Samstag, Juni 13, 2009

Samen auf dem Acker


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 4:26 – 34

26 Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;

27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie.

28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.

29 Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

30 Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?

31 Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät.

32 Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.

33 Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten.

34 Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.




Wie sehr müssen wir dankbar sein, dass Jesus in der Verkündigung des Reiches Gottes verständliche Bilder wählt. Das ist ein besonderes Zeichen des Entgegenkommens und ein Hinweis darauf, dass er sich mit seinem Reden nicht selber in Szene setzen sondern uns etwas mitteilen will, das wir verstehen können, über das wir nachdenken können.

So setzt Jesus von seiner Seite alles daran, dass sein Wort in uns eindringen, uns erfassen und bewegen kann, IHM zu folgen und IHM zu gehören.

So tut Jesus, was er im ersten Gleichnis des heutigen Evangeliums erzählt: Er sät Samen auf seinen Acker: Damals ebenso wie heute, hier in diesem Gottesdienst! Die Menschen damals und wir heute sind Sein Acker – schon Paulus hat seiner Gemeinde in Korinth zugerufen: „Ihr seid Gottes Ackerfeld!“ (1Cor 3:9)

Der Sämann macht sich weiter keine Sorgen um das ausgesäte Korn: der Samen keimt und wächst – und der Mann weiß nicht wie. Er kann sich hinlegen und wieder aufstehen; er kann es Nacht werden lassen und wieder Tag: Die Erde bringt von selbst ihre Frucht.

Diese Unbekümmertheit Jesu um den ausgesäten Samen seines Wortes beschreibt Markus anschaulich bei Jesu erstem Auftreten in Kafarnaum (Mk 1:21 – 39a): Nachdem er mit seiner Predigt und durch seine Heilungen die Leute in Entsetzen und Staunen versetzte blieb er nicht in diesem Ort, um akribisch zu verfolgen, wie sich sein Reden und Tun weiter entwickeln und auswirken werde; vielmehr sagte er nach den durchbeteten Morgenstunden des nächsten Tages zu seinen Jüngern, die unbedingt wollten, dass er bleibe: „Lasst uns anderswo hingehen, in die nächsten Städte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa.“

Woher nimmt Jesus wohl die Gelassenheit im Umgang mit dem Wort, das er verkündet? Er nimmt sie aus seinem Vertrauen auf die Kraft, die dem Samen seines Wortes innewohnt. Denn es ist sein Wort – aber nicht nur seines sondern zugleich auch das Wort dessen, der ihn gesandt hat. Es ist das Wort des lebendigen Gottes, das er im Verkünden einem Samen gleich ausstreut. Denn Jesus redet das, was er bei seinem Vater gehört hat (vgl. Joh 8:38) Er verkündet das, was er von seinem Vater gehört hat (Joh 15:15) Und er weiß, dass er dazu gekommen ist und dass der Vater ihn dazu gesandt hat. Jesus teilt das Vertrauen Gottes in sein Wort, das er uns durch den Propheten Jesaja 55:11 mitteilt: „So ist es mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.“

Was gibt Jesus uns doch für ein gutes Beispiel in der Treue zum Auftrag, den er von seinem Vater bekommen hat! Dieses Beispiel nachzuahmen ist der Inhalt unserer Jesusnachfolge: Seinen Samen auszustreuen – nicht den unseren!
Sein Wort zu verkünden – nicht das unsere!
Sein Reich auszubreiten – nicht das unsere!

So erkennen wir, wer eigentlich der Samen ist, den Jesus ausstreut und den wir zusammen mit ihm ausstreuen dürfen: Es ist im Grunde Jesus selber! „ER, Christus, muss wachsen!“ Das hat schon Johannes der Täufer erkannt und seinen Jüngern zugerufen. (Joh 3:30)
Dem Paulus ist es gerades so ergangen: Er wurde von Jesus als dessen auserwähltes Werkzeug bestimmt, seinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels zu tragen. (vgl. Apg 9:15) Auf diese Weise wurde Paulus selber zum Samen, den der Herr unablässig ausstreute. Dieses Ausgestreut Werden ist ein beständiges Hingegeben Werden. Paulus wurde ausgestreut, um den Namen des Herrn auszustreuen; unablässig bracht er durch sein Wirken den Namen des Herrn gleichsam als Frucht hervor und teilte diese Frucht mit seinen Zuhörern. Auf diese Weise musste Jesus in ihm wachsen und in ihm so lebendig werden.

Von dieser Lebendigkeit Jesu im Leben Pauli erzählt die zweite Lesung sehr beredt. Sie erweckt in ihm die Sehnsucht, ganz bei Jesus zu sein und das Verweilen im Leibe als Ferne zum Herrn zu empfinden. Sie lässt ihn immer wieder aus seinem Leibe auswandern, um daheim beim Herrn zu sein.

Worin besteht dieses Auswandern? In der beständigen Bereitschaft Samen in den Händen des Herrn zu sein, den er aussäen kann, wo immer ER möchte. Dieses Auswandern aus dem Leib besteht in der völligen Verfügbarkeit für den Herrn: In der Verkündigung seines Namens; in der Ausbreitung seines Reiches; in der Hingabe an seine Gemeinden, in denen er den Leib Christi sieht – so sehr lebt Jesus in ihm! In all diesen Formen des Auswanderns aus seinem Leib ist er zugleich ganz bei seinem Herrn daheim; denn auch Jesus ist ausgestreuter Same; denn auch Jesus hat das Wort Gottes verkündet; denn auch Jesus hat sich für seine Kirche hingegeben. Paulus ist ein anderer Christus geworden.

Evangelium und Lesung, Jesus und Paulus wollen uns Geduld und Zuversicht schenken, dass das Samenkorn Jesus in unserem Leben wachsen und Frucht bringen und das Wort Jesus sich erfüllen wird: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt, und ich hab euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.“ (Joh 15:6) Amen!

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