Samstag, Dezember 26, 2009

... und er war ihnen gehorsam


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas

2: 41 – 52


41Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.


42Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.


43Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten.


44Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten.


45Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort.


46Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.


47Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten.


48Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.


49Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?


50Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.


51Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.


52Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.






„Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ So antwortet Jesus auf die sorgenvolle Frage: „Kind, wie konntest du uns das antun!?“

Nun steht da zuerst freilich der Kummer im Vordergrund, den Jesus seinen Eltern bereitet hat.


Aber wir sollten doch nicht vergessen, was neben diesem Kummer auch da ist. Nämlich die Einsicht, dieses 12jährigen Knaben, dass Gott sein Vater ist und dass dieser Gott im Tempel wohnt! Worauf ich hinaus will, ist, dass diese Einsicht Jesu auch eine Frucht der religiösen Erziehung seiner Eltern ist.

So hat Jesus in der Tat seine Eltern bekümmert – zugleich dürfen sie aber auch die sehr guten Früchte ihrer Erziehung zur Kenntnis nehmen – was vorerst freilich vom erlittenen Kummer zugedeckt wird.


Bei Maria und Josef ist es nicht anders, wie wohl bei den meisten Eltern: Sie erziehen ihre Kinder mit bestem Wissen und Gewissen. Dennoch bringt diese Erziehung neben den erwarteten Früchten auch unerwartete. Da kommt dann vom Kind Eigenes hinzu, das die Eltern höchstens ahnen und manchmal mit Bedauern oder mit Schrecken erkennen können, wenn es da ist. Dieser Schrecken kommt dann nicht daher, dass es in sich was Ungutes wäre, was da aus dem Kind herauswächst – es ist vielmehr das Ungeplante, das Unerwartete, das Neue, was die Eltern in Sorge und Kummer stürzt. Es kommt im Kind eine Weite zutage, in die die Eltern auch erst allmählich hineinwachsen müssen.


So geschah es auch bei Jesus: Dass Gott sein Vater ist, dass er im Tempel wohnt – das hat er von seinen Eltern gelernt; das hat er mit ihnen aus den Schriften des Alten Bundes herausgelesen;

Aber dass er dann daraus den Schluss zieht, dass er in dem sein muss, was seinem Vater gehört – und im Tempel zurückbleibt – damit haben seine Eltern nicht gerechnet.


Ein Weiteres: Jesus ist nicht allein in einem stillen Winkel des Tempels gehockt und hat, von der Würde der hl. Hallen ergriffen, vor sich hingeträumt.

Seine Eltern fanden ihn vielmehr inmitten der Lehrer, denen er zuhörte und denen er Fragen stellte. Es liegt wohl auf der Hand, dass sie sich dabei über die hl. Schriften der jüdischen Religion unterhalten haben. Und auch hier wieder Frucht der Erziehung, dass Jesus im lebendigen Austausch einer Gemeinschaft Gottes Gegenwart erfährt und lebt; und dass es diese lebendigen Steine sind – Menschen, die Gott suchen und mit ihm und von ihm reden – aus denen Gott seinen Tempel baut.

Ja, das alles haben Maria und Josef Jesus beigebracht: Ein durchschlagender Erfolg ihrer Erziehung!


Aber das alles zählt momentan nicht! Momentan wiegt nur, dass Jesus aus Eigenem etwas getan hat, womit sie nicht gerechnet haben: Er hat eigenständig und ohne was zu sagen, die Familiengemeinschaft verlassen um eines Zieles willen, das ihm seine Eltern eingegeben haben: Gott als Vater zu sehen; seine Nähe zu suchen; bei ihm zu bleiben! Er hat das in einer Weise getan, die den vorgegebenen Rahmen und das Verständnis seiner Eltern sprengte.

Er scheint dieses Verständnis jedoch bei ihnen erwartet zu haben. Daher seine erstaunte Frage: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört!“

Doch sie verstanden nicht, was er sagen wollte.


Hier müssen wir innehalten und uns fragen: Wie wird es weitergehen? Jesus empfindet und lebt seinen Standpunkt; ihm gegenüber die Eltern, die ihn nicht verstehen können. Werden sie ihn am Arm packen und ihm streng gebieten: Du gehst jetzt sofort mit uns nach Hause? Was geht in Jesus jetzt vor?


Das Weitere gibt Auskunft: „Dann kehrt er mit ihnen nach Nazareth zurück und war ihnen gehorsam.“

Wohl gemerkt: Die Initiative liegt bei Jesus: „Er kehrte mit ihnen nach Hause zurück“ und nicht: „sie nahmen ihn mit nach Hause!“

Und: „er war ihnen gehorsam“ und nicht: „sie passten auf ihn auf, dass so was nicht mehr vorkommt.“


Was ist da in Jesus vorgegangen? Er fügt sich in die vorgegebene familiäre Ordnung ein; er sieht seine Eltern und weiß um ihren besten Willen; er weiß zudem, dass diese Ordnung von Gott abgesegnet ist und dass ER auch im Tempel der Familie wohnt; auch die Familie gehört zudem, was seinem Vater gehört.


Und auch all das ist Frucht der religiösen Erziehung seiner Eltern; sie haben in Jesus keinen frommen Egoisten herangezogen sondern einen religiösen Menschen, der in den menschlichen Ordnungen zunehmend Gott hören und entdecken konnte, was alles seinem Vater gehörte. Das ist gemeint, wenn das Evangelium schließt mit den Worten: „Jesus wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen! Amen!

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