Dienstag, Mai 18, 2010

Himmelfahrt - Heimgang


Aus dem heiligen Evangelium nach

Lukas 24: 46 – 53


46Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen,

47und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.

48Ihr seid Zeugen dafür.

49Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herab senden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.

50Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie.

51Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben;

52sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück.

53Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.




Welch ein Unterschied im Verhalten der Jünger! Welch eine Veränderung! Nachdem Jesus sie im heutigen Evangelium verlässt und zum Himmel emporgehoben wurde kehren sie in großer Freude nach Jerusalem zurück und sie waren nun immer im Tempel und riesen Gott.


Es ist noch nicht lange her, da hat er sie schon einmal verlassen; auch damals wurde er emporgehoben – allerdings angenagelt an einem Kreuz am ende eines Leidensweges. Damals reagierten die Jünger auch ganz anders: Sie flohen und liefen auseinander; sie hatten Angst vor den Juden und sperrten sich zu Hause ein.


Heute aber sind sie in großer Freude; sie bleiben beisammen und zwar in aller Öffentlichkeit: Im Tempel halten sie sich auf und preisen Gott.

An diesen gewandelten Jüngern ist beispielhaft das erlösende Wirken Jesu erlebbar. Sie sind so geworden durch seinen Tod, seine Auferstehung und dadurch, dass er sie erneut um sich versammelt hat – um die Gabe der Erlösung mit ihnen zu teilen.


Für Jesus war das Verlassen der Jünger ein Gehen zum Vater; und dieses Gehen war ein Heimgehen. Das gibt dem Prozess der Loslösung Jesu von den Jüngern einen sehr persönlichen und warmen – irgendwie heimeligen Charakter – zumal Jesus ja auch seine Jünger zu sich und zum Vater heimholen wird. Der Heimgang Jesu ist von vornherein ausgerichtet auf den Heimgang seiner Jünger und damit zugleich auf den Heimgang seiner Kirche.


Dieses Heimgehen versteht Jesus nicht nur von seiner Himmelfahrt sondern auch von seinem Leidensweg in den Tod hinein. Und es stirbt sich anders, wenn dieser Prozess ein Heimgehen ist. Das konnten wir bereits selber womöglich am Sterben von Angehörigen erleben.


Das Heimgehen Jesus ist ein Zurückkehren an seinen Ursprung. Dieses Heimgehen Jesu klingt in seinem ganzen Leben hier auf Erden immer wieder in verschiedener Weise an:

Es ist da, wenn Jesus als 12jährigre zu seinen Eltern sagt: wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? (Lk 2:49)

Es ist da, wenn Jesus beim Gebt ist – allein oder mit den Leuten; in der Einöde oder im Tempel.

Es ist da, wenn er beim letzten Abendmahl beim Segnen von Brot und Wein die Augen zum Himmel erhebt.

Jesus lebt sein ganzes Leben als ein Heimgehen; in der Himmelfahrt wird dies wie mit einer Unterschrift bestätigt und zugleich vollendet.


Bedenken wir jedoch, wie dieses Heimgehen geschieht: Jesus kommt als ein anderer Zurück als der er vom Vater ausgegangen ist. Er kommt zurück, geprägt und gekennzeichnet von der Menschheit, die er bei seiner Geburt angenommen hat. Sein Heimgehen ist ein Durchgehen durch unser Menschsein und durch unsere Welt. Im Durchgehen geschieht nun aber unlösbare Verbindung. Was er sich im Durchgehen verbunden hat, das bleibt ihm; da nimmt er an; das nimmt er mit. Durch dieses Annehmen und Mitnehmen von uns Menschen wird Erlösung dessen möglich, was noch nicht erlöst ist. Wenn Jesus zum Vater nach Hause kommt, dann nicht mit „leeren Händen“ – er bringt dem Vater als Geschenk die erlöste Menschheit mit – nicht als anonyme Masse sondern jeden Einzelnen einzeln im Gesamt jener, die zu ihm gehören.


Jesu Himmelfahrt als Heimfahrt – nicht nur als Vollendung seines Weges und als Eröffnung unseres Weges zum Vater sondern als Vorgabe für uns: Auch wir sollen unser Leben als Himmelfahrt, als Heimfahrt leben und erleben und damit als Rückkehr zu unserem Ursprung. Jeder Atemzug kann uns davon erzählen; jedes Zurückkehren in die Nacht, die wir morgens wieder in den Tag hinein verlassen. Und auch wir sind im Kommen anders als im Gehen. Auch wir kommen als Beladene und Gewandelte.


Himmelfahrt: Was es für Jesus war und ist das möge es für uns werden! Zeichen dafür sind die Freude und die Dankbarkeit über die Gewissheit, dass Jesu Herrlichkeit auch unsere Heimat beim Vater ist. Amen!

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