Samstag, November 28, 2009

Wachet und betet!


+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 21: 25 – 28.34 – 36


25Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres.


26Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.


27Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen.


28Wenn (all) das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.


34Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht,


35(so) wie (man in) eine Falle (gerät); denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen.


36Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.




Am Ende des Evangeliums wird uns zu Beginn des Advent zweierlei eindringlich ans Herz gelegt: Wacht und betet allezeit! Wachsamkeit und Gebet nicht nur gelegentlich sondern durchgehend, andauernd. Sie sind wie die zwei Beine, mit denen wir den Advent durchschreiten sollen.


Die Wachsamkeit soll uns davor bewahren, von Rausch und Trunkenheit sowie von den Sorgen des Alltags verwirrt zu werden. Worin besteht denn diese Verwirrung, in die Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags uns stürzen? Sie besteht darin, dass wir für Wesentlich halten, was unwesentlich ist; dass Nebensächliches zur Hauptsache wird; sie besteht darin, dass wir aus der Ordnung herausfallen, die Gott zu unserem Glück gefügt hat und unsere eigene Ordnung errichten, in der Gott keinen Platz mehr hat. Sie besteht darin, dass wir Gott vergessen und sonst was an seine Stelle rücken.


Rausch, Trunkenheit und die Sorgen des Alltags haben Gottlosigkeit zum Ursprung und führen hin zur Gottlosigkeit. Das erkennt die Wachsamkeit! Und sie verbindet sich mit dem Gebet, weil eben das Gebet jenes besondere Mittel ist, unsere Verbundenheit mit Gott lebendig zu erhalten und zu vertiefen. Darum sind diese beiden Haltungen die wirksamen Gegenmittel zu Rausch, Trunkenheit und den Sorgen des Alltags. Wachsamkeit und Gebet sagen mir: Gott über allem! Zuerst der Herr! Alles zur größeren Ehre Gottes! Gott allein genügt!


Diese beiden Haltungen verhelfen mir zu einer umfassenden Ausrichtung auf Gott. Sie befreien mich aus meiner Ichbezogenheit und führen mich vor zu in jenen Frieden, den der Advent eigentlich vermitteln möchte: Der Friede, den die Hinwendung und Öffnung auf Gott hin gibt. Wir glauben nämlich, dass der Herr tatsächlich unser Friede ist und unsere Lebensfülle nur in der Verbundenheit mit IHM gelebt werden kann. Wachend und betend kann ich jene Offenheit für den Herrn leben, die es ermöglicht, auch bei mir anzukommen.


Wachsamkeit und Gebet beeinflussen mich aber auch in der Beziehung zu den Mitmenschen. Meine Offenheit für Gott bedeutet zugleich Offenheit für den Menschen neben mir. Sie sind deshalb auch der Nährboden für die Nächstenliebe. Und so kann Paulus in der zweiten Lesung schreiben: „Euch aber lasse der Herr wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, damit euer Herz gefestigt wird und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor Gott, unserem Vater, wenn Jesus, unser Herr, mit allen seinen Heiligen kommt.“ (1Thess 3:12f.)


Damit ist uns ein Weiteres gesagt: Wachsamkeit und Gebet erwecken nicht nur die Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Diese Liebe fördert auch Wachsamkeit und Gebetseifer. Die Liebe verschärft die Wachsamkeit auf den Geliebten und lässt das Bedürfnis wachsen, betend dem Herrn nahe zu sein. Die Liebe möchte keinen Augenblick erleben, indem sie nicht Ausschau hält nach dem Geliebten. Vielleicht erinnern wir uns an die Zeit, in der wir verliebt waren? Was haben wir da nicht alles unternommen, um unserer großen Liebe nahe zu sein! Die Gedanken kreisen um den geliebten Menschen und können nicht von ihm lassen.


In unserem Bestreben, wachsam zu sein, werden wir wesentlich vom Gewissen unterstützt. Bei John H. Newman habe ich gelesen: „Das Gewissen ist ein bestimmtes, scharfes Empfindungsvermögen, das unsere Handlungen begleitet, die wir daraufhin recht oder unrecht nennen.“ Das durch die Liebe gebildete Gewissen sagt uns, „wie wir leben müssen, um Gott zu gefallen.“ Es ist zudem ein Ansporn, in unserem Bestreben, Gott zu gefallen, vollkommener zu werden. (vgl. 1Thess 4:1)


Die Wachsamkeit, die Jesus meint, setzt der Bestürzung, der Ratlosigkeit und der Angst der Menschen angesichts apokalyptischer Ereignisse die aufrechte Haltung und das erhobene Haupt entgegen, die weiß: Jetzt kommt der Herr!


Die Wachsamkeit, die Jesus meint, ruft ihm nicht entsetzt zu: „Du bist jetzt schon da!“


Vielmehr freut sie sich: „Endlich bist du da! Ich habe dich schon erwartet!“ Und sie findet in der nun anbrechenden Gemeinschaft mit dem Herrn die Erfüllung dessen, was sie im gläubigen Gebet hoffend und liebend vorweg genommen hat. Amen!

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