Samstag, Januar 02, 2010

In IHM war das Leben


Aus dem heiligen Evangelium nach

Johannes 1: 1 – 5.9 – 14



1Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.


2Im Anfang war es bei Gott.


3Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.


4In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.


5Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.


9Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.


10Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.


11Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.


12Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,


13die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.


14Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.





Der 1. Sonntag nach Weihnachten war der Hl. Familie Jesus, Maria und Josef gewidmet.

Der heutige 2. Sonntag nach Weihnachten ist auch einer Familie gewidmet – in einem tieferen, umfassenderen Sinn: der Familie, die in Gott ist; der Familie der heiligsten Dreifaltigkeit; und schließlich der Familie, in die jene aufgenommen werden, denen die Macht gegeben wurde, Kinder Gottes zu werden.


Johannes der Evangelist lädt ein, diese Familie zu betrachten. Er tut dies mit dem Prolog seines Evangeliums: Er gewährt darin einen besonderen Einblick in die Person des Herrn Jesus Christus – einen Einblick wie ihn nur der haben kann, von dem es heißt, dass der Herr ihn liebte. Es ist ein Einblick, wie nur die Liebe ihn gewähren – und das heißt: schenken – kann. Und es kann auch nur die Liebe sein, die verstehen lässt, was Johannes da schreibt. So bitten wir um jene Liebe, die uns Zugang gewährt zu dem, was aus dieser Liebe hervorgeht.


Der Ausgangspunkt für die Worte des Johannes ist nicht angestrengte, spekulative Gedankenarbeit sondern die Erfahrung, die er mit Jesus machte in der Zeit ihres Beisammenseins damals in Galiläa und Jerusalem. Diese Erfahrung hat begonnen mit seiner Berufung weg von den Fischerbooten seines Vaters Zebedäus hinein in die Nachfolge Jesu. Und diese Erfahrung hat nicht mehr aufgehört: sie ging hinaus über Jesu Tod und Auferstehung; sie setzte sich fort in der Geistausgießung und in all dem, was seither in der Kraft dieses Geistes geschehen ist. Es hat sich bewahrheitet, was Jesus versprochen hat als er sagte: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.


Dieser andauernden Präsenz des Herrn hat Johannes sich immer mehr, immer tiefer und inniger aussetzen und öffnen können. Und aus dieser Gegenwart des Herrn fließen ihm die Worte seines Evangeliums zu. Sie fließen durch ihn, seine Feder auf das Pergament, das er beschreibt. Und es sind wenige und einfache Worte, mit denen Johannes seinem Herrn auf den Grund geht und ihm dorthin zurückfolgt, woher Jesus gekommen ist – zu Gott! In einer Schlichtheit sonder gleichen führt Jesus seinen Lieblingsjünger in das innerste Geheimnis seiner Person, in die tiefste Kammer seines Herzens, an den Quellgrund seines Wesens. Durch die Verkündigung dieser Worte dürfen wir Anteil nehmen an dieser Reise in das Innerste Jesu.


Johannes führt zurück an den Anfang vor allem Gewordenen; damals war das Wort und Gott und die beiden waren beisammen. Wir erkennen den Vater in Gott, den Sohn im Wort, den Geist im Beisammensein von Vater und Sohn. Johannes stellt den dreifaltigen Gott an den Beginn von allem. Ein Widerspiegeln dessen, was Johannes bei Jesus erlebt hat: Wie der immer wieder zum Vater ging, zum Vater betete, beim Vater war und wie aus diesem Miteinander von Jesus und Vater in Wort und Tat die göttliche Lebensfülle sich in diese Welt ergoss: Wir denken an das Predigen Jesu, an die Wunder die er wirkte, an seine Auferstehung und die Ausgießung des hl. Geistes, die sich fortwährend ereignet in den Kindern Gottes.


Johannes entdeckt so einen Gott, der kein Einsiedler sondern Gemeinschaft ist und voll des Lebens, das von ihm ausströmt und durch das Wort alles, was ist, ins Dasein ruft; der dieses Dasein am Leben erhält und schließlich selber in dieses Dasein eintritt in seine höchste Form, in die Form menschlichen Daseins: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.


Bedenken wir, wie radikal Johannes uns durch Jesus mit Gott verbindet auf Grund unseres Geschöpfseins und wie er diese Verbundenheit ins Unendliche vertieft dadurch, dass eben dieser Gott sich mit uns im Menschsein verbindet. In dieser Verbundenheit ruht die Macht jener, die an seinen Namen glauben, die deshalb aus Gott geboren und also Kinder Gottes sind.


Möchten wir doch begreifen, wie sehr wir dem Herrn gehören, ob wir leben oder ob wir sterben; wie sehr wir sein Eigentum sind.


Und möge aus diesem Begreifen die Sehnsucht wachsen, uns ganz nach dem Herrn hin auszustrecken und ihn aufzunehmen und ihm also zu geben, was ihm seit jeher gehört. Amen!

Keine Kommentare: