Samstag, Mai 22, 2010

Der hl. Geist der Beistand


Aus dem Hl. Evangelium nach Johannes
14: 15 – 16.23b – 26

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
15 Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.
16 Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.

23b Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.

24 Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.

25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.

26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.





Ich bin der „Ich bin da“ (Ex 3:14) So stellt Gott sich im brennenden Dornbusch dem Mose vor. Im heutigen Evangelium hören wir, wie Jesus diesen Anspruch Gottes aufrecht erhält. Nun da er seine Jünger verlässt wird er den Vater um einen anderen Beistand bitten, der dann für immer bei seinen Jüngern bleiben soll. Er nennt ihn Beistand, denn er wird seinen Jüngern beistehen, wie Jesus es getan hat, als er mit ihnen unterwegs war; und wie Gott seinem Volk beigestanden ist die Jahrhunderte hindurch.

Aus dem unerschöpflichen Quell seiner Liebe heraus hat Gott im Verlauf der Geschichte Immer wieder die Beziehung zu seinem Volk erneuert. Denken wir dabei an die markanten Gestalten an denen sich dieser unerschütterliche Wille, seine Liebe zu erneuern, gezeigt hat: Noach, Abraham, Mose, David. Dieses Bestreben Gottes in seiner Liebe treu zu bleiben erreicht seinen Höhepunkt in der Sendung seines Sohnes Jesus Christus. In der Sendung des Hl. Geistes erfolgt das letzte und endgültige Update seiner Liebe zu uns Menschen. Gott besiegelt so bis ans Ende der Zeit seine erlösende Liebe durch Jesus Christus und setzt durch das Wirken des Hl. Geistes diese Liebe und ihre erlösende Kraft für immer gegenwärtig. Die Kirche ist die sichtbare Gestalt dieser gegenwärtigen Liebe Gottes hier auf Erden.


Diese Besiegelung erleben wir in der Lesung aus der Apostelgeschichte. Wie Feuer und wie ein Sturm überkommt der Hl. Geist die wartende und betende Jüngergemeinde und sie erkennt das Heilswirken Gottes bisher und dass auch sie – die Jünger in diesen Heilsplan Gottes eingebunden sind; dass sie die Gemeinschaft der Kirche sind, in der Gott sein heil hier auf Erden weiter wirken möchte; dass sie der Leib Christi sind, der hier auf Erden weiterlebt und der Gottes große Taten verkünden soll. Und das tun sie denn sogleich, denn mit der Einsicht in diese Berufung bekamen sie die Kraft verliehen, diese Berufung auch zu leben: Sie treten offen vor das Volk und predigen in der Kraft des hl. Geistes die Erlösung im Namen Jesu. Und die wird sichtbar in den Vielen, die sich bekehren und sich der jungen Kirche anschließen. Sie wird sichtbar in Zeichen und Wundern, die durch die Apostel geschehen.

Wenn wir die Entfaltung der Kirche in der Apostelgeschichte verfolgen, können wir verstehen, warum Jesus den Hl. Geist „Beistand“ nennt: Er ist die Kraft, in der die Jünger auftreten, predigen und Zeichen und Wunder wirken. Warum können die Jünger so sehr in der Kraft des Hl. Geistes wirken?


Das Evangelium gibt Antwort. Dort erfahren wir nun von Jesus selber über die eigentlichen Aufgabe des Beistandes. Sein Beistehen besteht darin, dass er lehrt und an alles erinnert, was Jesus ihnen gesagt hat. Er wird also bewirken, dass Jesus nicht in Vergessenheit gerät: Er wird ihnen seine Worte und seine Taten in Erinnerung rufen – aber nicht in nostalgischer Märchenform: „das war einmal“ sondern in der lebendigen Gegenwartsform: „Das ist jetzt!“ Mit den Worten und Taten Jesu wird Jesus selber gegenwärtig und sein erlösendes Wirken kann fließen: Es fließt wie Feuer vom Himmel und entzündet; es strahlt auf wie das Licht und erleuchtet; es weht wie der Wind, der im Sturm ergreift und in Bewegung setzt; es strömt wie das Wasser auf trockenes Erdreich.


Ich muss dabei an mein Heimatdorf denken: Dort zweigen vom Bach, der durch das Dorf fließt, Gräben ab, die in die anliegenden Felder führen. Durch Schieber wird der Wasserzufluss in diese Gräben geregelt. Durch Umkehr und Taufe werden die Schieber geöffnet und die Wasser des Heiles können ungehindert fließen und den trockenen Graben ausfüllen.


Bei der wartenden Jüngerschar wurde der Schieber geöffnet durch ihr beharrliches, einmütiges Gebet.


Der Hl. Geist öffnet sowohl die Schieber, denn er bewegt zur Umkehr, er führt zur Taufe, er lässt beharrlich beten; er ist aber auch das erfrischende Wasser, das in vielfältiger Form neues Leben schenkt. Er ist der Lebens- und Liebesodem, der von Jesus ausgeht und der uns jenes Leben schenkt, das uns als seine Jünger auszeichnet.


Er gibt dem Volk, das ihm vertraut, das auf seine Hilfe baut, seine Gaben zum Geleit.


Er lässt es in der Zeit bestehn, seines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit. Amen! Halleluja!

Keine Kommentare: