Samstag, Mai 02, 2009

ich bin der gute Hirt!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 10: 11 – 18

11 Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.

12 Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht,

13 weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.

14 Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,

15 wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.

16 Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.

17 Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.

18 Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.




Wenn wir auf Jesus schauen, wie er als Auferstandener seinen Jüngern begegnet – wie er ihnen nachgeht und mit ihnen umgeht, wie er ihnen die Angst nimmt durch seinen Frieden und ihre Traurigkeit in Freude wandelt; wie er zudem ihre Einsicht in die Hl. Schriften vertieft; wie sie des weiteren aus einer zunehmenden Vereinzelung in die Gemeinschaft mit den anderen zurückgeführt werden.

Wenn wir also dieses Tun Jesu sehen und bedenken dann führt es uns hin zu jenem Bild, in dem Jesus uns im heutigen Evangelium begegnet: Im Bild des Guten Hirten!
Der auferstandene Herr geht wie ein guter Hirte den verlorenen Schafen nach und führt sie zur Herde zurück; die verwundeten verbindet er; die kranken heilt er; den hungernden gibt er kräftige Nahrung.
Wenn Jesus im Evangelium vom Guten Hirten sagt, er gebe sein Leben hin für seine Schafe – dann eröffnet er in seinem österlichen Wirken eine weitere Dimension seiner Lebenshingabe.

Die eine Dimension besteht in der Lebenshingabe durch sein Sterben am Kreuz. Da hat er dem reißenden Wolf des Todes sich selbst als Beute hingegeben und hat aus seinem Tod heraus den Tod besiegt in machtvoller Auferstehung.

Nunmehr eröffnet sich ihm eine weitere Dimension der Lebenshingabe, die sich entfaltet aus seinem Leiden und Sterben: Sie besteht in der Weitergabe seines göttlich-österlichen Lebens: In der Erneuerung der Gemeinschaft mit ihm und miteinander; in der Erneuerung des Friedens im Herzen der Jünger; in der Neugeburt der Freude in ihrem Herzen; schließlich als Krönung die Einhauchung seines Hl. Geistes.

Sein Wirken in Galiläa und Jerusalem, sein Leiden und Sterben, sein Dasein als der Auferstandene – sein gesamtes Leben steht unter dem Vorzeichen der Hingabe und ist die Darstellung eines guten Hirten ganz nach dem Herzen Gottes.

Dieses Lebensbild eines Guten Hirten ist zugleich Vorbild für die Hirten aller Zeit.
Dass dieses Vorbild leider auch verkannt und nicht nachgelebt wird möge eine Geschichte aus jüngster Vergangenheit erzählen.

Eines meiner Beichtkinder machte den Kurs eines sehr bekannten Exerzitienleiters mit. Im Verlauf der Exerzitien suchte es ihn auf, um bei ihm zu beichten. Nachdem es begonnen hatte zu beichten und ehe es sich entfalten konnte stoppte der Geistliche ihre Beichte, sagte ihr, dass er mit ihr kein Erbarmen habe und schickte sie weg.

Diese Person war tief betroffen und fühlte sich elendiglich.
Spontan wollte sie aufbrechen, doch legten ihr Begleiter nahe, zu bleiben und den Kurs zu beenden.

Als sie mir dann ihr Leid klagte erwiderte ich ihr, dass sie diesen Priester nicht ernst nehmen und bedenken solle, dass er in seiner Unbarmherzigkeit ganz gewiss nicht im Namen Jesu geredet habe.
Darauf hin erwidert sie mir fast erschrocken, dass dieser Priester die Seelenschau habe und man bei der Wandlung die Wundmale Jesu an seinen Händen sehen könne.

Daraufhin platzte mir der Kragen und ich zählte ihr auf, was nach dem Propheten Ezechiel (Ez 34) der Herr von seinen Hirten erwarte – nämlich: dass sie die zerstreuten Schafe sammeln, die verirrten suchen und zur Herde zurückbringen, die verwundeten heilen und die gesunden pflegen!
Des weiteren erinnerte ich daran, was auch Jesus Israels Hirten seiner Zeit zugerufen hat: Dass er Barmherzigkeit wolle und nicht Opfer. Und dass er gekommen sei, Sünder zu rufen und nicht Gerechte. (vgl. Mt 9:13)
Schließlich rief ich dieser Person das Hohe Lied der Liebe beim Apostel Paulus in Erinnerung, in dem er schreibt, ohne die Liebe sei alles nichts! (vgl. 1Kor 13)
Ich machte dieser Person ausdrücklich klar, dass die guten Hirten nach dem Herzen Gottes nicht gekennzeichnet seien durch das was sie sehen oder durch ihr Bluten sondern durch ihre barmherzige Liebe zu uns Sündern.

Der Herr verschone uns vor unbarmherzigen Hirten und lasse uns selber immer barmherzige Hirten sein so wie er barmherziger Hirte ist. (vgl. Lk 6:36) Amen!

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