Freitag, Oktober 02, 2009

Verschlusssache Menschenherz



Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 10:2 – 16


2Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen.


3Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben?


4Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und

(die Frau) aus der Ehe zu entlassen.


5Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben.


6Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen.


7Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen,


8und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.


9Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.


10Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber.


11Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch.


12Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.


13Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab.


14Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.


15Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.


16Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.



„Weil ihr so hartherzig seid!“

Unmissverständlich prangert Jesus die Hartherzigkeit seiner Landsleute an und nennt sie als Ursache für die Praxis der Ehescheidung.


Es ist das harte Herz, das den Ehepartner entlässt. Das Herz erweist seine Härte darin, dass es nicht bereit ist, den Nächsten zu ertragen. Ein Missfallen aus welchem Grund auch immer genügt dem Herzen, in der Lieblosigkeit der Entlassung seine Härte zu erweisen.


Dabei hat Gott gerade in der Schöpfung sein weiches, sprich liebendes, Herz erwiesen als er es nicht ertragen konnte, den Menschen in seinem Alleinsein zu belassen sondern sich alle Mühe machte, ihm schließlich in der Frau jene Gefährtin zu schaffen, die ihm entspricht und zu ihm passt.


Das liebende Herz Gottes führt die Menschen zusammen aus dem Alleinsein in das Beisammensein; das harte Herz des Menschen stößt den Mitmenschen aus dem Beisammensein in das Alleinsein.


Das harte, lieblose Herz des Menschen sucht eine Legitimierung für sein Tun gegenüber dem Ehepartner. Es spürt zuinnerst den Widerspruch zum weichen, liebenden Herzen Gottes. Wo findet es diese Legitimierung? Bei Gott? Ausgeschlossen! Also bei Menschen: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und aus der Ehe zu entlassen. Ein klassisches Beispiel sein Leben nicht nach dem Gebot Gottes zu bilden sondern das Gebot Gottes nach seinem Leben zu bilden – nach einem Leben, das dominiert wird von einem harten Herzen!


Das harte Herz wird sich immer dem Gebot Gottes widersetzen. Wegen seiner Härte ist es unbeweglich und kann sich von Gott nicht formen lassen. Dafür wird es alles einsetzen, um sich das Gebot Gottes nach Belieben zurechtzubiegen mit Hilfe menschlicher Gesetze, die es dann bereitwillig ausgibt als Gottes Gesetz.


Wenn Gott so mit seinem Gebot umspringen lässt, sollten wir darin keine Schwäche sondern ein Wunder seines Herzens sehen, das aufgrund seiner Weichheit nicht über den Menschen hinweg fährt sondern ihm Freiraum lässt, sich zu entscheiden – für oder gegen ihn, den Herrn und damit eigentlich auch für oder gegen den Mitmenschen. Denn ein Herz, das sich Gott verschließt, ist auch für den Mitmenschen nicht offen. Und das harte Herz gegenüber dem Mitmenschen hat man auch Gott gegenüber.

Ein hartes Herz ist ein Herz unter Verschluss! Verschlusssache Menschenherz!


Das heutige Evangelium bleibt dem harten Menschenherz auf der Spur, wir auch!


Es zeigt sich im Verhalten der Jünger den Müttern gegenüber, die ihre Kinder zu Jesus bringen wollen: Sie weisen die Mütter schroff ab!


Hier erweist sich das harte Herz der Jünger darin, dass sie nicht erspüren können, welche Bande die Kinder mit Jesus verbindet. Sie erspüren nicht die Herzensverwandtschaft; denn auch Jesus hat ein Kinderherz, das sich wie Wachs dem Sigel des väterlichen Willens fügen kann. Die Härte der Jüngerherzen erweist sich in ihrer Gefühllosigkeit; wir können auch sagen in ihrer Herzenskälte.


Sogleich weist Jesus unwillig seine Jünger zurecht und macht ihnen folgendes klar: Zum Einen, dass sie mit den Müttern eigentlich die Kinder zurückweisen; dass zum anderen gerade diese Kinder vor allen Anwesenden ein Recht darauf haben, ganz bei ihm sein zu dürfen denn, drittens, Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.


Damit wird klar: das harte Herz ist kein Kinderherz! Kinder haben kein verschlossenes und hartes Herz. Ihr Herz ist offen und darum empfänglich für das Reich Gottes: Und in diesem Reich Gottes ist sein Wille, sein Name, sein Licht, sein Leben und seine Liebe enthalten. Und weil das Kinderherz dermaßen beschaffen ist, gehört jenen Menschen das Reich Gottes, die wie Kinder sind.


Um dieses formbar weiche und offene Kinderherz wollen wir den Herrn bitten: Allmächtiger Gott du gibst uns in deiner Güte mehr, als wir verdienen, und Größeres, als wir erbitten.


Nimm weg, was unser Gewissen belastet und unser Herz hart macht, und schenke uns jenen Frieden, der den Kindern eigen ist und den nur deine Barmherzigkeit geben kann. Amen!

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