Samstag, August 29, 2009

Wo ist der Misthaufen?


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 7: 1 – 23

1 Die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, hielten sich bei Jesus auf.

2 Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen.

3 Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Hand voll Wasser die Hände gewaschen haben, wie es die Überlieferung der Alten vorschreibt.

4 Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln.

5 Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also: Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen?

6 Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.

7 Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen.

8 Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen.

14 Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage:

15 Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.

21 Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord,

22 Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft.

23 All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.




Wo ist der Misthaufen, an dem sich die Menschen schmutzig machen?
Die Zeitgenossen Jesu meinten, er sei draußen. Darum muss der Mensch aufpassen, was er isst. Er muss unterscheiden, was rein und was unrein macht und sich entsprechend verhalten.
Jesus hingegen meint, der Misthaufen ist drinnen im Herzen des Menschen. Und unterstreicht seine Meinung sehr eindrücklich: „Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.“
Diese einseitig negative Meinung vom menschlichen Herzen macht betroffen – die Leute damals und uns heute. Aber das soll sie auch, damit jahrhunderte alte Einstellungen aufgebrochen und eine wesentliche Sichtweise wachsen kann.
Und damit wir heute die Wurzeln von viel Mist, der gebaut wird, in unserem Herzen suchen: eine wesentliche Einsicht, damit Umkehr und Erneuerung gelingen kann.

Wie konnte es mit dem menschlichen Herzen nur so weit kommen? Wie konnte zum Misthaufen verkommen, was Gott doch sehr gut geschaffen hat als sein Abbild? Durch den Teufel kam die Sünde in die Welt, lehrt uns die Schrift; und durch die Sünde der Tod. Die Sünde entsteht aber in der Entfernung von Gott. Das Wesen der Sünde ist Gottferne. Das ist das eine.

Das andere ist unser Anteil: dass wir nämlich dem Mist in unserem Herzen Aufmerksamkeit schenken, ihm Raum geben. Auf diese Weise kann er unser Denken, Reden und Tun bestimmen. Er kommt aus uns heraus und setzt sein verderbliches Wirken um uns herum fort. Das ist unser Teil an der Sünde dieser Welt.
Was sollen wir bloß tun?

Fragen wir besser vorerst: Was tut Gott? Nun, er hat sich auf diesen Mist eingelassen; er hat sich damit abgegeben. Wie kann man sich nur mit einem Misthaufen abgeben? Wer kann sich nur die Hände daran schmutzig machen? So unvernünftig kann nur einer sein, der liebt!

Das ist die zweite, noch größere Erschütterung: Jesu drastisch negative Schilderung des menschlichen Herzens weist indirekt hin auf die unglaubliche Größe der Liebe Gottes. Er steht zu seinem Werk auch wenn es von ihm abfällt; er bleibt ihm nahe auch wenn es sich von ihm entfernt. Dramatisch bezeugt die hl. Schrift diese Liebe Gottes zu seinem Lieblingsgeschöpf – dem Menschen: Das alte Testament und als Beispiel aus dem Neuen Bund die Geschichte vom barmherzigen Vater.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab, damit der Mensch und mit ihm die Welt gerettet werde. Diese johanneischen Worte werden angesichts der heutigen Worte Jesu vom Menschenherzen zu einem hilflosen, staunenden Stammeln.

Was also sollen wir tun? Nun – Jesus beklagt sich, dass das Herz dieses Volkes weit weg ist von Gott! Bringen wir also unser Herz in Gottes Nähe. Seine unergründliche, unbesiegbare, übermächtige Liebe ist für uns eine einzige Einladung dazu. Bringen wir es dorthin zurück, wo es beheimatet ist; wo es eigentlich hingehört; wo es seinen Ausgang nahm und wo es sein Ziel hat: bei Gott!

Das Tagesgebet legt uns ein sehr ansprechendes Bild dar: Es sieht unser Herz als Garten, in den Gott die Liebe zu seinem Namen einpflanzen möge; dadurch wächst unsere Bindung an Gott und es kann im Herzensgarten wachsen, was gut und heilig ist – und dadurch den Misthaufen als das verwenden, wozu er einzig gut ist: als Dünger für das Gute!

Eine Geschichte, die hilft, unser Herz Gott näher zu bringen:
„Du, Mama“, so begann Lena, wenn sie etwas Wichtiges fragen wollte.
„Ja, Lena.“
„Warum hat Gott die Menschen erschaffen?“
Die Mutter legte ein Lesezeichen ein und das Buch beiseite.
„Ja, also...“
Das hörte Lena am liebsten, denn es bedeutete, dass Mutter zeit hatte.
„Ja, also... Hm; ja, was glaubst du eigentlich?“
Lena kuschelte sich im Schoß ihrer Mutter schloss die Augen und summte ein Lied. Nicht irgendeines sondern ihr Lied. Sie hatte dieses Lied schon wahrgenommen, als Lena noch in ihrem Schoß heranreifte – ein Hymnus an den lebendigen Gott, von dem alles Leben kommt.
Die Mutter öffnete die Augen und schaute in die strahlenden Augen Lenas: „Gott hat die Menschen erschaffen, weil er sich im Spiegel anschauen wollte!“
Die zwei schauten sich an und mussten hellauf lachen.
Dann nahm Lena Mutter an der Hand und beide liefen sie hinaus in den Garten. Es war schon Nacht geworden. Der Himmel war klar und die Sterne funkelten.
„Gott, du bist großartig,“ rief Lena zum Himmel empor.
Und Gott dachte sich: „Dieser Spiegel holt aber auch das Beste aus mir heraus!“

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