Sonntag, März 29, 2009

... werde ich alle zu mir ziehen!


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 12: 20 – 33

In jener Zeit

20 traten einige Griechen, die beim Osterfest in Jerusalem Gott anbeten wollten,

21 an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: Herr, wir möchten Jesus sehen.

22 Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus.

23 Jesus aber antwortete ihnen: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird.

24 Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht auf die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

25 Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.

26 Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

27 Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen.

28 Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.

29 Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: Es hat gedonnert. Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet.

30 Jesus antwortete und sagte: Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch.

31 Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden.

32 Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.

33 Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.



Da interessieren sich Griechen für Jesus. Was hat sie wohl neugierig gemacht? Womöglich der unmittelbar vorauf gehende Einzug Jesu in Jerusalem. Die heutige Episode aus dem Evangelium ist jedenfalls eine anschauliche Schilderung, dass die ganze Welt ihm nachläuft, wie die Pharisäer beklagten (Joh 12:19)

Ob auch wir zu jenen gehören, die Jesus nachlaufen, die neugierig sind auf ihn, die ihn sehen wollen? Und was hat unsere Neugierde geweckt?

Oder sind wir gar nicht mehr neugierig auf Jesus, weil wir ihn ja schon lange genug kennen; weil wir ja so vertraut sind mit ihm, die wir ja wöchentlich oder gar noch öfter zur Messe kommen. Hat uns der häufige Messbesuch abgestumpft oder kommen wir deshalb unablässig zu Jesus, weil er uns immer wieder überrascht und sein Wort an uns immer wieder Neues von ihm mitteilt?
Die Bußzeit ist uns gegeben, auf diese Fragen Antwort zu finden.

Jedoch brauchen wir nicht lange zu warten und wir werden erleben, wie alle ihn wieder verlassen und er allein bleibt. Es ist nur ein oberflächliches Nachlaufen, bei dem das Herz nicht mitläuft.

Wir müssen deshalb die Klage der Feinde Jesus, dass alle Welt ihm nachläuft für unser geistliches Leben tiefer sehen in der Form, dass wir sagen: Die gesamte Welt, in der wir leben, muss Jesus nachlaufen; unsere gesamte Lebenswelt muss ausgerichtet sein auf Jesus. Alles in unserem Leben ist auf Jesus hingeordnet. Mir fällt in diesem Zusammenhang ein immer wieder faszinierender Versuch aus dem Physikunterricht ein: Ein Haufen ungeordneter Eisenspäne wir vollkommen durch einen Magneten geordnet. Dieses innere Hingeordnet sein auf Jesus muss uns bewegen, Jesus nachzulaufen. Dann werden wir nicht umkehren und ihn nicht verlassen, wenn sein Kreuzweg beginnt. Vielmehr werden wir mit seiner Mutter Maria, mit Magdalena und seinem Lieblingsjünger Johannes unter Jesu Kreuz stehen können.

Die Zeit der Buße ist genau dazu da: dass wir unser christliches Leben bewusst und gezielt auf Jesus ausrichten. Denken wir nur an den Sturm auf dem See Gennesaret: Solange Petrus mit seiner Aufmerksamkeit völlig auf Jesus ausgerichtet war, konnte er über dem Wasser auf ihn zugehen. Sowie er sich aber vom tiefen Wasser und der Heftigkeit des Sturmes hat beeindrucken lassen, begann er unterzugehen.

Auch wir werden in den geistlichen und wirtschaftlichen Stürmen unserer Tage nicht bestehen können, wenn wir uns nicht unablässig bemühen, unsere ganze Aufmerksamkeit auf Jesus ausrichten.

Jesus gibt uns selber Beispiel: In seiner Erschütterung, wenn er als Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, denkt er an seinen Vater. Jesus weiß sich von ihm gesendet, Jesus weiß sich von hm gehalten: Gestützt auf diesen Vater und von ihm getragen geht Jesus seinen Weg als Weizenkorn in die Erde, als Verurteilter auf das Kreuz und in den Tod. Auf diesem gesamten Weg bis zum letzten Atemzug bleibt Jesus ausgerichtet auf seinen Vater – selbst dann noch, als er sich von seinem Vater völlig verlassen fühlt: Sein letztes Wort ist ein Wort an seinen Vater; ein Wort der Ausrichtung; ein Wort der Hingabe: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist!“ (Lk 23:46) Durch die unbedingte Verbundenheit mit seinem Vater im Himmel überwindet Jesus den Tod in seiner Auferstehung – und er erringt diesen Sieg für uns alle. Das meint Jesus, wenn er am Ende des Evangeliums sagt: „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen!“ (Joh 12:22) Kein Wunder also, dass alle ihm nachlaufen – wenn er doch alle an sich zieht: Er ist der Magnet, dem keiner widerstehen kann.

Und wir kommen zu einer letzten Bestimmung dieser Bußzeit: Sie ist ein bewusstes und beharrliches Sich Aussetzen dieser Anziehungskraft des Herrn! Diese Kraft trägt den Namen Liebe.
Wie haben wir im Tagesgebet zu Gott gesprochen: „Lass uns in seiner Liebe bleiben und mit deiner Gnade aus ihr leben.“ Amen!

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