Sonntag, Januar 24, 2010

Erfüllt von der Kraft des Geistes


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 4: 14 – 21

14Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend.


15Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.


16So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen,


17reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt:


18Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze


19und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.


20Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.


21Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.




Wenn wir im Evangelium hören, dass Jesus aus der Wüste nach Galiläa zurückkehrt, dann nicht, weil ihm dort langweilig geworden wäre oder er sich dort gefürchtet hat. Die treibende Kraft ist vielmehr der hl. Geist: Erfüllt von der Kraft des Geistes kehrt Jesus nach Galiläa zurück.


Dieser Geist hat ihn in die Wüste geführt; in diesem Geist hat er dem Bösen erfolgreich Widerstand geleistet; dieser Geist führt ihn jetzt wieder zurück unter die Menschen.


Wozu bewegt ihn der hl. Geist in der menschlichen Gemeinschaft? Zum Beispiel dazu, dass er sich dem religiösen Brauchtum einfügt und wie gewohnt am Sabbat in den Gemeindegottesdienst geht.


Dieser Geist eröffnet ihm in der Folge den Zugang zur hl. Schrift. Denn er erlässt ihn erkennen, dass die Bibelstelle aus dem Propheten Jesaja ihn selber meint. In diesem hl. Geist ist Jesus ganz offen und berührbar für das Schriftwort, das er inmitten der Gemeinde vorliest. Er erkennt: Mit diesem Wort Gottes bin ich gemeint; dieses Wort spricht Gott direkt zu mir. Mit diesem Wort gibt Gott mir mein Lebensprogramm vor:

Auf mir ruht der Geist des Herrn;

mich hat der Herr gesalbt;

mich hat der Herr gesandt, den Armen eine gute Nachricht zu bringen; Gefangenen die Entlassung zu verkünden, Blinden das Augenlicht, Zerschlagene in Freiheit zu setzen.

Ich soll ein Gnadenjahr des Herrn ausrufen.


Was am Jordan in der Taufe an Jesus geschehen ist – das Herabkommen des hl. Geistes auf ihn in Gestalt einer Taube und die Stimme vom Himmel, die ihn geliebten Sohn nennt – beginnt sich nun in seinem Leben umzusetzen: In der Kraft dieses hl. Geistes erkennt er im Prophetenwort die Vaterstimme am Jordan wieder, er erfasst dieses Wort als Lebensauftrag von seinem Vater und nimmt diesen Auftrag an – so kann Jesus abschließend sagen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Diese Erfüllung meint, dass das Wort ganz bei Jesus angekommen ist, dass es ihn betrifft und erfüllt und dass es fortan sein Leben prägen wird. Und wie diese Lebensprägung dann genau aussieht – genau das wird Lukas in seinem Evangelium entfalten.


Auf dem Hintergrund des heutigen Evangeliums ist es durchaus begreiflich, dass wir unsere Bibelrunden und jeglichen Umgang mit dem Wort Gottes der Führung des hl. Geistes anvertrauen.


Wir erleben also, wie Jesus in der Kraft des hl. Geistes seine Beziehung zu Gott gestaltet über das Wort Gottes, das ihn aus dem Propheten Jesaja anspricht.


In der Kraft des hl. Geistes wird aber nicht nur Jesu Beziehung zu Gott geformt sondern auch sein Verhältnis zu den Menschen. Denn durch das totale Betroffensein vom Schriftwort wird sein Leben auf die Menschen hingeordnet und zwar so, dass sein Leben zu einem Segen wird für die Armen, die Gefangenen, die Blinden, die Zerschlagenen.


Erfüllt von der Kraft des Geistes wird Jesus

zum Reichtum für die Armen,

zum Licht für die Blinden,

zum Heil für die Kranken,

zur Vergebung für die Sünder,

zum Trost für die Trauernden,

zum Leben für die Toten.


In der Kraft dieses Geistes erkennt Jesus, was Gott ihm für die Menschen gegeben hat und in der Kraft dieses Geistes ist er bereit, es den Menschen zu geben.


Es beginnt sich der eine Leib Christi mit den vielen Gliedern abzuzeichnen, von dem wir in der Lesung aus dem 1. Korintherbrief gehört haben. Und gerade dieser Geist Jesu ist es, in dem der eine Leib Christi gestaltet wird. Dieser Geist ist das Leben des Leibes Christi.


Darum ist es wichtig, erfüllt von der Kraft des Geistes zurückzukehren – aus den Zeiten der Einsamkeit in die Gemeinschaft und umgekehrt; aus dem Gebet in den Dienst an den Geschwistern und umgekehrt; aus diesem Gottesdienst nach Hause und umgekehrt.


Denn es ist genau dieser Geist, in dem wir erkennen können, was Jesus für uns bedeuten möchte; erkennen und annehmen.


Es ist genau dieser Geist, in dem auch uns das Wort Gottes treffen, prägen und bewegen möchte; in genau diesem Geist möchte Gott auch unser Denken, Reden und Tun lenken – so, dass der eine Leib Christi immer lebendiger und wirklicher werde und dieser Leib jene Gestalt annehme, die er im Sinne hatte, als Jesus Christus, sein geliebter Sohn in der Kraft des Geistes nach Galiläa zurückkam, um allen Armen eine gute Nachricht zu bringen und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen. Amen!

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