Freitag, September 18, 2009

Erster ... Diener aller!



Aus dem hl. Evangelium: Markus 9: 30–37



30Sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Er wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr;


31denn er wollte seine Jünger über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.


32Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen.


33Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?


34Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer (von ihnen) der Größte sei.


35Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.


36Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen:


37Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.




Im Evangelium wird uns ein Bild der besonderen Nähe zwischen Jesus und seinen Jüngern vermittelt, wenn es heißt, dass sie gemeinsam unterwegs sind und Jesus nicht will, dass jemand anderer davon erfährt. Er will offenbar mit ihnen allein sein. Der Grund dafür ist, dass er ihnen etwas Wichtiges mitteilen wollte: was nämlich mit ihm in Jerusalem passieren werde. Er teilte ihnen von seiner Auslieferung an die Menschen mit und von seinem Tod und seiner Auferstehung. Das ist eine Mitteilung, die für Jesus ganz wesentlich ist.


Bei den Jüngern merken wir aber nichts von einem Interesse, das dieser außerordentlichen Mitteilung entsprochen hätte. Sie verstehen seine Worte nicht; und ihr Interesse ist nicht einmal so groß, dass sie nachfragen, um ihr Unverständnis zu überwinden.

So sehr also das Verhalten Jesu Nähe signalisiert so sehr weist das Verhalten der Jünger auf Distanz hin.


Unterwegs sein mit Jesus bedeutet also nicht automatisch, ihm auch nahe zu sein. Es gibt offenbar ein äußerliches Beisammensein und doch ist man sich im Inneren eigentlich fern und fremd.


Wo kommt bei den Jüngern diese innere Distanz zu Jesus wohl her?


Der Verlauf des Evangelium gibt Antwort auf diese Frage: Die Jünger haben sich darüber unterhalten, wer von ihnen der Größte sei. Sie waren also völlig auf sich konzentriert, sind um sich selber gekreist. Das hat sie für Jesus, für seine Nähe und für seine Mitteilung verschlossen. Darum konnten sie nicht verstehen, was er sagte und konnten ihn auch nicht fragen.


Wir können es vielleicht so sagen: Auf dem Weg nach Jerusalem ist Jesus auf den Weg zum letzten Platz, an dem er für alle zum Diener wird, der allen Leben schenkt;


die Jünger sind hingegen in ihrem Bestreben, in ihren Gedanken und Träumen auf dem Weg zum ersten Platz: Jeder von ihnen will der Erste und der Größte sein. Kein Wunder, das das nicht zusammengeht und eine innere Gemeinschaft des Herzens nicht möglich ist.


Das Verhalten der Jünger zeigt in dieser Situation einen abgrundtiefen Abstand zwischen Jesus und seinen Jüngern.


Was macht Jesus? Er zeigt seinen Jüngern den Weg aus der Distanz in seine Nähe. Nachdem er ihnen ihre Situation bewusst gemacht hat setzt er sich und signalisiert ihnen damit, dass er ihnen jetzt als Lehrer und Meister etwas Wichtiges zu sagen hat: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“ (Mk 9:35) Diese Ermahnung der Leitenden zum Dienen kommt bei den Evangelisten insgesamt siebenmal vor. Das zeigt, wie wichtig diese Mahnung für das Leben der Gemeinde ist und wie sehr Amtsträger jeder Art gefährdet sind, ihre mit dem Amt verbundene Macht zu missbrauchen.

Und wenn Jesus dann ein Kind in die Mitte stellt und in seine Arme nimmt, dann gibt er durch diese Zeichenhandlung zu verstehen, dass seine Zuwendung in besonderem Maße den Kleinen und Geringen gebührt.


Was Jesus die Jünger in Worten lehrt, lehrt er sie auch durch sein Leben: Denn sein Weg nach Jerusalem ist ein Weg in den äußersten und niedrigsten Dienst für alle.


Und indem er das Kind in der Mitte umarmt, umarmt er zugleich die Haltung des Kindseins, die er in der Mitte seines Herzens lebt gegenüber Gott seinem Vater.


Kindsein und Dienen gehören für Jesus wesentlich zusammen. Beide Haltungen prägen seine Beziehung zu Gott und den Menschen.


Und es ist bezeichnend, dass es im Aramäischen und im Griechischen einen Begriff gibt sowohl für Kind als auch für Diener. Wollen wir uns als Frucht für unser Leben die Grundhaltung vor Augen halten, die den Diener und das Kind beseelt. Es ist die Ausrichtung: Das Kind ist ausgerichtet auf seine Eltern; der Diener ist ausgerichtet auf seinen Herrn und auf seinen Dienst.


Und es ist genau auch diese Haltung des Kindseins und des Dienens der Weg, der uns zu Jesus führt und jene Distanz überwindet, in der womöglich auch wir uns zusammen mit den Jüngern befinden. Ich spreche hier von der Liebe zu Gott und den Menschen, um die wir im Tagesgebet Gott gebeten haben. Amen!

Kommentare:

Simon L. hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Eck,

ich bin Redakteur und würde gern eines Ihrer Bilder abdrucken. Würden Sie bitte Kontakt mit mir aufnehmen über silan14123@gmail.com? Dann könnte ich Ihnen gern Details über das Projekt nennen.

Viele freundliche Grüße
Simon L.

Simon L. hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Eck,

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Viele freundliche Grüße
Simon L.