Samstag, Mai 15, 2010

Festhalten am Wort Jesu


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 14: 23 – 29


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

23Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.

24Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.

25Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.

26Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

27Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.

28Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.

29Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.





Jesus bestellt seinen Hof und regelt seine Hinterlassenschaft. Er selber geht zum Vater. Nicht dass er das nahende Leiden und Sterben verdrängt und ausblendet. Er sieht nur weiter als bis zu seinem Tod: Er sieht darüber hinaus; er blickt durch den Tod hindurch. Er sieht den, der jenseits des Todes seiner wartet: er sieht auf den Vater.


Jesus hält an seinem Vater fest. Schon die ganze Rede hindurch kommt der Vater ausdrücklich durch Jesu Mund zur Sprache: die Liebe zu Jesus erweckt die Liebe des Vaters; der Vater wird zusammen mit Jesus kommen und wohnen bei dem, der Jesus liebt. Die Worte, das seine Jünger hören, sind des Vaters Worte. Schließlich wird der Vater im Namen Jesu den Hl. Geist als Beistand zu ihnen senden.


Auch darin, dass Jesus seinen Vater so umfassend in seiner Sprache zum Ausdruck bringt, hält Jesus an seinem Vater fest.

Dieses Festhalten Jesus an seinem Vater weckt so kurz vor Jesu Leiden und Sterben die Frage auf: Wird der Vater auch an seinem Sohn Jesus festhalten? Er wird! In der Auferstehung hat es sich erwiesen. Dieses Festhalten aneinander ist Ausdruck einer unerschütterlich treuen Liebe zueinander.


Dieses Festhalten Jesu an seinem Vater betrifft auch uns. Denn indem wir uns an Jesus halten, halten wir uns an seinem Vater. Und auch bei uns wird dieses Festhalten ein Ausdruck unserer Liebe sein: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr an meinem Wort festhalten!


So ein Wort des Herrn haben wir am heutigen Sonntag in besonderer Form vor uns: in der Gestalt unserer Mutter! Heute am Muttertag können wir in dieser Frau ein Wort sehen, in dem Gott uns seine besondere Liebe und Zuneigung ausspricht. In dieser Frau will nämlich die Mütterlichkeit Gottes in einmaliger Weise zu jedem ganz persönlich zum Ausdruck kommen. In der Feier dieses Tages halten wir an unserer Mutter fest. Wir danken ihr für die vielfältige Sorge um uns Zeit ihres Lebens und auch nach ihrem Tod als Fürsprecherin bei Gott. Möge die Feier dieses Tages eine herzliche Verbundenheit ausdrücken, die das ganze Jahr über die Beziehung zu unserer Mutter kennzeichnet.


Wie wir bei Jesu Beziehung zum Vater und bei unserer zur Mutter beobachten konnten kommt dieses Festhalten von der Liebe; sie gibt den Impuls und die Kraft zum Festhalten. Je größer und je treuer die Liebe umso entschlossener unser Festhalten. Wie wir Festhalten ist ein Kennzeichen unserer Liebe.


Und so stellt Jesus fest: Wenn ihr mich liebt werdet ihr an meinem Wort festhalten. Das Wort, das Jesus gesprochen hat und das uns im Evangelium überliefert ist, ist nicht von ihm zu trennen und wie wir mit diesem Wort umgehen gehen wir mit Jesus selber um. In seinem Wort ist Jesus selber da. Diese wesentliche und unlösbare Einheit möchte Jesus uns heute von neuem in das Bewusstsein rufen. Zugleich lenkt er unsere Aufmerksamkeit auf unseren Umgang mit seinem Wort; das heißt konkret: Mit dem Wort des Evangeliums, wie wir es bei der hl. Messe hören; mit dem Evangelium, das bei uns zu Hause im Regal steht; mit dem Evangelium, das im Kirchenblatt wöchentlich zu uns nach Hause kommt – so wir diese Zeitung abonniert haben.


Die Rolle also, die dieses Wort in unserem Leben spielt, genau diese Rolle spielt auch Jesus in unserem Leben – diese und keine andere!


Wie sollte es auch möglich sein, Jesus zu lieben und zugleich sein Wort gering zu achten! Das wäre völliger Unsinn!


Jesus wusste genau, warum er seine Person bindet an Sinnfälliges – wie es das Wort des Evangeliums ist; oder das eucharistische Brot; oder der bedürftige Nächste. Er tut dies, damit unsere Beziehung zu ihm sich grundsätzlich und ausschließlich über diese Sinnfälligkeiten gestalte. Damit bleibt unsere Beziehung zu Jesus zeit unseres Lebens gebunden an unsere Lebenszusammenhänge hier auf Erden. Oder andersherum: Auf diese Weise wird unser ganzes Leben eingebunden in unsere Beziehung zum Herrn. Und der Herr hat die Möglichkeit, seinen Geist, sein leben, seine Liebe durch uns einfließen zu lassen in die Lebenszusammenhänge, in denen wir stehen.


Wenn wir an seinem Wort festhalten hält dieses Wort uns fest bei ihm; zugleich hält es uns fest in unserer gelebten Wirklichkeit – auf dass alles Bestand habe in IHM und alles erlöst werde durch IHN. Amen!

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