Samstag, September 12, 2009

... nehme sein Kreuz auf sich ...


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 8: 27 – 35

27 Jesus ging mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen?

28 Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten.

29 Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias!

30 Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen.

31 Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen.

32 Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe.

33 Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

34 Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

35 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.



Jesu offenes Reden über sein Leiden und Sterben in Jerusalem ist bei seinen Jüngern gar nicht gut angekommen. Gleich meldet sich Petrus stellvertretend für die übrigen Jünger zu Wort und protestiert dagegen.

Wenn wir durch die Worte Jesu seine Bereitschaft erkennen können, sein Leiden und Sterben in Jerusalem anzunehmen dann können wir dem Verhalten des Petrus ablesen, dass die Jünger von diesem Leiden und Sterben Jesu nichts wissen wollen. Sie wollen die Krone ohne das Kreuz. Jesus qualifiziert dies gleich als Wollen der Menschen und nicht als Wollen Gottes. Und indem er Petrus Satan nennt, gibt er diesen als eigentlichen Ursprung derartiger Gedanken an. Der Gedanke Gottes hingegen ist, dass Jesus die Krone durch das Kreuz hindurch erringt. Bei seinen Jüngern wird ein gravierendes Defizit dem Leiden gegenüber deutlich und Jesus geht sofort daran dieses Defizit zu beheben indem er ihnen klipp und klar sagt, was er von ihnen als Jünger in seiner Nachfolge erwartet: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Er verlangt von ihnen, dass sie sich dem Leiden gegenüber gleich verhalten wie er: dass sie es annehmen und tragen! Jesus verlangt von seinen Jüngern da eine radikale Änderung ihrer Gesinnung, eine Wende um 180 Grad!

In den weiteren Worten deckt Jesus dann auf, was der Leidensscheu der Jünger zugrunde liegt: Die Angst um ihr Leben! Sie befürchten die Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität und haben Angst davor, ihr Leben zu verlieren. Diese Angst ist durchaus verständlich – allerdings nur für Menschen, die auf das Leben hier auf Erden fixiert sind und keine anderen Horizonte haben.

Nun redet Jesus aber zu Menschen, die seine Jünger sind, die ihm nachfolgen. Sie haben ihn zum Maß ihres Lebens genommen und wollen sich an ihm orientieren. Ihr Leben ist mit anderen Worten nicht mehr in dieser Welt und hier auf Erden zu finden sondern ihr Leben finden sie in ihm.
Und damit ist klar: Wer von seinen Jüngern das Leben im Sinne dieser Welt retten will, wird das Leben verlieren, das Jesus ihm schenken will; das heißt zugleich auch: er wird aus der Jüngerschaft herausfallen, denn zwei Herrn kann er nicht dienen!

Für seien Jünger kann es nur die Alternative geben: dass sie das Leben im Sinne dieser Welt verlieren um es von Jesus her zu gewinnen: Er ist es wert, seinetwillen alles Leben unter den Vorzeichen dieser Welt zu verlieren, es herzugeben und es mit Pauli Worten als Unrat zu erachten – um in IHM sein zu können und so jenes Leben zu gewinnen, das nur er geben kann und im Vergleich zu dem jedes andere Leben nur Tod ist. Jesus will von seinen Jüngern, dass sie ihre Hände leeren, damit er sie füllen kann.

Nun fügt Jesus noch hinzu: wer das Leben um des Evangeliums willen verliert. Warum dieses?
Das Evangelium ist Jesu Wort und Tat zum Heil der Menschen. Das Evangelium ist untrennbar mit ihm verbunden. Kein Jesus ohne Evangelium; kein Evangelium ohne Jesus!
Lebenshingabe für Jesus ist deshalb zugleich auch Lebenshingabe für die Menschen im Sinne des Evangeliums – also durch dessen Verkündigung in Wort und Tat.

Lebenshingabe für Jesus ist kein spirituell religiöser Egotrip nach dem Motto: Ich und Jesus und sonst niemand! Dies verhindert das Evangelium als Heilsdienst an den Menschen.
Zugleich verhindert die Lebenshingabe für Jesus ein jesusloses Aufgehen im Dienst an den Menschen – aus welchen Gründen auch immer.

Jesus stellt in kluger Voraussicht die Lebenshingabe seiner Jünger hinein in die unaufhebbare Spannung von Gebet und Aktion. Nur in dieser Spannung können sie in ihrer Lebenshingabe Jesus ähnlich werden und offen bleiben für jene Lebensfülle, die Jesus ihnen schenkt.

Möge der Herr uns Selbstverleugnung schenken, in der wir jene Beziehung zu uns selbst verlieren, die eine Annahme unseres täglichen Leidens und eine entschiedene Nachfolge Jesu verhindert: So möge auch unser Leben in Wort und Tat mehr und mehr bekennen: Jesus ist der Messias!


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