Samstag, Juli 18, 2009

Wo wir allein sind ...


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 6: 30 – 34

30 Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.

31 Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.

32 Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein.

33 Aber man sah sie abfahren, und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an.

34 Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.




Heute versammeln sich die 12 Apostel wieder bei Jesus. Letzten Sonntag hat er sie zu zweit ausgesandt. In der Zwischenzeit haben sie die Menschen zur Umkehr aufgerufen, viele Dämonen ausgetrieben, viele Kranke mit Öl gesalbt und sie geheilt. (vgl. Mk 6:12f)

Wir können uns lebhaft vorstellen, was es da alles zu erzählen gibt von dem, was sie getan und geredet haben. Jesus merkt, dass die Zwölf nun Zeit brauchen zur Erholung. Und das bedeutet auch Zeit, das Erlebte im Gespräch mit dem Herrn und miteinander zu verarbeiten. Und Jesus sieht dafür Raum und Zeit vor: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind und ruht ein wenig aus.“ (Mk 6:31a)

Einsam soll der Ort sein zum Ausruhen. Die Einsamkeit soll jener Raum sein, in dem die Zwölf mit Jesus allein sein können. Die Einsamkeit ist nicht Selbstzweck sondern Gewährleistung eines ungestörten Beisammenseins mit Jesus allein. Es ist Einsamkeit um Jesu willen. Die Aufmerksamkeit soll sich ganz auf ihn richten können.

Dort in der Einsamkeit sollen sie „ein wenig“ ausruhen. Die Zeit der Erholung erstreckt sich nicht über Tage und Wochen sondern dauert „nur“ ein wenig – eben so viel Zeit, wie es braucht, das Erlebte zu verarbeiten, Positives und Negatives anzuschauen und abzuwägen, und sich so wieder auf das Anstehende und Andrängende auszurichten: auf die Verkündigung des Reiches Gottes in der Nachfolge Jesu!

Von Jesus gehen die Apostel aus – zu ihm kehren sie zurück. Er sendet aus – er sammelt auch! Er gibt die Arbeit – und auch die Erholung. Sowohl die apostolische Arbeit der Jünger wie auch ihre Erholung kommen vom Herrn. Der Herr ist auf jeden Fall der Anfang und das Ende; er ist die Mitte. Ob sie arbeiten oder ruhen – sie gehören dem Herrn! (vgl. Röm 14:8)

Wäre es nicht auch ein wunderbares geistliches Schema für unseren Tagesablauf, wenn wir uns in der Frühe vom Herrn ausgesendet erleben und abends wieder zu ihm zurückkommen, um bei ihm und mit ihm auszuruhen und ihm zu erzählen, was wir getan und geredet haben? Welch christliche Prägung würde unser Leben dadurch bekommen! Wie sehr hätte der Herr so die Möglichkeit in unser Leben einzufließen und dort gegenwärtig zu sein!

Nun wird es nichts mit dem Ausruhen allein an einem einsamen Ort. Die Leute sehen ihn nämlich wegfahren, kommen noch vor ihm am angestrebten einsamen Ort an und erwarten ihn dort.

Und nun ist es bezeichnend, wie Jesus sich verhält: Er sagt zu den Leuten nicht: Tut mir Leid! Aber ich möchte jetzt mit meinen Jüngern eine Auszeit nehmen und allein sein! Ich kann und will mich jetzt mit euch nicht befassen! Ein anderes Mal wieder aber nicht jetzt!

Wir hören im Gegenteil von ihm: „Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben!“ (Mk 6:34) Wir sehen: Das Mitleid mit seinen Jüngern ist zurückgetreten; an seine Stelle tritt das Mitleid mit den vielen Menschen; sie sind ärmer als seine Jünger; sie brauchen jetzt sein Mitleid notwendiger als seine Jünger.

Jesus will folgendes sagen: ER und seine Jünger sind nicht zur Selbstsorge und zum Selbstmitleid berufen sondern zur Sorge um die Menschen, die zu ihnen kommen und zum Mitleid mit diesen Menschen! Das ist der Auftrag, den Gott gegeben hat – zum Beispiel in der 1. Lesung: „Ich werde für sie Hirten bestellen, die sie weiden, und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verloren gehen.“ (Jer 23:4) Wenn Jesus deshalb einmal sagt, seine Speise sei es, den Willen dessen zu tun, der ihn gesandt hat und sein Werk zu Ende zu führen, (vgl. Joh 4:34) dann können wir genau so gut sagen: Seine Erholung ist den Willen seines Vaters zu tun. Genau das sollen seine Jünger lernen: Euch muss es zuerst um Gottes Reich und seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben (vgl. Mt 5:33) – auch eine gründliche Erholung! Amen!

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