Samstag, Dezember 05, 2009

Bereitet dem Herrn den Weg!


Aus dem heiligen Evangelium nach

Lukas 3: 1–6


1Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene;


2Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias.


3Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.


4 (So erfüllte sich,) was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!


5Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.


6Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.




Die Haute-Volée von Staat und Kirche führt uns Lukas zu Beginn des heutigen Evangeliums vor Augen, angefangen beim Kaiser in Rom über die lokalen Größen der damaligen Zeit bis hin zu den Hohepriestern Hannas und Kajaphas. Dann eine Pause, ein Verweilen aus Respekt – und Lukas fährt fort: da er ging das Wort des Herrn! Ja, an wen von diesen illustren Leuten wird es wohl ergehen? Wen von ihnen wird der Herr wohl ansprechen? Den Kaiser, weil er politisch geradezu übermächtig ist? Oder einen von den Hohepriestern, weil sie die höchste religiöse Autorität sind? Keinen von diesen allseits bekannten Größen.

Es ergeht an einen völlig Unbekannten, der fernab jeden politischen, religiösen Geschehens in der Wüste lebt: es ergeht an Johannes, den Sohn des Zacharias!


Warum? Nun, sagen wir es mit den Worten des Tagesgebetes: Alle diese Leute waren besetzt von ihren irdischen Aufgaben und Sorgen. Das politische und religiöse Getriebe hat sie völlig in Beschlag genommen – da hätte das Wort des Herrn nie und nimmer Raum gewinnen können!


Ganz anders hingegen beim großen Unbekannten in der Wüste. Johannes war auf Grund seiner äußerst einfachen Lebensweise in der Wüste frei: Er war frei, das Wort des Herrn zu hören; er war frei, diesem Wort Platz zu geben in seinem Herzen; er war frei diesem Wort zu gehorchen und zu tun, was der Herr von ihm verlangte. Und wie frei er war, berichtet Lukas: Unverzüglich verlässt er seinen Wüstenort und zieht an den Jordan. Und was tut er dort? Er beginnt zu predigen! Er, der bisher in der Wüstenstille lebte, redet nun zu den Leuten, die zu ihm kommen!


Allein schon das bisher Vernommene sagt uns, was es bedeutet, für das Wort des Herrn – ja für den Herrn selber frei, offen und empfänglich zu sein. Beispiel und Gegenbeispiel dafür können uns nicht krasser gegenübertreten als wie in Johannes und in der Gruppe der politisch religiösen Granden von damals.


Noch etwas wird uns überdeutlich: Das Wort des Herrn hat eine gewaltige Kraft: es stellt das Leben eines Menschen auf den Kopf: Ein Mann der Wüste geht unter die Leute; einer der bisher geschwiegen hat, beginnt nun zu predigen!


Und ein Drittes: Johannes lebte in der Wüste nicht aus Vernarrtheit in ein einfaches Leben; nicht aus Verliebtheit in die Stille. Dieses Leben war nicht Zweck seines Lebens – ansonsten wäre er genauso besetzt und unzugänglich gewesen für das Wort Gottes wie seine bekannten und mächtigen Zeitgenossen.


Einfaches Leben und Stille waren für Johannes vielmehr Mittel für Gott offen zu sein. Sie waren Werkzeug in seinen Händen, mit dem er für das Wort des Herrn den Weg geebnet hat: Er hat damit die Hügel und Berge seines Stolzes gesenkt; er hat damit die Schluchten seiner Depression aufgefüllt; er hat damit das Krumme einer komplizierten Ichsüchtigkeit gerade gemacht. Kurz und gut: In der Einfachheit und Stille der Wüste hat er sich für die Begegnung mit dem Herrn in dessen Wort bereitgemacht. Durch sein Leben in der Wüste hat sich Johannes umfassend und gründlich dem Herrn zugewendet. So hat er der Zuwendung des Herrn zu ihm entsprochen.


Johannes ist durch sein Leben in der Wüste in eine andauernde Zugewandtheit zum Herrn hineingewachsen, so dass er und der Herr schließlich einander zugewandt waren in liebender, williger Bereitschaft einander zu begegnen, miteinander zu gehen und zu leben.


In Johannes begegnet uns der adventliche Mensch. Wollen auch wir solche Menschen werden – und das ist ja gerade die Herausforderung der Adventszeit – müssen wir uns an ihm orientieren.


Diese Orientierung geschieht vor allem anderen einmal in der Einsicht, wo wir vom Herrn abgewendet leben und somit der Umkehr bedürfen. Umkehr meint hier sehr genau bewusste Hinwendung zum Herrn.


Sie geschieht des Weiteren in die Einsicht in jene Berge und jene Schluchten, die das Zugehen des Herrn auf mich erschweren oder gar unmöglich machen.


Sie geschieht schließlich im Benützen jener Mittel, mit denen ich Berge und Schluchten meines Lebens abtragen bzw. auffüllen kann: Einfaches Leben, Stille, Gebet, Schweigen, Aufrichtigkeit, Demut, Achtsamkeit ....


Mit diesen Mitteln bereite ich dem Herrn den Weg – und zusammen mit ihm auch mir selber – wie die erste Lesung so anschaulich schildert; denn der Weg des Herrn wird auch mein Weg sein; es ist fortan unser gemeinsamer Weg.


So möge denn das Wort des Herrn auch an uns ergehen – und möge es uns bereit finden, unser Leben zu ändern – womöglich nicht sofort und nicht so radikal wie Johannes; aber wenigstens Schritt für Schritt in jenem Tempo, das uns möglich ist. Der Herr wird jede kleine Bereitschaft dafür sogleich aufgreifen und Großes daraus machen!


So werden wir unserer Bestimmung gerecht, von der ich am Tagblatt meines Kalenders heute lese: Wir sind für Gott geschaffen! Wir sind für den Himmel gemacht! Gott finden - das ist der Himmel!Amen!

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