Dienstag, Mai 18, 2010

Einssein - In-sein


Aus dem heiligen Evangelium nach

Johannes 17: 20 – 26


20Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.

21Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.

22Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind,

23ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.

24Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.

25Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast.

26Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.



In der Erwartung des Hl. Geistes hören wir heute im Evangelium Jesus zu seinem Vater beten. Es ist kein wortloses Beten und Jesus betet nicht in der Abgeschiedenheit. Er betet vor seinen Jüngern und drückt das im Gebt zum Vater aus, was ihm für seine Jünger vor allem am Herzen liegt.


Dass dieses Gebet auch uns betrifft, sagt er gleich ausdrücklich zu Beginn des Gebetes: „Ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.“ (Joh 17:20) So können wir also mit Recht sagen: Jesus betet heute auch für uns. Und was er seinen Jüngern erbittet, das erbittet er auch für uns. Im Blick auf jene, die durch das Wort seiner Jünger an ihn glauben richtet er seine Augen bereits auf die Kirche aller Zeiten.


Worum bittet Jesus nun? Um Einheit vor allem: Alle sollen eins sein! Das Gebet ist eine einzige Bitte um Einheit.

Wenn wir jedoch die Uneinigkeit gerade auch in unserer Kirche und zwischen den einzelnen Konfessionen erleben dann verstehen wir, warum Jesus so sehr und so eindringlich um Einheit gebeten hat.


Der Bedeutsamkeit der Einheit, ihrer Gefährdung und der schieren Unmöglichkeit, sie wieder zu erringen entspricht auch das Vorbild für Einheit, das Jesus uns vor Augen hält: Es ist die Einheit, die Jesus mit seinem Vater lebt – nicht mehr und nicht weniger!

Welche Haltung streicht Jesus nun aber an diesem Einssein zwischen ihm und dem Vater besonders hervor, damit wir sie uns abschauen und sie nachahmen? Die Toleranz, das Verständnis, die Geduld, die Flexibilität? Nein!


Er spricht bloß vom Ineinandersein: „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin!“ Das begründet ihre Einheit. Es ist ein uneingeschränktes Raumgeben ineinander und ein uneingeschränktes Raumnehmen. Dies ist jedoch kein Ineinanderaufgehen, in dem jeder seine Eigenheit verliert: Der Vater bleibt der Vater und der Sohn bleibt der Sohn. Der Vater ist im Sohn und lässt ihn Sohn sein; der Sohn ist im Vater und lässt ihn Vater sein.


Nun gibt Jesus dem Gebet eine bemerkenswerte Fortsetzung: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin – jetzt würden wir erwarten: so sollen auch sie ineinander sein! – aber Jesus betet anders: sollen auch sie in uns sein.

Damit macht Jesus deutlich: Die Einheit, um die er für uns bittet und die er von uns erwartet können wir auf uns gestellt nicht verwirklichen. Da werden wir allemal versagen.

Das Einssein miteinander können wir nur verwirklichen, indem wir in Gott sind. Mit anderen Worten: Die Quelle des Einsseins unter uns Christen ist die Verbundenheit mit Gott. Je verbundener mit Gott desto mehr eins miteinander. Oder umgekehrt: Je weniger eins miteinander desto weniger verbunden mit Gott!


Je mehr ich das bedenke desto klarer wird mir, warum dieses Evangelium ausgerechnet in der Novene auf Pfingsten hin verkündet wird: weil wir ohne den Hl. Geist dieses Einssein nie und nimmer erreichen geschweige denn halten werden können. Denn es ist der Hl. Geist, in dem der Vater im Sohn ist und der Sohn im Vater. Und im Hl. Geist sind wir in Gott.


Was bedeutet das nun näher hin?

Dass wir Eins miteinander niemals ohne den Hl. Geist sein können.

Dass wir eins miteinander nur durch unser Einssein mit Gott werden können.

Dass im Einssein mit Gott unser Eigensinn zerstört und unsere Identität vollkommen wird.


Der Eigensinn ist es, der uns verschließt vor Gott und voreinander; er verschließt uns auch vor uns selber, denn er lässt uns nicht in Gott unsere wahre Mitte erkennen; er lässt uns einsam mit uns allein. Ihn aufzubrechen ist ein Werk des hl. Geistes.

In diesem Aufbruch entdecken wir vor zu unsere wahre Identität, die darin besteht, dass wir von Gott geschaffen und von ihm geliebt sind und dass wir in ihm das Ziel unseres Lebens finden. Wir erfahren uns von Gott zuerst geliebt – und dies mit einer Eindringlichkeit, die uns dazu drängt, einander zu lieben. Diese Liebe ermöglicht das Einssein, das Jesus meint. Hl. Geist, der Einheit schafft, erfülle uns mit deiner Kraft! Amen!

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