Freitag, August 28, 2009

Vom Vater gegeben


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 6: 60 – 69

60 Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?

61 Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?

62 Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?

63 Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.

64 Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.

65 Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.

66 Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.

67 Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?

68 Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.

69 Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.




Die so genannte Brotrede Jesus, die wir an den letzten Sonntagen mit angehört haben endet heute beinahe in einem Fiasko: Viele Jünger zogen sich von ihm zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher; aber Jesus nimmt nichts zurück sondern stellt es auch seinen 12 engsten Freunden frei, ihn zu verlassen: Wollt auch ihr gehen, fragt er sie. Er geht aufs Ganze. Was er gesprochen hat ist für ihn so wesentlich, dass es da keine Kompromisse gibt. Sie bleiben und tun dies unter einem großartigen Wort des Petrus: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes!“ (Joh 6:68f.)

Ist das nicht unglaublich: Was viele seiner Jünger abstößt und von Jesus trennt – eben dieses bindet die Zwölf noch enger an den Herrn!

Wer weiß wie es uns erginge, hörten wir zum ersten Mal diese Worte. Aber für unsere Ohren haben sie bereits einen 2000 Jahre langen Weg hinter sich. Auf diesem Weg haben sie sich abgeklärt, haben ihre Anstößigkeit verloren und kommen so bei uns an, dass wir sie „richtig“ verstehen. So war Kannibalismus für uns nie eine schockierende Möglichkeit, mit Jesus zu kommunizieren. Aber so kam es bei Vielen damals an, so dass sie fragen mussten: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben!?“ Sie blieben beim materialistischen Sinn dieser Worte hängen und sind nicht tiefer eingedrungen in den Geist und in das Leben dieser Worte. Dieses Eindringen ist ein Weg des Glaubens und dieser Weg des Glaubens ist ein Kommen zu Jesus; der Vater allein führt auf diesem Weg zu Jesus.

Ich frage mich nach der Rolle des Vaters in diesem Zusammenhang? Warum kann nur der Vater das Kommen zu Jesus geben?

Ein Angelpunkt erscheint mir die Frage, die Jesus an seine irritierten Jünger richtet: „Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?“

Damit meint Jesus seine Heimkehr zu Gott als Mensch.

Das heißt: sie ertragen es nicht, dass sein Fleisch im Brot ist? Wie wollen sie dann erst ertragen, dass eben dieses Fleisch bei Gott ist, in Gott ist – ja, dass dieses Fleisch selber Gott ist? Und in der Tat werden sie daran, dass er, der Mensch Jesus von Nazaret sich Gottes Sohn nennt und so Gott gleich macht, dermaßen Anstoß nehmen, dass sie ihn dafür ans Kreuz und in den Tod liefern. Das tun sie jetzt noch nicht.

Wo der Menschensohn vorher war. Vorher war er bei Gott, seinem Vater. Dieser Vatergott hat ihn ins Fleisch geschickt und Mensch werden lassen. Und dieses Fleisch hat er nun ins Brot geschickt, damit er in der Gestalt des Brotes wesenhaft bei uns Menschen bleibe bis ans Ende der Zeit. So selber als wahrer Gott und Mensch in unserer
Mitte gegenwärtig im Kleid des eucharistischen Brotes kann der Vater ihn getrost heimholen und unser menschliches Fleisch in seine Herrlichkeit erheben.

Jesus legt in der Brotrede das eucharistische Geheimnis als eine notwendige Fortsetzung des Geheimnisses der Menschwerdung aus; diese Fortsetzung ist für unsere Erlösung unbedingt erforderlich. Das Wort ist Fleisch geworden und das Fleisch ist Brot geworden.

Dass Jesus dermaßen unverrückbar an seiner Rede festhält und ihr nichts vorzieht – nicht einmal den Erhalt seiner Jünger ist seiner Einsicht zuzuschreiben, dass er so den Plan seines Vaters erfüllt. Dieser Plan hat bleibend oberste Priorität. Genau darauf weist auch hin, wenn er sagt, dass niemand zu ihm kommen kann, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Des Vaters Plan ist es und der Vater schenkt auch die Einsicht in diesen Plan. Der Sohn ist ein Geschenk – das Geschenk – des Vaters; das meint Jesus, wenn er sagt: „Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.“ (Joh 6:65)

Zusammenfassend können wir sagen: Die Eucharistie ist wie die Menschwerdung ein Werk des dreifaltigen Gottes – verständlich nur dem dreifaltigen Menschen.

Ohne trinitarischen Glauben keine Christusbegegnung in der Eucharistie.

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