Sonntag, Oktober 11, 2009

Hl. Damian de Veuster


+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 10:17 – 27


17Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?


18Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen.


19Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter!


20Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt.


21Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!


22Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.


23Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!


24Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen!


25Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.


26Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden?


27Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.




Ein Mann möchte das ewige Leben gewinnen. Das Erfüllen der Gebote ist ihm zu wenig. Er möchte mehr. Jesus bietet ihm dieses Mehr in seiner Nachfolge. Dieses „Mehr“ schließt jedoch ein „Weniger“ mit ein: „Verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“


Aber so war es dann von dem Manne doch nicht gemeint; die Forderung Jesu war zu viel für ihn; er war überfordert und ist betrübt von Jesus weggegangen. Sein Vermögen war zu sehr Grundlage seines Lebens, als dass er sie hätte völlig verlassen und sein Leben allein auf Jesus bauen können.


Es muss aber nicht immer nur materieller Besitz ein Hindernis sein für die Nachfolge Jesu. An der eigenen Gesundheit kann man auch mächtig hängen. Anders gesagt: Jesus kann in seiner Nachfolge auch die massive Gefährdung der eigenen Gesundheit fordern.


Gerade dies können wir am Leben von Damian de Veuster ablesen. Dieser Mann wurde heute in Rom von Papst Benedikt XVI. heilig gesprochen.


Schon in der Volksschule habe ich von diesem Missionar gelesen. Wilhelm Hünermann hat ein fesselndes Buch über den neuen Heiligen geschrieben. "Priester der Verbannten" heißt der Titel. Ich habe dieses Buch verschlungen.


Um 1870 forderte die Lepra zahlreiche Tote auf den Hawaii – Inseln. Aus Ohnmacht dieser tödlichen Seuche gegenüber hat die Regierung alle Leprakranken auf eine Landzunge der Insel Molokai deportiert. Von dort konnten sie nicht entkommen und wurden einfach ihrem schrecklichen Schicksal überlassen.


Die Missionsgemeinschaft vom heiligsten Herzen Jesu und Mariens sorgte sich sehr um diese Menschen. Bei einer Besprechung fragte der Bischof, wer sich zur Seelsorge an diesen Menschen aus freien Stücken bereit erklärt. Vier Patres meldeten sich spontan, die Leprakranken abwechselnd zu besuchen und ihnen als Seelsorger beizustehen. Damian ging als Erster und blieb auf eigenen Wunsch für immer auf Molokai.


Nach den ersten Berührungsängsten begann Damian sich um die Ausgesetzten zu kümmern. Er pflegte ihre Wunden, sorgt für Kleidung und Medikamente, legte Äcker und Gärten an und ersetzte die alten Grashütten durch neue Holzhäuser. Er scheute sich nicht, die Kranken zu berühren und mit ihnen zu essen. Er baute eine Kirche und feierte täglich die hl. Messe.


An seinen Bruder schrieb er: „Wenn ich predige, sage ich ‚wir Aussätzige’. Hoffentlich kann ich auch alle für Christus gewinnen wie der hl. Paulus.“


Pater Damian sollte 16 Jahre unter den Aussätzigen in Molokai leben und für sie der „Mann mit 36 Handwerken“ sein, wie ein amerikanischer Besucher ihn beschrieb. Er ist Gärtner, Wasser-Ingenieur, Tischler, Verwalter und Vertreter der Abgeschobenen bei der Inselregierung. Mit Hilfe der Presse und zahlreicher Freunde wirbt er um Unterstützung in Europa und Amerika. Er baut ein Waisenhaus, gründet ein Orchester und zimmert selbst die Särge für die Verstorebenen. Vor allem aber ist er Seelsorgerund Priester. Durch sein Wirken wurde aus der „Insel der Verdammten“ eine menschliche Siedlung, in der die Würde der Ausgestoßenen geachtet wurde.


1884 wurde festgestellt, dass auch Damian sich an der Lepra angesteckt hatte. Ohne es zu merken hatte ein Kind seine Pfeife in den Mund genommen. Er wurde selbst aussätzig und äußerlich aufs Schlimmste von der Krankheit entstellt. Dennoch arbeitete er weiter bis seine Kräfte nachlassen. A Montag der Karwoche, den 15.4.1889 starb P. Damian im Alter von 49 Jahren.


Wie kommt er dazu, zu den Aussätzigen zu gehen, das Risiko der Ansteckung einzugehen und sich damit dem sicheren Tod auszuliefern? Gandhi sagte einmal über ihn: „Die Mühe lohnt sich, nach der Quelle zu suchen, aus der so viel Heldentum kommt.“


Es ist das Bewusstsein im Dienst an „seinen Aussätzigen“ Jesus zu dienen und ihm nahe zu sein, der sein Leben für die Armen hingab.


Als der fleißige Arbeiter selbst krank wird und den eigenen Tod vor Augen sieht, spürt er tiefes Glück, weil er sich mit dem verbunden weiß, dem er in den Ordensgelübden sein Leben geweiht hat. 1886 schreibt er: „Die schreckliche Krankheit, die der allmächtige Gott jetzt bei mir ausbrechen lässt, hab ich seit meiner ersten Ankunft in diesem Aussätzigenheim vor 13 Jahren erwartet und von vornherein angenommen, und ich hoffe, dass mithilfe des Gebetes vieler Menschen unser Herr mir die nötige Gnade geben wird, mein Kreuz zu tragen.“


Seht ihr, zu Damian hat Jesus gesagt: Wenn du das ewige Leben gewinnen willst, dann gehe nach Molokai und dort folge mir nach.


Möge uns die Gnade des Herrn immer begleiten, damit wir nicht betrübt weggehen, wenn er uns ruft sondern bereit sind, sein Wort im Herzen zu bewahren und das Gute zu tun. Amen!

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