Freitag, Mai 15, 2009

Liebt einander wie ich euch geliebt!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 15: 9 – 17

9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!

10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.

11 Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.

12 Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.

13 Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.

14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.

15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.

16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.

17 Dies trage ich euch auf: Liebt einander!




Wir hören Jesus von der Liebe sprechen.
Wenn wir seiner Rede folgen, können wir diese Liebe vor zu entdecken.

Am Anfang steht nicht „ich liebe“ sondern „ich bin geliebt!“ Äußerst bemerkenswert: Jedes Lieben hat seinen Ursprung in der Liebe eines anderen! Darum ist es für mein Lieben so wichtig zuerst zu fragen: von wem werde ich geliebt! Das hat auch Jesus getan und er beginnt seine Rede: „Wie mich der Vater geliebt hat...“ Die Liebe geht aus von seinem Vater und betrifft zuerst einmal ihn selber; jedoch sie bleibt nicht bei ihm sondern geht weiter zu jenen, die Jesus liebt.

Jesus macht seinen Jüngern begreiflich: da ist etwas Verbindendes zwischen ihm und dem Vater – Jesus nennt es „Liebe.“ Er erzählt seinen Jüngern davon, damit sie wissen: dieses Verbindende ist nicht etwas Ausschließendes; es ist vielmehr etwas Offnes – offen für sie, die Jünger.

Die Liebe ist wie ein Raum, in dem sie bleiben und wohnen können.

Dieses Bleiben im Raum der Liebe ist nichts Abstraktes; es ereignet sich dadurch, dass sie seine Gebote halten.

Das Halten seiner Gebote ist uneingeschränkt – es können kleine sein oder große; es kann im Verborgenen sein oder öffentlich; es kann zu jeder Zeit und an jedem Ort geschehen; nur das eine ist wichtig: SEINE Gebote müssen es sein! Zum Bleiben in diesem Raum der Liebe genügt schlicht das Tun seiner Gebote. Das ist die Reinform. Um diese reine Form herum kann es bestimmte Empfindungen und Gefühle geben; aber die sind Nebensache – so sehr, dass Jesus sie mit keinem Wort erwähnt.

Wie wichtig ihm diese Tun ist unterstreicht er durch sein eigenes Tun: Auch er bleibt und wohnt in der Liebe seines Vaters, indem er die Gebote seines Vaters hält.

Seine Jünger sollen begreifen: Nicht Gefühle, nicht Gedanken, nicht Worte sondern einzig das Tun seiner Gebote führt hinein in dieses Zelt der Liebe, das ausgespannt ist zwischen Jesus und seinem Vater.

Diese Liebe ist etwas, an dem Jesus sich freut. Durch seine Rede will er diese Freude mit den Jüngern teilen und ihre Freude vollkommen machen. Die Liebe ist eine Freudenquelle, die unablässig fließt. Wer von uns hätte das nicht schon selber erfahren!

Welches sind nun eigentlich seine Gebote? Jesus gibt Antwort: Dies ist mein Gebot! Merkwürdig: Nun redet Jesus nur mehr von einem Gebot – eben noch waren es mehrere. Tatsächlich geht es Jesus nicht um viele Einzelgebote sondern im Grunde um ein Gebot: Liebt einander so wie ich euch geliebt habe! Dieses Gebot ist die Wurzel aller anderen Gebote. Es geht um ein Lieben nach dem Vorbild Jesu! Wollen wir dieses Lieben kennen lernen müssen wir Jesus selber kennen lernen; wollen wir Jesus kennen lernen müssen wir im Evangelium nachlesen – und zur Vertiefung der so gewonnenen Kenntnis von Jesus auch die anderen Schriften des Neuen Testamentes und dazu die Schriften des 1. Bundes. Alle diese Schriften hängen zusammen und bringen als ihren Mittelpunkt Jesus zum Vorschein – und die Liebe, die ihn beseelt. Ohne die Hl. Schrift können wir Jesus und sein Lieben nicht kennen lernen.

Ein weiteres Kennzeichen dieser Liebe Jesu: sie gibt – nicht irgendetwas sondern sich selbst, ihr Leben für die Freunde. Jesus nennt dies die größte Form des Liebens.

Diese Liebe begründet Freundschaft; das Wesen dieser Freundschaft besteht im gemeinsamen Wissen um das, was uns vom Vater her durch Christus verbindet: Es ist die Botschaft des Evangeliums, die sich dann in den Glaubenswahrheiten unserer christlichen Religion entfaltet. Hingabe seines Lebens und uneingeschränkte Weitergabe dessen, was der Vater ihm zum Weitergeben anvertraut hat, fallen zusammen: Seine Lebenshingabe verkündet die Botschaft von der Liebe des Vaters zu uns und diese Botschaft drängt Jesus unweigerlich zur Hingabe seines Lebens. Dieser Freundschaftsdienst Jesus an uns ist sein Heilsdienst zu unserer Erlösung. Wir können ihm nur angemessen entsprechen, indem wir uns dieser Hingabe öffnen. Wir öffnen uns dafür im immerwährenden Hören dieser Botschaft, im unablässigen Betrachten seiner Hingabe, im dankbaren Staunen, dass dies für uns geschieht – dadurch lassen wir zu, dass dieser Freundschaftsdienst auch an uns geschieht. Dieses Geschehen an uns wandelt uns zu erlösten Menschen, zu Kindern Gottes, zu wahren Freunden Jesu. Lassen wir Jesus durch das Ostergeschehen unser ganzes Leben wandeln und prägen! Amen!

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