Sonntag, April 12, 2009

Er ist auferstanden!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 16: 1 – 7

1 Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben.


2 Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging.


3 Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang wegwälzen?

4 Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß.


5 Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr.


6 Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte.


7 Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.





Die drei Frauen haben den Sabbat gehalten. Oder besser gesagt: der Sabbat hat sie gehalten – zu Hause, in ihren Familien. Dort haben sie ihre Pflichten wahrgenommen, die dieser Tag ihnen vorschreibt. Waren sie nun also körperlich zu Hause anwesend so werden ihre Gedanken immer wieder zu Jesus gewandert sein, hin zum Grab im Garten, wo sie gesehen haben, wie er dort begraben wurde. Ihr Herz wird dort gewesen sein, wo ihr Schatz ist – bei Jesus. Das Sabbatgebot konnte wohl ihren Leib zügeln und beherrschen aber nicht ihr Herz, ihre Sehsucht, ihre Gedanken. So dass also ihr Fleisch wohl willig ihr Geist aber schwach war.

Nachdem sie dem jüdischen Gesetz genüge getan hatten konnten sie, als der Sabbat vergangen war, dem Gesetz ihres Herzens folgen – und sie taten dies ehest möglich: am folgenden Tag, dem ersten der Woche, sehr früh, als eben erst die Sonne aufging. Zuvor haben sie wohlriechende Öle gekauft um dem Leib ihres geliebten Herrn in der Salbung jenen letzten Dienst zu erweisen, den sie am Vorabend des Sabbats ob des eiligen Begräbnisses unterlassen mussten.

Nur eine Frage blieb: Wer wird den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? Denn der war sehr groß! Zwei von den dreien haben gesehen, wie das Grab mit dem Rollstein verschlossen wurde. Warum haben sie nicht eher daran gedacht? Warum haben sie niemanden mitgenommen, der ihnen dabei hätte helfen können?
Vielleicht spielt da die Dritte eine Rolle – Salome? In diesem Namen ist Shalom drinnen, Friede. Salome die Friedvolle- womöglich auch in dem Sinn beruhigend, dass sie sagte: Es wird schon irgendwie gehen!

Mit dem Öl in den Händen und dem Rollstein im Sinn und vor allem mit dem toten Jesus im Herzen kommen sie ans Grab. Und in der Tat: Es ging irgendwie mit dem Stein; wie, ist nicht mehr wichtig, denn Hauptsache, er ist weg vom Eingang des Grabes!


Halten wir hier inne und bedenken wir, dass diese drei Frauen mit Leib und Seele beim Herrn geblieben sind: Sie haben Jesus von Galiläa herauf begleitet, (vgl. Mk 15:41) und verfolgen von ferne seine Kreuzigung und sein Sterben mit. (Mk 15:40) Schließlich sehen sie noch, wie Jesus begraben wird (Mk 15:47). Was diese Frauen am Bleiben bei Jesus gehindert hat – zumindest dem Leibe nach – war die Beobachtung der Sabbatruhe. Ein göttliches Gesetz hat sie abgehalten, dem Sohne Gottes gleich nach seinem Tod jenes Begräbnis zu bereiten, das ihm ihre Liebe bereiten wollte und das ihm mehr als gebührte! Welche Blindheit, die in Jesus nicht denselben Gott erkennen kann, der dieses Gesetz gegeben hat und der nun kommt, um es zu erfüllen! Welche Tragik!
Und nun blicken wir auf uns mit der Frage, wie treu wir denn Jesus in seinem Leiden und Sterben begleitet haben? Wie sehr sind wir bei Jesus geblieben? Hat es auch bei uns – in uns – ein Gesetz gegeben, dass uns vom Herrn fern gehalten hat? Etwa ein Gesetz der Anhänglichkeit in irgendeiner Form? Welches Gesetz hat uns abgehalten davon, aus ganzem Herzen mit Jesus zu leiden und um ihn zu trauern? Welches Gesetz hat uns nicht den Schlaf fliehen lassen, so dass wir unablässig wachend und betend seiner Auferstehung entgegengeharrt hätten? Dieses Wachen und Beten ist das wohlriechende Öl, mit dem wir heute unterwegs sein können zu seinem Grab. Welches Gesetz hat auch uns wie den Jüngern in Getsemani die Augen schwer werden lassen? (vgl. Mk 14:40) Es ist jenes Gesetz, das es dem Geist des Mitleids und des Gebetes nicht erlaubt, ganz von unserem Herzen Besitz zu ergreifen. (vgl. Sach 12:10f.)
Diese Fragen mögen uns vor Augen halten wie klein wir sind angesichts des Großen, das da am Herrn und durch den Herrn geschehen ist. Zugleich möchten diese Fragen uns einprägen, wie sehr wir Beschenkte sind von dem, was nun zusammen mit den drei Frauen auch uns widerfährt.


