Samstag, Mai 23, 2009

Bewahrt im Namen Gottes!


Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 17: 6a.11b - 19


6a Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.


11b Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.


12 Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt.


13 Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.


14 Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.


15 Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.


16 Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.


17 Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.


18 Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.


19 Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.




Im Evangelium erleben wir heute etwas Besonderes: Wir erleben Jesus live beim Beten. Dieses Wissen erfülle uns mit großer Ehrfurcht, denn es ist etwas Großes, wenn ein Mensch zu Gott betet – zumal dieser Mensch Gottes Sohn selber ist.

Jesus spricht nicht ein vor geformtes Gebet – etwa einen Psalm; er betet „frei“ mit eigenen Worten. Im Gebet wendet er sich an Gott und nennt ihn „Heiliger Vater.“ Im Beten öffnet Jesus sein Herz und teilt seinem Vater mit, was da drinnen ist und was ihn bewegt.

Menschen bewegen ihn – jene Menschen, die er von Gott als Gabe erhalten hat, damit er sie bewahre in seines, Gottes Namen. Nun kann er sie nicht mehr bewahren, denn er verlässt die Welt und geht heim zum Vater. Mit diesem Heimgang ist sein Sterben gemeint und seine anschließende Auferstehung und Himmelfahrt.

So gibt er diese Aufgabe dem zurück, von dem er sie gestellt bekam: seinem Vater: Bewahre sie in deinem Namen! Das ist die erste Bitte Jesus für seine Jünger. Was damit wohl gemeint ist? Es meint mit Jesu eigenen Worten ein Behütetsein, ein Bewahrtsein vor dem Verlorengehen. Der Name ist im Hebräischen nicht von der Person getrennt. Mit dem Namen ist die Person gemeint, die den Namen trägt. Bewahrtsein im Namen Gottes ist gleichzusetzen mit: Bewahrt sein in Gott!
Wie hat Jesus das gemacht? Indem er von diesem Gott erzählt hat in seiner Verkündigung und indem er dann auffordert, dieser Botschaft zu glauben. Keine Zwangsbeglückung! Sondern Eröffnung eines Weges hin zur Bewahrung vor dem Bösen und dem Übel in jeder Gestalt. Und dann Einladung, diesen Weg zu gehen. Von Seiten seiner Jünger geht es wesentlich um ein Geborgensein bei Gott aus ihrem gläubigen Vertrauen heraus. In diesem Sein bei Gott in Glaube und Vertrauen mögen sie eins sein. Das möge ihr gemeinsames, verbindendes, einendes Streben sein. Ihre aller Aufmerksamkeit sei ganz und allein auf diesen Gott ausgerichtet, den Jesus ihnen im Evangelium vorstellt. Dieses Einssein in Gott ist Quelle erfüllender Freude.
Der Gebetsbitte um Bewahrung im Namen Gottes entspricht das Gebet, das Jesus seine Jünger im „Vater unser“ lehrt. Dieses Gebet – gebetet und gelebt – ist für die Jünger der Weg in das Behütetsein im Namen Gottes. Es ist das Evangelium in Gebetsform. Gebetetes Evangelium.

So von Gott bewahrt braucht Jesus den Vater nicht zu bitten, die Jünger aus der Welt zu nehmen. Er kann ihn vielmehr bitten, sie vor dem Bösen zu bewahren. Das ist die zweite Bitte Jesu für seine Jünger. Mit dieser Bitte kommt der eigentliche Feind ins Visier: Der Böse und ausgehend von ihm das Böse in der Welt! Die Welt muss erlöst werden – durch den Sieg über den Bösen und das Böse. In der Bewahrung vor dem Bösen durch Gott soll dieser Sieg andauernd manifestiert werden.

Es ist bemerkenswert, wie Jesu erste Bitte mit der ersten Bitte im Vater unser übereinstimmt: Dein Name werde geheiligt und wie seine zweite Bitte praktisch mit der letzten Vaterunserbitte identisch ist: sondern erlöse uns von dem Bösen!

Zwischen diesen beiden Bitten spannt sich jenes Gebet des Herrn aus, das allen christlichen Bekenntnissen eigen ist und das so zu einem Grundstein wird auf dem alle stehen, die sich zu Christus Jesus bekennen. Dieses Gebet ist ein vorzügliches Band der Einheit.

Das gelebte Vaterunser weist uns als solche aus, die zwar in dieser Welt sind aber nicht von dieser Welt. Es immunisiert gegen den Geist dieser Welt und macht bereit für die dritte Bitte Jesu für uns: Heilige sie in der Wahrheit! Das Gebet des Herrn ist Wort Gottes und damit Ort der Wahrheit – zugleich Ort der Heiligung; denn dieser Ort bedeutet Läuterung, Befreiung, Heilung, Vereinigung mit Gott – schließlich jene Vollendung, die Christus in der Herrlichkeit Gottes schon besitzt. Amen!

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