Sonntag, Juli 12, 2009

Er sandte sie aus


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 6: 7 – 13

7 Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben,

8 und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel,

9 kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.

10 Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst.

11 Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.

12 Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf.

13 Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.



Eine besondere Situation bringt das heutige Evangelium hervor: Jesus ohne die Zwölf und die Zwölf ohne Jesus. Die sichtbare Gemeinschaft wird durch die Sendung im heutigen Evangelium aufgehoben. Jesus setzt diesen Schritt zugunsten jener Menschen, zu denen die Sendung durch ihn sie führt.

Es ist da eine Dynamik spürbar – eine Heilsdynamik! Es geht um das Heil der Menschen. Dass Jesus gekommen ist, dass er die Zwölf in seine Nachfolge gerufen hat geschah nicht, damit sie es miteinander möglichst fein hätten. Nie und nimmer hatte Jesus den Wohlstand einer kleinen und feinen Gemeinschaft im Sinn. Von Anfang an ging es ihm immer um das Heil der Menschen – nicht einiger weniger sondern aller Menschen!

Deshalb kam er in diese Welt, deshalb bildete er die Gemeinschaft mit seinen Jüngern, deshalb lehrte er sie in Wort und Tat den Grund seines Daseins, deshalb schickt er sie nun zu zweit aus. Sie sollen tun, was er getan hat: Die Menschen zur Umkehr aufrufen, Dämonen austreiben, Kranke heilen! Und genau das tun die Zwölf auch! (vgl. Mk 6:12)

Das bedeutet: Jesus bleibt präsent im Reden und Tun seiner Jünger – geradeso als redete und wirkte er selber. Ihr Reden und Tun ist mit dem seinen identisch! Die Menschen können in den Worten und Taten der Jünger Jesus selber erkennen. Die Zwölf stellen durch ihr Leben Jesus in vollkommener Treue dar – ohne Abstriche und ohne Zufügungen!

Dabei handelt es sich keineswegs um eine sklavische Nachahmung. Sie sind nicht Maschinen, die ihre Programmierung abarbeiten! Das ergibt sich allein schon daraus, wenn wir den Beginn mit dem Schluss des heutigen Evangeliums vergleichen: Zu Beginn lesen wir in Mk 6:7 dass Jesus ihnen die Vollmacht gab, die unreinen Geister auszutreiben. Am Ende hören wir hingegen, dass sie die Menschen zur Umkehr aufriefen, Dämonen austrieben, Kranke mit Öl salbten und sie heilten. (vgl. Mk 6:12f) Die Zwölf haben also „mehr“ getan als Jesus aufgetragen hat. Dieses „Mehr“ ergibt sich daraus, dass sie die Vollmacht Jesu in der konkreten Situation, die sie vorgefunden haben, ausgeübt haben.

Indem sie dem Auftrag Jesu Folge leisteten, stellten sie sich in den Gnadenstrom, der von Gott ausgeht, durch Jesus hindurchfließt und sich durch die Apostel ergießt in jene Menschen hinein, zu denen sie von Jesus gesendet wurden. Dieser Gnadenstrom konnte durch sie fließen, weil sie auf Jesus hörten und seine Weisungen umsetzten.

Die Weisungen Jesu für ihre Missionsreise soll die Jünger als solche ausweisen, die sich nicht auf weltliche Hilfe stützen sondern sich ganz sammeln auf ihre Sendung durch Jesus und auf die Vollmacht, die Jesus ihnen geschenkt hat. In diesem Gehorsam auf Jesu Weisung sind sie wie ein offenes Tor, durch das Jesus seinen Segen den Menschen schenken kann, denen sie auf ihrem Weg begegnen und die diesen Segen brauchen.

Das heutige Evangelium will alle, die in der Sendung Jesu stehen, ermutigen, sich von neuem auf diese Sendung zu besinnen; auszusondern, was sie hindert, sich ganz auf die Sendung und die Vollmacht Jesu zu verlassen; durch ihr Hören auf Jesus Worte die Verbundenheit mit Jesus zu erneuern und zu vertiefen.

Indem die Kirche auf das heutige Evangelium hört, wird ihr Blick gereinigt auf Jesus hin: sie erkennt mit neuer Gewissheit, mit neuem Glück und neuem Frieden, dass der Herr sie in die Welt gesendet hat. Und ihr Blick wird gereinigt auf die Menschen hin, zu denen Jesus sie sendet: sie wird wieder ganz empfänglich für die Not der Menschen, für ihre Krankheiten, für ihren Tod – eben für alles, was Jesus mit unreinen Geistern meint, von denen er die Menschheit befreien will. Sie wird eine ganz Befreite und kann ganz befreien; sie wird eine ganz Geheilte und kann ganz heilen; sie wird eine vom Herrn neu Belebte und kann neu beleben! Sie kann tun, was ihrem Namen entspricht: Des Herrn Kirche zu sein! Amen!

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