Sonntag, April 12, 2009

Brannte uns nicht das Herz?


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 24: 13 – 35

13 Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.

14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.

15 Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.

16 Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten.

17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander
redet? Da blieben sie traurig stehen,

18 und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?

19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.

20 Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.

21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.

22 Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,

23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.

24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.

25 Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.

26 Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?

27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,

29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.

30 Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen.

31 Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.

32 Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?

33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt.

34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.

35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.




Es ist mir jedes Jahr erneut eine österliche Wohltat, mitzuerleben, wie Jesus mit den beiden Emmausjüngern umgeht.

Wie er nämlich bemerkt, dass sie ihn nicht erkennen, da sie mit Blindheit geschlagen waren, geht er nicht einfach her und sagt zu ihnen: Ja, erkennt ihr mich denn nicht? Ich bin’s doch – Jesus!

Jesus hat überhaupt keinen Osterstress, indem er sich etwas sagte: Ich muss noch so vielen erscheinen und zudem wichtigeren Leuten als diesen beiden – zum Beispiel dem Petrus und den anderen Jüngern. Ich kann mich mit diesen beiden wirklich nicht zu lange aufhalten.

Nichts von all dem. Vielmehr verbringt er einen Gutteil des Nachmittags bis in den Abend hinein mit ihnen.

Und was tut er dabei?

Nun – er hört ihnen einfach einmal zu. In aller Ruhe können sie ihr Herz ausschütten und ihm sagen, was sie bekümmert, beschäftigt, bedrückt.

Und dann? Was macht Jesus dann? Öffnet er ihnen jetzt die Augen, indem er ihnen sagt, dass er Jesus sei? Nein.
Vielmehr beginnt nun er zu erzählen – aus der hl. Schrift, das heißt aus dem Alten Testament. Er erklärt ihnen die vielen Hinweise auf ihn bei Mose, den Propheten, in den Psalmen. Er erklärt ihnen, dass sie alle eigentlich von ihm erzählen auf ihn hinweisen, zu ihm hinführen. Was gäbe ich dafür, bei dieser Bibelkatechese dabei gewesen zu sein! Jesus hat das so lebendig und ergreifend gemacht, dass das Herz der beiden zu brennen begann.

Das ist auch kein Wunder, denn recht eigentlich hat Jesus ihnen nun sein Herz ausgeschüttet, indem er von den hl. Schriften erzählte, die sein Herz ja ganz und gar ausfüllten – ist es doch das Wort seines Vaters im Himmel, von dem er ihnen da erzählt.

Zugleich deckt Jesus auf diese Weise die Wurzeln auf, aus denen sein Leben und sein Schicksal herausgewachsen sind.
Aber nicht nur seine eigenen Wurzeln deckt Jesus so auf – auch die Wurzeln der beiden Jünger legt er bloß; denn auch ihr Leben ist aus diesem Quellgrund des Wortes Gottes gespeist. Denn ihnen ist das Wort Gottes zugesprochen zur Freude, zum Trost, zur Ermahnung, zur Strafe, zur Umkehr, zur Erneuerung. Sie versuchten dieses Wort zu hören und ihr Leben danach zu gestalten.
Mit dem Wort Gottes öffnete Jesus ihnen den Raum, in dem das Herz von ihnen dreien zu Hause war. Er ließ sie durch sein Erzählen insgeheim den Pulsschlag seines Herzens hören und hat dadurch in eins ihr Herz erwärmt und belebt, indem er es in seine eigentliche und wahre Heimat zurückführte.
Sie redeten von Mund zu Mund und zugleich von Herz zu Herz! Welches Herz würde da nicht zu brennen beginnen!

Und immer noch nicht offenbart Jesus seine Identität, obwohl das Herz bereits lebendig verspürte, was dem Verstand noch verborgen war.

Vielmehr schreitet Jesus nun zur Tat: Er nahm das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Jesus warf dieses Tun wie einen Samen in den Acker des brennenden Herzens, den er durch sein Wort bereitet hatte; und sogleich geht der Same auf und bringt die Frucht hervor in der Erkenntnis Jesu. Diese Erkenntnis genügt – sie bedarf nicht mehr des Sehens mit den Augen des Leibes. Das Herz sieht endlich – das ist entscheidend, das genügt!

Und neues Leben ist da, ein neues Ziel, ein neuer Weg: Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt.

Jesus der Urtyp des österlichen Menschen hat aus diesen zwei Jüngern österliche Menschen gemacht, indem er durch Mitgehen und Zuhören sein Herz öffnete, sie im Erzählen des Wortes Gottes seinen Herzschlag hören ließ, ihr Herz brennen machte in der Beheimatung in eben diesem Wort Gottes und sie so zu neuem Leben führte.

Möge auf dem Emmausgang unseres Lebens auch uns diese österliche Gnade zuteil werden. Amen!

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