Donnerstag, November 19, 2009

Also bist du doch ein König!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 18: 33b – 37


33bPilatus ließ Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden?


34Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt?


35Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?


36Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.


37Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.





Wir hörten Pilatus Jesus fragen: Bist du der König der Juden? Eine offene Frage, die keine Antwort vorwegnimmt wie etwa die Frage: Und du willst der König der Juden sein!? Hier wird die Verneinung präsumiert.

Oder die Frage: Du bist doch gewiss der König der Juden? Hier wird die Bejahung bereits in den Mund gelegt.


Pilatus fragt wie einer, der durch das Gegenüber zu Jesus von einer Größe berührt wird, die er nicht einzuordnen weiß. Die Frage nach dem Königsein Jesu soll ihm dabei helfen. Die Antwort darauf soll ihn zu einem tieferen Verständnis Jesu führen.

Doch antwortet Jesus nicht sogleich. Er stellt eine Gegenfrage, die den Pilatus auf sich selber zurückweist. Will er sich bei Jesus näher auskennen muss er sich zuerst einmal selber besser kennenlernen – etwa durch die tiefere Einsicht, woher denn sein Interesse an Jesus eigentlich kommt: Ist es bloß von außen aufgesetzt oder kommt es aus seinem Inneren?

Pilatus weist eine Lenkung von außen beinahe entrüstet von sich: Bin ich denn

ein Jude?!


Nun öffnet Jesus den Schleier – aber nicht so, dass er antwortet: Ich bin der König der Juden. Vielmehr spricht er von seinem Königtum und dass es nicht von dieser Welt ist. Jesus öffnet sich – und sein Geheimnis wird tiefer.


Pilatus versucht dem zu entsprechen indem er nicht mehr fragt, ob Jesus der König der Juden sei. Jesus eröffnet eine Weite und er lässt sich in diese Weite führen: Also bist du doch ein König? Jesus bestätigt: Ich bin ein König! Nicht von welchem Reich; nicht über welches Volk. Er ist ein König! Für sein Königsein spielt kein Reiche eine Rolle und kein Volk! Aber was kennzeichnet dann sein Königtum? Die Wahrheit: Sie zu bezeugen, ist er gekommen; darin verwirklichst sich sein Königsein; und sie ist der Raum, indem die Beziehung mit ihm gelebt wird: Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme!

Jesu Königtum hat nichts mit Macht, Reichtum, Besitztum zu tun; auch nicht mit Unzeitgemäß oder Nostalgie; es hat mit Wahrheit zu tun – und damit erhebt es sich über alle räumlichen und zeitlichen Grenzen hinein in eine immerwährende Aktualität.


Was mag es wohl heißen: „Aus der Wahrheit sein?“

Dass Wahrheit in meinem Leben zumindest irgendeine Rolle spielt – als Sehnsucht nach ihr in einem verborgenen Winkel meines Herzens?

Oder als Bestreben, im Großen Ganzen wahrhaftig zu leben und ehrlich zu sein? Oder im bemühten Umgehen mit den Lügen meines Lebens: Diese Lügen zu entdecken und in der Folge zu überwinden?

Oder sie zumindest zu ertragen, solange ich sie nicht überwinden kann?

Zu ertragen heißt es dann freilich auch die Inkonsequenzen meines Lebens und seine Widersprüche sowie die Differenz zwischen Denken, Reden und Tun.


Oder heißt „aus der Wahrheit sein“ womöglich sich selber anzunehmen, wie ich bin? Oder ganz da zu sein, in der Gegenwart zu leben?


Heißt es nicht auch nach meiner Herkunft zu fragen und nach meiner Zukunft? Und nach dem, was mein Leben gegenwärtig prägt und bestimmt?


In all dem bin ich mit der Wahrheit in Berührung, setze ich mich mit ihr auseinander, werde ich von ihr bewegt – und geformt. Bin ich damit schon Bürger im Königreich Jesu Christi – nach dem Motto von Edith Stein – glaube ich: Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott – ob ihm das nun bewusst ist oder nicht?


Die Wahrheit – die einzige, immer gültige Tür zum Königsein Jesu. Pilatus ist bis an diese Tür getreten mit seiner Frage: Was ist Wahrheit? Er hätte nur ein Wort ändern und fragen müssen: Wer ist Wahrheit! Und er wäre womöglich durch die Türe eingetreten.


Das heutige Gespräch zwischen Jesus und Pilatus will uns dazu bewegen, Jesus von allen äußerlichen, zeitlich bedingten, königlichen Allüren zu befreien und den oben angedeuteten Weg der Wahrheit zu beschreiten. Im Gehen dieses Weges in Wahrheit werde ich erfahren, worin das Königreich Jesu besteht und in welcher Weise Jesus auch mein König ist; denn ich werde auf diesem Weg nicht nur seine Stimme hören sondern auch auf seine Stimme hören können. Mit dem Hören seiner Worte wird das Nachfolgen auf seinem Weg zusammenfallen. – Amen!

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