Samstag, Dezember 19, 2009

Maria besucht Elisabet


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 1:39 – 45


39Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.


40Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.


41Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt


42und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.


43Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?


44In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.


45Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.




Ist das nicht allerhand! Eben erst hatte Maria eine Gottesbegegnung, in der ihr von einem Engel namens Gabriel gesagt wurde, sie sei schwanger durch den hl. Geist und das Kind, das in ihr heranwachse, sei Gottes Sohn und sie solle es Jesus nennen. Eine Botschaft, die ihr Leben von einem Augenblick auf den anderen auf den Kopf stellt und völlig verändert.


Was macht das mit Maria? Wie reagiert sie darauf? Das heutige Evangelium erzählt davon. Nachdem Maria dem Engel geantwortet hatte: „Siehe, ich bin des Herren Magd; mir geschehe wie du gesagt hast,“ fährt das Evangelium fort: „In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.“


Von ihrer Verwandten Elisabet hatte ihr der Engel erzählt: sie sei trotz ihrer Unfruchtbarkeit und ihres fortgeschrittenen Alters schwanger geworden und schon im sechsten Monat.

Zu der eilt Maria nun hin, um ihr in den Mühen der Schwangerschaft beizustehen; es sind ja nur mehr drei Monate bis zur Geburt. Frauen, die eine Schwangerschaft selber schon erlebt haben, wissen, was es bedeutet, in diesen Tagen eine Hilfe zu haben.


Was mich bei all dem berührt: dass Maria durch ihre Gottesbegegnung nicht völlig aus dem Häuschen geraten ist; dass sie nicht abgehoben hat und sich weiß Gott wie vorgekommen ist; dass sie auch nicht übervorsichtig geworden ist im Gedanken: ich trage jetzt eine so überaus kostbare Frucht in mir – also muss ich sehr aufpassen, dass nichts passiert; am besten ich bleibe möglichst zu Hause und gehe keinerlei Risiko ein für mein Wohl und vor allem für das meines Kindes.

Es ist rein gar nichts zu bemerken von solchen ängstlichen Überspanntheiten.


Das Gegenteil ist der Fall: Sie begibt sich sogleich in eine unwirtliche, gefährliche Gegend – genau das müssen wir uns nämlich unter dem Bergland von Judäa damals vorstellen. Das war kein Spaziergang auf eine Alm oder zur nächsten Jausenstation. Und sie ging nicht sondern eilte – geradeso als hätte sie bereits wieder vergesse, was eben an ihr und in ihr geschehen ist! Maria richtet sich ganz darauf aus, Elisabet in ihrer mühsamen Zeit zu helfen. Das beflügelt ihre Schritte.


Und genau das erscheint mir als Hinweis auf eine echten Gottesbegegnung: dieses Offenbleiben für den Anderen und seine Hilfsbedürftigkeit; ja, wem Gott begegnet, dem verschärft er das Gespür für den Nächsten; darum eilt Maria zu ihrer Verwandten. Maria kümmert sich um Elisabet weil Gott sich um Maria gekümmert hat. Weil Maria erfahren hat, dass Gott auf sie schaut und wie ER auf sie schaut, wird auch sie gedrängt auf Elisabet zu schauen und für sie zu sorgen.


Das Evangelium will uns heute sagen: Blick auf die Sorge um deinen Nächsten und lies daran ab, wie sehr oder wie wenig oder wie gar nicht dir Gott begegnet ist. Die Tiefe deiner Gottesbegegnung ist ablesbar an der Liebe zu deinen Nächsten. In der Liebe zu deinem Nächsten spricht sich die Liebe aus, die Gott dir erweist.


Das hat Elisabet auch gespürt; deshalb hat sie Maria sogleich erkannt und gepriesen als die „Gesegnete mehr als alle anderen Frauen“ weil sie die „gesegnete Frucht“ in ihrem Leib trägt; sie hat Maria erkannt als „die Mutter ihres Herrn“; sie hat selig gepriesen den Glauben Mariens, „dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“


Der Advent erscheint als jene Zeit, in der Gott uns segnen will mit seiner Gegenwart und uns dadurch zu einem Segen macht für unsere Mitmenschen.

Er erscheint als jene Zeit, in der sich Gottesliebe und Nächstenliebe als unzertrennliche Zwillinge erweisen, die entweder miteinander wachsen oder gar nicht wachsen. Bleiben wir also empfänglich und stellen wir uns auf Zwillinge ein! Amen!

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