Samstag, Mai 30, 2009

Empfangt den Hl. Geist!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 20: 19 – 23

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.

21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.



Es bedarf wohl zweier Darstellungen der Geistausgießung, um das Gewaltige und Unbegreifliche dieses Geschehens in Umrissen wenigstens verständlich zu machen. Mit Umrissen meine ich die Eckdaten dieses Ereignisses.

Da ist einmal die Erzählung, die wir eben im Evangelium gehört haben. Sie berichtet von der Begegnung mit dem Auferstandenen Herrn im Kreis seiner Jünger: Er kommt bei verschlossenen Türen zu ihnen; sie haben Angst vor ihren jüdischen Volksgenossen, die Jesus umgebracht haben. Sie befürchten ein ähnliches Schicksal.

In diese Stimmung hinein der zweimalige Friedensgruß des Herrn und die Freude der Jünger über den Herrn.

Und dann haucht Jesus sie an und spricht zu ihnen: Empfangt den Hl. Geist!

Dieses Anhauchen erinnert daran, dass zu Beginn bei der Schöpfung Gott dem Menschen den Lebensatem in die Nase blies, nachdem er ihn aus Erde vom Ackerboden geformt hatte. (vgl. Gen 2:7)

Das bedeutet: So wie Gott dem Menschen durch seinen Anhauch ins Leben rief gerade so schenkt Jesus seinen Jüngern durch das Anhauchen das Leben des Hl. Geistes. Was Gott wunderbar geschaffen hat er in Jesus noch wunderbarer erneuert. Zugleich ist das Verhalten Jesu ein Zeichen dafür, dass der hl. Geist nicht nur vom Vater ausgeht sondern auch von ihm.

Von nun an schenkt Gott seinen Geist durch Jesus, seinen geliebten Sohn. Der Geist Gottes wird vermittelt in der persönlichen Begegnung mit Jesus.

Was Jesus zu Beginn der Kirche an seinen Jüngern getan hat tut er seither andauernd an seiner Kirche: er haucht ihr den Hl. Geist ein – jenes Band, das ihn mit der Kirche verbindet; das die Kirche an ihn bindet und so einfügt in die Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes; das die Kirche zu einer Gemeinschaft im Herrn zusammenbindet.

Bei jeder Begegnung mit dem Herrn in der Eucharistie, in den Sakramenten der Kirche, im Lesen der hl. Schriften, im Beten, in der Übung der Nächstenliebe – bei all diesen Begegnungen haucht der Herr nach wie vor die Glieder seiner Kirche an und sagt zu ihr: Empfanget den Hl. Geist! Es sind geistgewirkte, geistdurchformte Begegnungen!
So unspektakulär dies geschieht so wesentlich ist es; ebenso nach außen hin unscheinbar ist das, wozu sie den Hl. Geist empfangen: damit sie die Sünden vergeben können.
Und wie wesentlich ist die Vergebung für das Leben der Menschen mit Gott und miteinander!

Und dann das Brausen vom Himmel her und die Zungen wie von Feuer – der Hl. Geist eine Kraft, die sichtbar, hörbar, spürbar ergreift, formt, gestaltet und Neues schafft. Eine Neugestaltung des ganzen Menschen, innen und außen! Die Jünger werden zu neuen Menschen: Ihre Angst vergeht und vor denen sie sich eben noch fürchteten, denen verkünden sie nun die Großtaten, die Gott durch Jesus und an Jesus gewirkt hat.

Wie dieses Verkünden Jesus zum Inhalt hat so hat auch der Geist sie angetroffen ganz bei Jesus – indem sie taten, was er ihnen aufgetragen hatte: IHN, den Hl. Geist zu erwarten, den er ihnen vom Vater her verheißen hat. Die Jünger waren ganz offen und ganz empfänglich für diesen Geist; sie haben sehnsüchtig darauf gewartet; sie waren süchtig nach diesem Geist. Dieser Sucht haben sie sich ganz ergeben, weil Jesus ihnen diesen Geist verheißen hat. Jesus hat sie süchtig gemacht nach diesem Geist. Was muss ihnen doch die Verheißung bedeutet haben, dass er ihnen den Hl. Geist schicken werde, den Tröster und Beistand, der sie an alles erinnern werde, was ER ihnen gesagt hat. Ihnen wurde klar: Durch diesen Geist können sie ganz bei Jesus sein, können sie sein Herz schlagen hören!

Darum hat der Hl. Geist in den Jüngern einen fruchtbaren Acker vorgefunden, in dem seine Früchte üppig wachsen konnten: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. (vgl. Gal 5:22)

Jesus schenke auch uns jene Liebe zu ihm, die uns für seinen Geist öffnet – und jene Liebe zum hl. Geist, die uns mit Jesus verbindet und zu Kindern Gottes macht! Amen!

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