Donnerstag, Juni 04, 2009

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 28: 16 – 20

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.

17 Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.

18 Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.

19 Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,

20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.




Wohin führt uns das Evangelium des heutigen Sonntags? In einen Hörsaal zu einer theologischen Vorlesung über die Dreifaltigkeit? Nein!

Sondern auf einen Berg in die Gemeinschaft des auferstandenen Herrn mit seinen Jüngern. Wir dürfen das Geheimnis des heutigen Tages erleben. Wir dürfen am Verhalten Jesu erkennen, was Dreifaltigkeit bedeutet.

Die Jünger sind nicht von sich aus auf diesen Berg gestiegen und schon gar nicht haben sie Jesus dort zufällig getroffen.

Die Initiative zu dieser Bergtour ging vielmehr von Jesus aus. Jesus hat ihnen diesen Berg genannt und damit seinen Wunsch ausgedrückt, dass er sie dort treffen möchte.

Jesus bleibt auch als der Auferstandene seinem Weg treu, den er vor seinem Leiden und Sterben gegangen ist: dem Weg der Gemeinschaft mit seinen Jüngern im Besonderen und mit uns Menschen im Allgemeinen.

Mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt zieht er sich nicht in eine göttliche Einsamkeit zurück, indem er seine Jünger einsam zurücklässt. Sein Heilswirken ist durch sein Leiden und Sterben nicht abgeschlossen – es hat seinen Höhepunkt erreicht – um nun fortgesetzt zu werden über die Grenzen von Raum und Zeit hinaus; darum seine Verheißung: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ (Mt 28:20b)

Und diese Fortsetzung ereignet sich in Gemeinschaft. Jesus ist ein Gemeinschaftswesen – aus seinem Wesen heraus; von seiner Herkunft.

Er ist der Sohn Gottes und hat am Herzen des Vaters geruht. Dieser Ausdruck weist hin auf innigste Herzens- und Gesinnungsgemeinschaft mit Gott. Der Wille und die Fähigkeit Gottes zur Gemeinschaft kommen schon bei der Schöpfung des Menschen zum Ausdruck, den er als sein Abbild formte. Sie setzen sich fort in der Erwählung Abrahams und in der Begleitung seines Volkes Israel durch die Jahrhunderte. Schwerpunkte dieser Begleitung sind die Weisungen am Berg Sinai und die Propheten. In ihnen weist er Israel unablässig den Weg in die Heilsgemeinschaft mit IHM, dem einen und wahren Gott im Himmel und auf Erden. (vgl. Dtn 4:39f.) In der gemeinsamen Geschichte mit seinem Volk Israel entfaltet sich der Wille Gottes zur Gemeinschaft mit uns Menschen immer deutlicher und machtvoller – bis hin zur Fülle der Zeit, in der dieser Wille Gottes menschliche Gestalt annimmt in seinem Sohn Jesus Christus. Genau davon legt Jesus Zeugnis ab, indem er in bleibender Gemeinschaft mit seinem Vater sich bleibend öffnet für die Gemeinschaft mit uns Menschen – zuerst mit den Jüngern und dann mit allen Menschen, die bereit sind im Glauben sich einzulassen auf ein gemeinsames Leben mit ihm.

Es ist der Herzenswunsch Gottes nach Gemeinschaft mit uns Menschen, aus dem heraus sich Gott zunehmend als Dreifaltiger zeigt. Wollen wir ihn als Dreifaltigen „verstehen“ müssen auch wir in der Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit diesem Gott leben. Außerhalb dieser Sehnsucht, außerhalb dieser Gemeinschaft wird die Dreifaltigkeit immer ein unlösbares, mathematisches Rätsel bleiben.

„Dreifaltigkeit“ ist ein Wort der Liebe. Und nur in der Liebe können wir es recht verstehen, nachsprechen, nachleben. Diese Liebe ist die Kraft, die Jesus mit Gott, Gott mit uns und uns miteinander verbindet. Es ist jene Kraft, die in den Schriften Hl. Geist genannt wird. Es ist das Großartige an diesem Geist dass er das Eigene nicht mindert und zugleich das Gemeinsame nicht aufhebt.

Es trifft sich gut, dass am heutigen Tag das Europaparlament gewählt wird. Unter den Vorzeichen der Dreifaltigkeit ist jene Atmosphäre des Miteinanders möglich, in der allein ein Kontinent wie Europa lebensfähig ist.
Bitten wir also den dreifaltigen Gott, dass er den Glauben, das Gemüt, das Herz und den Verstand jener Menschen bewege, die heute wahlberechtigt sind und zu den Wahlurnen schreiten. Machen wir uns bewusst, dass wir durch diese Wahl das christliche Erbe weitergeben können, das uns anvertraut ist. So tragen wir dazu bei, das Abendland in Gottes Hand zu legen. Amen!

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