Dienstag, Dezember 22, 2009

Dieses Kind - der Messias, der Herr!


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 2:1 – 14


1In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.


2Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.


3Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.


4So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.


5Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.


6Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,


7und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.


8In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.


9Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,


10der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:


11Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.


12Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.


13Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:


14Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.




In der Nacht:

Nach einem anstrengenden Tag und einer emotionalen Weihnachtsfeier im Familien- oder Freundeskreis nun zu später Stunde die Christmette. Ein bisschen viel – findet ihr nicht auch?


Im Wissen um meine begrenzten Kräfte mache ich nach der Bescherung immer ein nächtliches Nickerchen im Wissen darum, dass ja auch die Hirten bei ihren Herden nicht alle immer wach gewesen sein werden und in der Hoffnung, dass auch mich ein Weihnachtsengel rechtzeitig wecken wird.


Diese Hoffnung hat mich noch nie betrogen: In meiner Kindheit – damals war die Christmette noch eine Mitternachtsmette – kam dieser Engel in Gestalt meiner Mutter – Gott hab sie selig! Später dann ertönte die Engelstimme, die mich weckte, demütig im Piepsen meines Weckers – wenn nicht vorher schon das hl. Raunen dieser Nacht mich munter gemacht und auf den Weg zur Mette geschickt hat.


Jedenfalls dämmert bereits in diesem unscheinbaren Randgeschehen das lichtvolle Ereignis dieser Nacht: Das Große demütig im Kleinen! Der Engel in Gestalt meiner Mutter die Engelstimme im Piepston meines Weckers – sie sind Wegweiser auf den großen Gott im kleinen Kind; auf den kraftvollen Herrscher im zerbrechlichen Baby. Das erschließt ...


Am Tag:

"Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten" - so sagt uns die zweite Lesung der Christmette.

Das Bemühen, alle Menschen zu retten, kommt deutlich in der Abfolge der liturgischen Texte zum Ausdruck: Haben wir in der Nacht von der Menschwerdung Gottes in der Erzählung von der Geburt Jesu in Bethlehem gehört so berichtet Johannes im Evangelium eben auf ganz andere Weise von diesem Ereignis: Er spricht vom Logoswort bei Gott und von Gott, das Fleisch geworden ist.

Wenn in der Nacht von dem Kind gesagt wird: es ist der Messias, der Herr, dann ist das ein Zugang, der dem jüdischen Volk möglich ist.

Wenn Johannes nun aber vom Logoswort spricht und dass es bei Gott ist und von Gott kommt - ja, selber Gott ist, dann eröffner er damit dem griechisch denkenden Kulturraum einen Zugang zur Menschwerdung Gottes.


Die Botschaft der Mette und die des Tages führen beide zum gleichen Geschehen und weisen hin, wie das Große demütig im Kleinen erscheint: der große Gott im kleinen Kind; der kraftvolle Herrscher im zerbrechlichen Baby.


Das erschließt eine neue Dimension im Kleinen, Unscheinbaren, Alltäglichen; das ermutigt, im Kleinen das Große und letztlich den Großen – Gott zu sehen. Es lädt ein, aufmerksamer dem Kleinen zu begegnen und die Größe, die im Kleinen verborgen ist, zu suchen, zu erahnen, zu sehen, zu verehren und zu lieben.


Wie Gott auf die Niedrigkeit seiner Magd Maria geschaut hat, so ist er herabgestiegen in die Niedrigkeit eines Kindes. Und so wie Gott in diesem kleinen Kind da ist wird dieses Kind einmal für die Kleinen da sein – ja mehr noch: es wird für immer in den Kleinen und Armen unter uns sein.


Wenn wir uns also vor diesem Kind in der Krippe verneigen und es als Sohn Gottes und als unseren Erlöser verehren, dann muss dieses Verneigen zugleich ein Hineinbeugen sein in die Welt des Kleinen – ansonsten wird die Verehrung des göttlichen Kindes eine Farce, ein Theater, eine Show.


Dieses Hineinbeugen in die Welt des Kleinen ist dem Hubble Teleskop vergleichbar, das die winzig funkelnden und dem menschlichen Auge kaum erkennbaren Sterne am Himmel in ihrer schier unermesslichen Größe und Schönheit zeigt.


Dieses Hineinbeugen lässt uns die große Liebe erkennen mit der uns kleine Geschenke gemacht werden.


Es lässt uns jenes Licht im Dunkel sehen, das den nächsten Schritt ermöglicht.


Es lässt uns sogar die holprige Tagespolitik eine Erinnerung an Gottes Handeln sein.


Wenn wir etwa jüngst durch die Fusion eines Teiles des BZÖ mit der FPÖ ziemlicher innenpolitischer Wirbel entstanden ist, dann erinnert mich das daran, dass wir zu Weihnachten ja auch eine Fusion erleben: Ein Teil der göttlichen Dreifaltigkeit – nämlich der Sohn – fusioniert mit der Menschheit und wird Mensch wie wir.


Dabei ist der andere Teil der Dreifaltigkeit darüber gar nicht erbost sondern mit diese Fusion völlig einverstanden; diese Verbindung war alles andere als ein kalter Putsch: sie wurde durch eine ausführliche, geistgewirkte Informationspolitik des Vaters das ganze Alte Testament hindurch vorbereitet. Der Sohn wurde zudem von Maria seiner Mutter wärmstes aufgenommen und hat bei ihr und ihrem Mann Josef ein exzellentes Zuhause bekommen; zugleich ist er aber auch bei seinem Vater im Himmel der Heimat keineswegs verlustig geworden; vielmehr blieb der Vater immer bei ihm und hat ihn nie verlassen; so wie auch der Sohn immer bei seinem Vater war: in seinem Herzen, in seinen Gebeten, Gedanken und Taten.


Jesus ist durch die Fusion der Menschwerdung ein Bürger zweier Welten geworden – der himmlischen und der irdischen; der göttlichen und der menschlichen; der geretteten und der verlorenen – um so uns und unsere Welt als Erlöste heimzuholen zum Vater.


Die Demut und die Liebe dieser Hl. Nacht lässt nichts außer acht und hat jene Phantasie, selbst aus dem Banalsten geistlichen Gewinn zu erzielen – um die Banalität unseres Alltags ertragen und wandeln zu können in eine je neue und bessere Welt – in eine Welt, wo Frieden ist bei den Menschen seiner Gnade! Amen!

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