Freitag, Oktober 16, 2009

Dienst und Hingabe


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 10:35 – 45


35Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.

36Er antwortete: Was soll ich für euch tun?

37Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.

38Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?

39Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.

40Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.

41Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes.

42Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.

43Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,

44und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.

45Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.



„Yes, we can!“ – Ja, wir können es, antworten Jakobus und Johannes auf die Frage Jesu, ob sie, wie er, den Kelch trinken und die Taufe auf sich nehmen können.

Kelch und Taufe sind ein Sinnbild für das Leiden und den Tod, die Jesus auf sich nehmen wird.


Und Jesus bestätigt ihnen, dass sie beides auf sich nehmen werden; doch mit der Platzvergabe zu seiner Rechten und zu seiner Linken hat er nichts zu tun; die liegt in den Händen Gottes.


Damit ist die Sache für die beiden Jünger eigentlich gelaufen; denn sie haben sich den Kelch und die Taufe als Mittel zum Zweck, als Durchlaufstadium für die Ehrenplätze neben Jesus gedacht.


Mittel zum Zweck ist übrigens auch Jesus selber: denn die unmittelbare Nähe zu ihm suchen sie ja nicht aus Liebe zu ihm sondern aus Liebe zu sich selber. Sie wollen neben dem Herrn brillieren und so möglichst viel vom Glanz ihres Herrn abbekommen; sie wollen Macht ausüben und so möglichst den Dunstkreis ihres Herrn ausnützen. Einmal mehr sollte der Herr zugunsten seiner Gaben zurücktreten.


Es ist gewiss bestechend, wie genau sie wissen, was sie wollen; aber es ist Dienst an ihrer eigenen Karriere. Sie sind äußerst zielstrebig. Sie haben nicht einmal Bedenken, die anderen Jünger könnten sie als macht- oder ehrsüchtig kritisieren. Ohne Rücksicht auf Verluste streben sie die Plätze links und rechts neben Jesus an. So segensreich diese Strategie sich im Streben nach Tugend erweist so verderblich ist sie, wenn Eigensucht die Triebfeder ist.


Und diese Ichbezogenheit erkennt Jesus sofort – und zieht ihr sogleich die Grenze: „zu meiner Rechten und Linken werden die sitzen, für die diese Plätze von Gott bestimmt sind“: er ist im Reich Gottes der Platzzuweiser und niemand sonst!


Da der Ärger der übrigen 10 Jünger verrät, dass sie alle im Grunde genau das gleiche wollen wie Jakobus und Johannes ruft Jesus seine Jünger zu sich, um ihnen die Augen zu öffnen über die wahre Größe in seinem Reich.


In paradoxen Formulierungen führt er sie in die Größenordnung seines Reiches ein: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“ Also mit anderen Worten: Im Reich Gottes ist der Größte der Kleinste und der Erste der Letzte!

Das ist der Größenordnung dieser Welt entgegengesetzt, wo der Größte der Größte ist und der Erste der Erste!


Jesus nennt nun aber den Kleinsten „Diener“ und den Letzten „Sklaven“. Dies sind dienende Berufe; Berufe für die anderen. Somit setzt Jesus der Ichbezogenheit seiner Jünger in der Bedürftigkeit der Mitmenschen eine weitere Grenze. Die beiden gezogenen Grenzen brechen den Egoismus der Jünger auf – hin auf die Verherrlichung Gottes und auf das Heil der Mitmenschen. Im Dienst an Gott und an den Menschen verwirklicht sich die Größe, die im Reich Gottes zählt.

Hingabe in diesem zweifachen Dienst bedeutet Bereitschaft für das Reich Gottes und den Platz, den Gott darin zuweisen möchte.


In Jesus selber haben die Jünger ein machtvolles Leben in dieser Hingabe: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“


Wollen sie also die Worte Jesu verstehen müssen sie auf sein Leben schauen. Wollen sie gar nach diesen Worten leben müssen sie ihm nachfolgen. Deswegen möchte Jesus, dass wir seine Nähe aufsuchen und uns um die Plätze neben ihm bemühen: dass wir von ihm lernen, Gott und den Menschen zu dienen und in diesem Dienst ihm immer ähnlicher zu werden.


So wird dann der angestrebte Platz neben ihm zum ersehnten Platz neben dem nächsten Mitmenschen der unserer Hilfe bedarf, denn „was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“


Die Dienstbereitschaft ist das Wasserzeichen jeden kirchlichen Machtanspruches.


So wollen wir Jesus bitten: Mach unseren Willen bereit, deinen Weisungen zu folgen, und gib uns ein Herz, das dir aufrichtig dient. Amen!

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