Mittwoch, April 08, 2009

Fußwaschung


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 13: 1 – 15

1 Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.

2 Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern.

3 Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,

4 stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.

5 Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.

6 Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?

7 Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.

8 Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.

9 Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.

10 Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.

11 Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.

12 Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?

13 Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.

14 Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.

15 Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.



Wir haben uns mit Jesus und seinen Jüngern versammelt zur Feier des letzten Mahles vor seinem Tod. Von Jesus hören wir, dass „er wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen.“ (Joh 13:1) Mit dieser Stunde meint Jesus sein Leiden, Sterben und Auferstehen. Diese Stunde prägt dieses Mahl. Jesus gestaltet das Mahl auf diese Stunde hin.

Schauen wir uns einzelne Elemente dieser Gestaltung an.

„Er legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.“ (Joh 13:4b) Das ist die praktische Vorbereitung auf die Fußwaschung. Zugleich können wir in diesem Akt mehr sehen. Er weist darauf hin, dass Jesus das Königskleid abgelegt und das Gewand eines Sklaven angezogen hat. Wir werden daran erinnert, dass Jesus Gottes Sohn war, dass er dieses Gott gleich sein aber nicht wie einen Raub festgehalten sondern sich selbst entäußert hat und wie ein Sklave wurde und den Menschen gleich. (vgl. Phil 2:6f) Wir werden durch dieses Tun Jesu an seine Menschwerdung erinnert als Voraussetzung für die Erlösungstat, zu der er sich nun abschickt. Er weist darauf hin, dass er von Gott gekommen ist. Dieses Ausgehen von Gott sagt, dass er schon einen Weg hinter sich hat.

Er hat aber auch sein Kleid ausgezogen in einer anderen Hinsicht, die mit der eben erwähnten innig verbunden ist: er hat sich sein Kleid göttlicher Herrlichkeit ausgezogen und sich bekleidet mit dem Gewand des schlichten Brotes. Jesus hat einen weiteren Weg zurückgelegt, den in die Gestalt des eucharistischen Brotes: dies ist mein Leib; dies ist mein Blut. Die 2. Lesung erinnert an dieses Überkleidet werden mit den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein.

Und schließlich klingt bereits das nahe bevorstehende Leiden und Sterben an: Er zieht aus das Gewand der Herrlichkeit und zieht das Kleid der Leiden und des bitteren Todes an. Dieser Weg steht ihm noch bevor.
Diese dreifache Umkleidung des Herrn in das Menschsein, in das Brotsein und in das Leiden könne wir auch als Weg sehen: Der Weg in das Menschsein, in das Brot, in das Leiden.
Mit diesen Weggedanken verbinden sich die Füße.

Denn Jesus beginnt nun den Jüngern die Füße zu waschen. Von allen Sklavendiensten hat er diesen ausgesucht. Auf Grund
der Wege, die wir eben nachsinnend gleichsam mit dem Herrn gegangen sind, können wir nun verstehen, dass Jesus den Jüngern die Füße wäscht und nicht etwa die Hände. Es geht um die Zurüstung der Füße; um die Bereitung der Füße für den Weg, der ihnen zu gehen bevorsteht. Es gilt für die Jünger unbedingt auf dem Weg zu bleiben; Jesus auf der Spur zu bleiben; in der Nachfolge auf seinem Weg mit ihm verbunden zu bleiben.
Es ist wie beim Tourengehen. Der erste in der Reihe muss spuren: Das heißt er muss eine Spur in den Schnee legen, in der die Nachfolgenden dann leichter gehen können. Das Spuren ist mit Mühe und Schweiß verbunden. Es ist Kräfte raubend. Jedoch haben die Nachfolgenden es nur leichter, wenn sie auch tatsächlich in der Spur bleiben, die ihnen gelegt wurde.
In seinem Leiden und Sterben hat Jesus seinen Jüngern und uns allen die Spur ins ewige Leben, in die Herrlichkeit des Vaters gelegt. Und nicht nur das: wir können sogar sagen: er ist selber die Spur, die in Wahrheit zum ewigen Leben führt. (vgl. Joh 14:6)
Jesus wäscht seinen Jüngern also deswegen die Füße, damit „sie Anteil an ihm haben.“ (Jo 13:8) Damit sie den Weg bedenken, den sie zu gehen haben. Damit sie nicht stehen bleiben sondern unterwegs bleiben.
Weil sich Petrus besonders hervortut, wollen wir an ihm betrachten, was das bedeutet.
Jesus wäscht dem Petrus die Füße, damit er nicht stehen bleibt im Vorhof des Pilatus, wo er Jesus verleugnet hat. Er möge vielmehr voll heilsamer und schmerzlicher Reue weitergehen. Dass er auch nicht stehen bleibt in den Räumen, in denen er sich mit den übrigen Jüngern angstvoll einschließt, sondern dass er hinauseile zum Grab des Herrn. Dass er auch dort nicht stehen bleibe sondern zurückkehre zu den übrigen Jüngern und mit ihnen nach Galiläa gehe, wo der Herr verheißen hat, dass sie ihn sehen werden. (vgl. Mk 16:7) Dass er schließlich auch dort nicht stehen bleibe sondern zurückkehre nach Jerusalem, um dort den Hl. Geist zu erwarten und zu empfangen. Dass er in diesem Geist nicht stehen bleibe sondern geführt von ihm gehe bis ans Ende der Welt, um das Evangelium zu verkünden und die Menschen zu Jesu Jüngern zu machen, indem er sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. (vgl. Mt 28:19) Dass Petrus nicht stehen bleibt bis er schließlich den irdischen Weg wie sein Meister am Kreuz beendet. Und bezeichnender Weise will er verkehrt gekreuzigt werden mit den Füßen dort wo bei Jesus der Kopf war. Damit gibt er neben seiner Demut Zeugnis dafür, dass die Füße genauso wichtig sind wie der Kopf: denn was nützt es, wenn der rechte Weg erkannt aber nicht gegangen wird? Vor allem aber bezeugt Petrus so, dass das Wort des Herrn Licht auf seinem Weg war und Leuchte auf seinem Pfad. (vgl. Ps 119:105)
Wir können jetzt besser verstehen, warum Jesus den Jüngern die Füße wäscht: die äußere Waschung soll innerlich zum Einklang bereiten von Fleisch und Geist; denn Jesus weiß: „der Geist ist willig aber das Fleisch ist schwach.“ (Mk 14:38) Die Fußwaschung ist eine Ermutigung für den kommenden Weg. In der Waschung der Füße wird der Weg geweiht, den sie zu gehen haben; wird der Weg erleuchtet, der ihnen bevorsteht. Jesus will seinen Jüngern sagen: Folgt mir nach – ich geh voraus; geht mit mir, denn ich gehe mit euch. Vielleicht können wir gar so weit gehen und sagen: In der Fußwaschung hat Jesus den Jüngern seine Füße gegeben. Denn es ist sein Weg, den sie gehen; und sie gehen in der Kraft, die er gibt.
Und es schließt sich auf geheimnisvolle Weise der Kreis zum Brot, von dem Jesus sagt: das ist mein Leib! Denn es würde mich nicht wundern, wenn Jesus bei der Fußwaschung eines jeden seiner Jünger im Stillen gebetet hat: Das sind meine Füße! Die Fußwaschung eine Fußwandlung! Amen!

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