Sie betraten die Vorkammer des Grabes und sahen – nicht den toten Jesus sondern auf der rechten Seite einen Jüngling in langem, weißem Gewand. Und dieser Jüngling weiß, dass sie Jesus von Nazareth suchen, den Gekreuzigten. Und dann das Ungeheuerliche: Er ist auferstanden! Er ist nicht hier! Sie können nur mehr den Platz sehen, wo sie ihn hingelegt haben. Nur die Liebe, die den toten Jesus suchte kann das Erschrecken begreifen, das sie nun erfasste.


Wohl hatte Jesus gesagt, er werde auferstehen; doch vermochten diese Worte nichts auszurichten angesichts des machtvollen Eindruckes von seinem Leiden und Sterben. Nun deuten eben diese Worte Jesu im Mund des Jünglings das Faktum des leeren Grabes.


Das leere Grab ist leere Hülle: es sagt: der Herr ist nicht mehr hier; er ist anderswo! Darum der Auftrag des Jünglings, zu den Jüngern zu gehen und ihnen, vor allem dem Petrus, eine Botschaft zu sagen, die Jesus ihnen auch schon einmal gesagt hat: (Mk 14:28) Dass er nach seiner Auferstehung ihnen nach Galiläa vorausgehen werde. Dort werden sie ihn sehen.

Die Reaktion der Frauen auf diese Botschaft können wir kaum begreifen: Zitternd und voll Entsetzen fliehen sie vom Grab, denn sie fürchteten sich.

Die Erde bebte nicht (vgl. Mt 28:2) – dennoch sind die Frauen zutiefst erschüttert. Sie sind zutiefst ergriffen von dem, was geschehen ist: Altes ist vergangen – Neues ist geworden! Nicht Neues ist aus Altem geworden sondern das Alte ist vergangen und das Neue ist nicht aus dem Alten geworden sondern aus Gott! Gottes neue Welt ist in ihr Leben eingebrochen durch Jesu Auferstehung vom Tod. Das Entsetzen dieser drei Frauen sind die Todeswehen ihrer alten Welt. Diese müssen sie durchstehen um zur österlichen Freude zu gelangen, die auf sie wartet in der Begegnung mit dem auferstandenen Herrn. Sie müssen mit dem hl. Paulus vergessen, was hinter ihnen liegt und sich ausstrecken nach dem, was vor ihnen ist – nämlich die Begegnung mit dem Herrn und das Leben mit ihm.


Sie sind in einen neuen Tag hineingegangen – nicht nur in den ersten der Woche, der vergeht und auf den dann der zweite folgt. Sie sind vielmehr in den achten Tag hineingegangen, in den Tag des Herrn, in den dies dominica, der ewig währt wie der Herr selber. Gehen wir mit diesen Frauen aus unserer alten Welt in das Galiläa unserer Tage, hinein in den neuen Tag, in dem wir nicht mehr uns selber gehören sondern dem Herrn und werden wir nicht müde die Botschaft des Jünglings weiterzusagen: Der Herr ist auferstanden! Amen! Halleluja!

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