Donnerstag, Februar 26, 2009

Der Geist trieb Jesus in die Wüste


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 1: 12 – 15

In jener Zeit

12 trieb der Geist Jesus in die Wüste.

13 Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.

14 Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes

15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!





Was ist das für ein Geist, der Jesus in die Wüste treibt? Es ist jener Geist, der eben vorhin bei seiner Taufe durch Johannes in Gestalt einer Taube in ihn hinein gekommen ist. Diese Hineinkunft des Geistes ist mit der Stimme verbunden, die zu Jesus sagt: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ (Mk 1:11)
Beseelt von diesem Geist möchte Jesus nun wissen, was es für ihn bedeutet, von Gott „geliebter Sohn zu sein.“ Diese Lebensfrage sucht nach einer Antwort. Um diese Antwort zu finden, führt der Geist ihn nicht zu anderen Menschen, damit er sich mit ihnen darüber unterhalte. Nein, dieser Geist treibt ihn in die Wüste hinaus und das heißt weg von Menschen in die Einsamkeit, in das Alleinsein, in die Unwirtlichkeit; damit aber zugleich in die Stille und in eine größtmögliche Unmittelbarkeit zu Gott.
Wenn es nun heißt, der Geist treibt ihn in die Wüste, dann bedeutet das, dass der Geist mit ihm in die Wüste geht und diese Wüstentage von diesem Geist geprägt und gestaltet sind. Der Geist treibt ihn nicht nur in die Wüste – er trägt ihn durch diese Wüstentage und alles, was er in diesen Tagen erlebt und besteht, erlebt und beseht er in der Kraft dieses Geistes.

Was erlebt Jesus nun in diesen 40 Tagen?

* „Er wird vom Satan in Versuchung geführt:“ Satan bedeutet Feind, Widersacher. Er macht die Erfahrung der Versuchung, der Möglichkeit, sich gegen Gott zu stellen. Diese Versuchbarkeit weist ihn als wahren Menschen aus. Jedoch erliegt er der Versuchung nicht. Er bleibt mit Gott in ungetrübter Harmonie.
* „Er lebt bei den wilden Tieren.“ Diese Harmonie strahlt aus und ermöglicht ein problemloses und friedliches Zusammenleben mit den wilden Tieren der Wüste. Sie sind ihm nicht Feind und schaden ihm nicht.
* „Und die Engel dienten ihm.“ Die Harmonie mit Gott, aus der er durch den Widersacher in der Versuchung nicht herausgerissen werden kann, ist eine himmlische. Sie ermöglicht die Gemeinschaft nicht nur mit den wilden Tieren sondern auch mit den Engeln, die ihm dienen; das heißt, als deren Herr sich Jesus erlebt.

Was ist es doch Großes um die Harmonie mit Gott, die ein Leben nach seinen Geboten ermöglicht!
Jesus erinnert durch sein Erleben lebhaft an die Stammeltern im Paradies: Sie haben dem Widersacher nachgegeben und sind seinen Einflüsterungen gefolgt. Damit sind sie aus der Liebes- und Lebensgemeinschaft mit Gott heraus gefallen. Zugleich wurde ihre Harmonie mit der Schöpfung zerstört, mit der sie fortan im Zeichen des Kampes leben mussten. Schließlich wurden sie aus dem Paradies verjagt und der Engel mit dem Feuerschwert wehrte der Rückkehr.

Innerhalb dieser 40 Tage entdeckte Jesus so seine Berufung: Zu heilen was an den Ureltern verwundet worden war. Er entdeckte seine Berufung als Heiland!
Was bewirkt diese Entdeckung für sein weiteres Leben? Dass er die Einsamkeit wieder verlässt und zu predigen beginnt: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1:15)
Er weiß: Heiland kann er nur sein, wenn er die Einsamkeit immer wieder verlässt und zu den Leuten geht. Ihnen soll er schenken, was Gott ihm gegeben hat: die Fülle des Reiches Gottes! In ihm ist diese Fülle da; und sie ist da für uns Menschen, damit wir wieder zu jener Harmonie mit Gott zurückfinden, zu der wir ursprünglich bestimmt waren. Jesus eröffnet uns den Weg zu unserer ursprünglichen Berufung, als Gottes Kinder ganz Gott zu gehören! Er eröffnet diesen Weg vorerst durch sein Predigen, weiters dann durch sein Wirken und endgültig schließlich durch sein Sterben am Kreuz und durch sein Auferstehen.

Wenn wir zu Beginn der 40tägigen Bußzeit dieses Evangelium hören, so deshalb, weil Jesus uns hinweisen möchte auf den Geist, den wir bei Taufe und Firmung empfangen haben. Es ist derselbe Geist, der ihn in die Wüste getrieben hat. Auch uns möchte dieser Geist in die Wüste der kommenden Bußzeit hinauswerfen. Und dieser Geist wird uns 40 Tage hindurch begleiten und stärken, damit wir den Widersacher und Versucher besiegen; er wird uns zu einer neuen Harmonie mit Gott, unseren Mitmenschen und der Schöpfung führen. Er wird uns erkennen lassen, dass im Reich Gottes alle Mächte des Himmels aufgeboten sind zu unserem Heil, zu unserer Befreiung und unserer Erlösung: sie stehen uns zu Diensten.

Bitten wir jeden Tag um diesen Geist! Vertrauen wir uns ihm jeden Tag von neuem an! Dann werde wir Schritt für Schritt den Weg gehen können, den Jesus uns in seiner Predigt vorzeichnet: den Weg der Umkehr und des Glaubens an Jesu Frohbotschaft; den Weg hinein in die Fülle der Zeit, in das nahe gekommene Reich Gottes, in die Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus, der gepriesen sei mit dem Vater und dem Hl. Geist jetzt und in Ewigkeit! Amen!

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