ihre Verlassenheit, ihre Versklavung, ihre Schuld. Die leidenden Menschen unter der Macht des Negativen und des Bösen rühren an sein Herz und bewegen es zum Mitleid und zur Überwindung durch das Gute und die Güte, die in ihm ist.


Wenn es im Hohen Lied der Liebe heißt: „Stark wie der Tod ist die Liebe!“ (8:6) so erweist sich im heutigen Evangelium, dass die Liebe Jesu stärker ist als der Tod.


Gut gefügt steht das heutige Evangelium am beginn des Monat Juni. Dieser Monat ist nämlich besonders dem Herzen Jesu geweiht. Und was wir eben von Jesus gehört haben ist eine ganz starke Einladung, vor allem anderen an seine barmherzige Liebe zu appellieren. Denn es ist diese Liebe wie ein Motor, der alles in Bewegung setzt, was uns zum Segen ist.


Wir wollen uns die Frage des Apostel Paulus aneignen: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8:35-39)


Wie Jesus nichts abhalten kann, uns sein Erbarmen zu schenken und seine Liebe in uns zur Vollendung zu bringen so soll auch uns nichts davon abhalten, dieser Liebe zu vertrauen, uns dieser Liebe zu öffnen, auf diese Liebe zu bauen – und so dieser Liebe die Chance zu geben, unser Leben je neu zu gestalten.


Blaise Pascal bringt dieses Vertrauen lebendig zum Ausdruck, wenn er schreibt: „Zu wem sollte ich rufen, Herr,

zu wem meine Zuflucht nehmen, wenn nicht zu dir?

Du allein hast meine Seele erschaffen können,

du allein kannst sie aufs Neue erschaffen.

Du allein hast ihr dein Bildnis einprägen können,

du allein kannst sie umprägen

und ihr dein ausgelöschtes Antlitz wieder eindrücken,

welches ist Jesus Christus, mein Heiland,

der dein Bild ist und das Zeichen deines Wesens.“


Lassen wir Jesus unablässig unser Herz nach seinem Herzen bilden! Amen!

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