Freitag, Juni 11, 2010

So viel Liebe


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 7: 36 - 50


In jener Zeit

36ging Jesus in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch.

37Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl

38und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl.

39Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist.

40Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister!

41 (Jesus sagte:) Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig.

42Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben?

43Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast Recht.

44Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet.

45Du hast mir (zur Begrüßung) keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst.

46Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt.

47Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie (mir) so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe.

48Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben.

49Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt?

50Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!




Der Apostel Paulus schreibt uns heute im Brief an die Galater über seine Beziehung zu Christus. Dabei stellt er sich selber als Lebensraum für Christus dar: Christus lebt in mir. Diese Worte bezeichnen eine ganz tiefe Verbundenheit zwischen Paulus und Christus. Sie sagen uns, dass Christus dem Paulus ganz nahe ist; so nahe, dass er in ihm lebt.


Wie können wir uns dieses Lebendigsein Christi in Paulus vorstellen?


Auf der Suche nach einer Antwort stoßen wir auf die Sünderin im heutigen Evangelium. Der Umstand, dass diese Frau sich wohl riechendes Öl in einem Albastergefäß leisten kann, weist sie als begütert aus; eine Frau die durch ihr Gewerbe reich geworden ist. Heute würden wir diese Frau als Edelhure bezeichnen. An dieser Frau also sollen wir ablesen, wie Christus in einem lebt?


Hören wir Gregor den Großen in seinem Kommentar zu dieser Frau: „Ihre Augen waren einst voll weltlicher Begierde, nun sind sie aus Reue voller Tränen, ihr Mund hatte einst voll Hochmut gesprochen, aber indem sie jetzt die Füße des Herrn küsst, heftet sie ihn an ihren Erlöser, Salbe verwendete sie um ihrem Körper Wohlgeruch zu geben, doch was sie einst schmählich für sich verwendet hatte, das bietet sie jetzt lobenswerterweise Gott dar. Aus ihren Vergehen hat sie eben so viele Tugenden gemacht. All das, mit dem sie in der Zeit der Schuld Gott verachtet hatte, soll nun in der Zeit der Buße in den Dienst Gottes gestellt werden.“


Ist diese Frau in ihrem bisherigen Beruf völlig um sich gekreist: Um ihren Leib, um ihre Schönheit, um ihr Begehren so hat sie nun ihre Berufung erkannt, sich ganz auf Christus auszurichten: Ihre Tränen weint sie für die Füße Jesu; mit ihren Haaren trocknete sie die Füße Jesu; ihre Küsse schenkte sie den Füßen Jesu und salbte die Füße des Herrn mit dem Öl. Das Verhalten der Frau lässt an das Wort aus dem Propheten Jesaja denken: „Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt.“ (Jes 52:7) Indem diese Frau sich so liebevoll um Jesu Füße kümmert drückt sie unmissverständlich aus, wie dankbar sie ist für das, was Jesus ihr geschenkt hat: Für die Rettung, den Frieden und die Freude, die sie von Jesus erfahren hat in der Vergebung ihrer Sünden. Sie erweist Jesus so viel Liebe weil sie von ihm so viel Liebe geschenkt bekam. Liebe antwortet auf Liebe.


Ehe die Frau die Erfahrung machen konnte, dass Christus in ihr lebte hat Jesus die Erfahrung gemacht, dass die Frau in ihm lebte. In seinem Erbarmen konnte er dieser Frau Raum geben in seinem Herzen. Jesus hatte eine Herz für diese Frau: ein offenes Herz, ein mit leidendes Herz, ein vergebendes Herz – eben ein liebendes Herz. Der heutige Herz-Jesu- Sonntag will diese Botschaft vermitteln und das von der Lanze aufgerissene Herz Jesu will genau das sagen: Jesus hat ein offenes Herz für alle, die so ein Herz brauchen: Die Verlorenen, die Verwundeten, die schuldig Gewordenen, die Verurteilten, die zu kurz Gekommenen.


Genau diese Erfahrung hat die Frau im heutigen Evangelium machen dürfen, indem Jesus sie nicht von sich gestoßen sondern sie aufgenommen und ihren berührenden Liebesdienst angenommen hat: diese Frau hat auf ihre Weise das offene Herz Jesu verehrt und die Großtat seiner Liebe gepriesen. Denn sie hat aus dieser Quelle göttlichen Erbarmens die Fülle der Rettung, des Friedens und der Freude empfangen.


Paulus und die Frau im heutigen Evangelium sagen uns: Die Beziehung mit Jesus ist etwas zum Leben. Wenn ich mich auf diesen Jesus einlasse kann das nicht verborgen bleiben. Vielmehr wird mein Leben dadurch geformt in einer Weise, dass es mehr und mehr an Jesus erinnert. Das Wasser kann die Quelle nicht leugnen, der es entströmt. Und die Quelle kann das Wasser nicht für sich behalten, das ihr entströmt.


Jesu Herz ist so eine Quelle und auch unser Herz soll so eine Quelle sein. Das ist zumindest seine Berufung. Gott hat ihm diese Berufung eingeschaffen. Lassen wir uns von Jesus ermutigen, diese Berufung auszuleben. Amen!

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