Samstag, März 06, 2010

Bekehren - umgraben und düngen


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 13: 1 – 9

1Zu jener Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, so dass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte.

2Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht?

3Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.

4Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht?

5Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.

6Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine.

7Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?

8Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen.

9Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.







Ein Theologe unserer Zeit nennt das heutige Evangelium einen der härtesten Texte der Bibel. Wie kommt er zu diesem Urteil? Weil schmerzliche Wahrheiten klar angesprochen werden:


Dass das Unglück anderer nicht bedeutet, dass sie besondere Schuld auf sich geladen hätten und die übrigen schuldlos wären.


Dass vielmehr alle schuldig sind und ihr Weg ebenso in das Verderben führt – wenn sie nicht zuvor umkehren!


Das heutige Evangelium lesen wir bei Lukas – und nur bei ihm! Dabei wird aber gerade von diesem Evangelisten das Erbarmen Gottes betont wie bei keinem sonst: Nur bei Lukas hören wir die Geschichte vom barmherzigen Vater (Lk 15: 11 – 32) vom Oberzöllner Zachäus (Lk 19:1 – 9) und vom Verbrecher, dem Jesus sterbend das Paradies verheißt (Lk 23: 39 – 43). Wie verträgt sich beides miteinander: Die harte Rede des heutigen Evangeliums mit der unbegreiflichen Barmherzigkeit Gottes. Beides ist uns schwer erträglich!


Und doch hängt beides zusammen: Denn Gott, der wie keiner sonst um das Verderben des Menschen weiß, kennt auch das Mittel, das davor bewahrt: nämlich sein Erbarmen! Darum ist einerseits sein Erbarmen so grenzenlos und andererseits sein Wort so schmerzlich klar, mit dem er uns Menschen auf dem Weg in das Verderben zur Umkehr auffordert.


Auch das heutige Evangelium ist eine herrliche Frucht seiner Liebe zu uns Menschen.


Diese Liebe verwehrt es ihm, zu verwässern, zu beschwichtigen, zu verdrängen nach dem Motto etwa: „Die Leute sind eh alle so brav und der Herrgott so gut!“ Da kann nichts schiefgehen. Bei derartigen Umständen bräuchte Gott nicht barmherzig sein, denn es werde eh alle gerettet – gleichsam automatisch.


Diese Liebe drängt ihn vielmehr zu einer klaren, unmissverständlichen Sprache, die dem Menschen die unbedingte Notwendigkeit zur Umkehr eindringlich zusagt. Sie zwingt zur Frage: Wo muss ich umkehren, weil ich ansonsten ins Verderben laufe? Diese Fragen sind unangenehm und wir gehen ihnen lieber aus dem Weg.


Mit dem abschließenden Gleichnis will Jesus uns helfen, diese Fragen zu beantworten. Der Feigenbaum im Weingarten bringt drei Jahre keine Frucht; das entspricht nicht den Erwartungen des Besitzers; deswegen möchte er ihn umhauen lassen. Der Feigenbaum verdient das, weil er frucht- und nutzlos herumsteht und dem Boden umsonst die Kraft nimmt.


Das regt die Frage an: Wo bin ich nutzlos? Wo bringe ich nicht die erwarteten Früchte? Damit soll nicht Leistungsdenken gefördert werden. Vielmehr soll ich mich meiner Berufung stellen. Die Berufung des Feigenbaumes ist es, Feigen zu tragen. Welche Früchte zu bringen bin ich berufen? Worin besteht der Sinn meines Lebens? Wozu wurde ich geboren?


Der Besitzer des Weinberges geht ja auch seiner Berufung nach: nämlich nachzusehen, ob denn die einzelnen Gewächse denn auch Früchte tragen und ihre Entfernung zu veranlassen, wenn sie dies nicht tun.


Auch der Weingärtner geht seiner Berufung nach, für die Gewächse des Weinberges Sorge zu tragen; sich um sie zu kümmern und ihnen gegebenenfalls eine Spezialbehandlung zu verabreichen. Und das tut er denn auch, indem er beim Besitzer ein Jahr Aufschub erwirkt. In diesem Jahr wird er dem Feigenbaum besondere Zuwendung schenken und alles ihm mögliche zur Fruchtbarkeit des Feigenbaumes beitragen.


Wir dürfen wohl im Herrn des Weinberges Gott selber und im Weingärtner Jesus, seinen Sohn erkennen. Beide gehen sie im Geist des Einvernehmens mit dem Feigenbaum um: Der Besitzer gewährt die Gnadenfrist von einem Jahr; und der Weingärtner stimmt im Falle hartnäckiger Unfruchtbarkeit dem Fällen des Feigenbaumes zu.


Für uns bedeutet dies: Die Zeit, die uns noch zur Verfügung steht ist eine Gnadenfrist; Paulus nennt sie Zeit der Gnade und Tag unserer Rettung (2 Kor 6:2). Diese Zeit gilt es entschlossen und ernsthaft zu nützen: wieder der Apostel: Nützt die Zeit (Eph 5:16), die euch geschenkt ist!


Was für uns jedoch bedeutsamer ist: Wir sind im Mühen um ein gelingendes Leben nicht allein: Der Weingärtner unterstützt uns ganz wesentlich dabei: Er gräbt um und er düngt! Wir dürfen in diesem Tun erkennen, dass Jesus nicht gekommen ist, „um die Welt zu richten sondern um sie zu retten.“ (Joh 12:47)


Im Umgraben dürfen wir sein Heilswirken sehen, sein Sterben und Auferstehen für uns; seine Wirken kraft des Hl. Geistes.


Im Dünger dürfen wir sein Wort verstehen, das er zu uns spricht; sein Blut, das er für uns vergossen und seinen Leib, den er für uns hingegeben hat – beides uns gegenwärtig und zugänglich in der Eucharistie; wir dürfen darunter seine immerwährende Gegenwart in uns und um uns herum verstehen.


Wenn wir uns diesem Einsatz des Weingärtners aussetzen – wird es da wohl noch möglich sein, fruchtlos zu bleiben!? Amen!

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