Mittwoch, Februar 04, 2009

... an einen einsamen Ort, um zu beten.


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 1: 29 - 39

29 In jener Zeit ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas.

30 Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie,

31 und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.

32 Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.

33 Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt,

34 und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war.

35 In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.

36 Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,

37 und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.

38 Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.

39 Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.




Jesus ist geladen! Wir hörten am letzten Sonntag wie: Durch das Predigen mit Vollmacht und durch das Austreiben eines Dämons.
Heute verlassen Jesus und seine vier ersten Jünger den hl. Raum der Synagoge und die Gottesdienstgemeinde. Sie verlassen den Ort, an dem sie Gott dienten durch Verkünden und Hören seines Wortes; an dem Jesus dem Besessenen diente, indem er ihn vom Dämon befreite.
Sie Verlassen der Synagoge. Verlässt Jesus nun auch die Dienstfähigkeit und die Dienstbereitschaft? Keineswegs! Er bleibt geladen!
Die Fünf betreten den Familienraum des Petrus. Es ist Sabbat nach dem Gottesdienst; es ist bereits abends; das Sabbatmahl steht an.

Doch niemand denkt vorerst ans Essen. Die Schwiegermutter ist krank; sie liegt mit starkem Fieber danieder; mit „brennendem“ Fieber – wie es wörtlich anschaulich heißt. Das ist das Thema, das ansteht; darüber sprechen sie sogleich. Jesus macht es ganz lieb – fast spielerisch: Er tritt hinzu, nimmt sie an der Hand und richtet sie auf – wie zärtlich! Sogleich verlässt sie das Fieber, sie steht auf und bereitet ihnen das Sabbatmahl. Wenn einen heftiges Fieber verlässt ist man vorerst erschöpft; nicht jedoch, wenn Jesus davon befreit. Er heilt unverzüglich und vollständig.

Ein Schelm, wer da denkt, Jesus hätte so rasch und so gründlich gehandelt, weil sie Hunger hatten und was essen wollten und zudem noch denkt, dass die Frau des Petrus nicht gerade die beste Hausfrau war.

Vielmehr war Jesus so effektiv hilfsbereit, weil er der Frau des Petrus helfen wollte, in dem er deren Mutter half. Denn zweifellos war die überfordert, wenn die eigene Mutter mit hohem Fieber im Bett liegt und auf einmal kommen unangemeldet fünf Männer und wollen ein Sabbatmahl, was ja aufwändiger zubereitet wird als sonst ein Abendmahl unter der Woche.

Wir merken den ausgeprägten Geist der Dienstbereitschaft bei Jesus in der Synagoge, im Haus des Petrus; in der machtvollen Verkündigung, in der Befreiung von Dämonen, in der Heilung von Krankheit; indem er sich einlässt in die Lebenswelt anderer; indem er andere zum Dienen befähigt. Er ist wirklich „nicht gekommen, um sich dienen zu lassen sondern um zu dienen.“ (Mt 20:28)

In diesem Zusammenhang weise ich auf den Dienst hin, den die fünf Jünger erweisen, indem sie Jesus von der Synagoge mit nach Hause nehmen. Auch wir haben so viele Male Gelegenheit, diesen Dienst an den Unseren auszuüben, indem auch wir Jesus mitnehmen, wenn wir vom Gottesdienst nach Hause gehen. Nützen wir sie! Lassen wir Jesus nicht in der Kirche zurück! Wir können keinen schöneren Dienst erweisen, als wenn wir Jesus mit nach Hause bringen in unsere Familien, in unsere Freundschaften, auf unsere Arbeitsplätze.

Im Verlauf des Mahles ist der Abend vorangeschritten und die Sonne untergegangen. Damit ist der Sabbat offiziell beendet. Draußen vor der Tür tut sich inzwischen allerhand: „Man brachte alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt.“ (Mk 1:32bf) Ein riesen Auflauf! Wie reagiert Jesus? Verschreckt? Ablehnend? Überhaupt nicht! Sondern – ihr ahnt es schon: Hilfsbereit: Er heilte viele und trieb viele Dämonen aus! Er gibt auf diese Weise sein Leben hin für viele und bereitet schon hier seine umfassende Hingaben vor, die er dann am Kreuz für alle vollziehen wird.

Wer weiß, wie lange in die Nacht hinein das alles gedauert hat. Der Schlaf war gewiss wohlverdient und wohl auch bald zur Stelle. Aber er war kurz; denn er steht in aller Frühe, als es noch dunkel war, auf und geht vor die Stadt hinaus an einen einsamen Ort, um zu beten. Mit „aller Frühe“ ist die vierte und letzte Nachtwache gemeint, von 3 Uhr bis 6 Uhr. „Als es noch dunkel war“ meint den Beginn dieser Nachtwache – also ca. 3 Uhr. Jesus betet in bewusster Ausrichtung auf seinen Vater. Wir erfahren direkt nichts vom Inhalt dieses Betens, dürfen aber sein weiteres Verhalten als Frucht dieses Betens erkennen.

Worin besteht diese Frucht? In der Antwort auf das Ansinnen des Petrus und der anderen. Die wollen, dass Jesus bleibt, da alle auf ihn warten. Petrus wollte, was er später auf dem Berg der Verklärung auch tun möchte: Hütten bauen und bleiben und die Gunst der Stunde ausnützen.

Jesus hat jedoch die Gunst der Morgenstunden zum Gebet genützt und dabei seine Gunst der Stunde erkannt, die darin bestand, frei zu sein, das Evangelium vom Reich Gottes zu verkünden. Diese Freiheit zu nützen – je früher desto besser, denn wie lange wird er diese Freiheit haben? Er scheit zu ahnen, was wir im Nachhinein wissen: die Zeit, sein Werk zu tun, ist in der Tat kurz. Es drängt ihn diese kurze Zeit möglichst auszufüllen, das Reich Gottes in Wort und Tat zu verkünden. Eine heilige Unruhe hat den Heiligen Gottes erfasst.

Bedenken wir, dass diese hl. Unruhe eine bleibende Mitgift der Verbundenheit mit dem Herrn ist. Es ist ein anderer Name für Nachfolge Jesu, diese Unruhe in unserem Leben zu suchen, uns von ihr ergreifen zu lassen und ihr zu folgen. Amen!

Keine Kommentare: