Sonntag, Januar 11, 2009

Du bist mein geliebter Sohn!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 1: 7 – 11

7 Johannes der Täufer verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.

8 Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

9 In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.

10 Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.

11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.



Mit dem Fest der Taufe des Herrn beenden wir den weihnachtlichen Festkreis. Zugleich beginnt mit dem Tauffest Jesu die Zeit im Jahreskreis. Dieses Fest ist zugleich der letzte Sonntag in der Weihnachtszeit und der 1. Sonntag im Jahreskreis.

Im Markusevangelium, aus dem eben von der Taufe Jesu berichtet wurde, ist die Taufe Jesu sein erstes Auftreten in der Öffentlichkeit. Er tritt in das Licht der Öffentlichkeit. Wenn wir Jesu Taufe als seine Geburt aus dem Verborgenen in die Öffentlichkeit ansehen wollen, können wir Johannes den Täufer als Geburtshelfer bezeichnen.

Jesus hat von Johannes dem Täufer gehört und seinen Ruf zur Umkehr vernommen. Es war wohl die Begeisterung an diesem Mann, die ihn aus dem verborgenen Leben in Nazaret in Galiläa an das Ufer des Jordan zu Johannes lockte.

Da habe wir schon ein erstes Unterscheidendes: von allen anderen Besuchern wird berichtet, sie kommen aus dem ganzen Land Judäa und aus Jerusalem. (vgl. Mk 1:5) Wir können Judäa samt Jerusalem als das eigentliche hl. Land bezeichnen, in dem jener Teil des jüdischen Volkes lebte, das den Glauben an Gott, den Herrn, durch die Befolgung des mosaischen Gesetzes rein bewahrt hat. Von ihnen allen heißt es, dass sie von Johannes im Jordan getauft wurden und dabei ihre Sünden bekannten.

Jesus hingegen kommt aus Galiläa, das bereits nicht mehr in jener Glaubenstreue verwurzelt galt, wie Judäa und Jerusalem. Zudem aus der Stadt Nazaret, die damals keinen guten Ruf gehabt hat; fragte doch Nathanael, als ihm Philippus erzählt, sie hätten den gefunden, über den Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben hatten: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs – aus Nazareth? Kann denn von dort etwas Gutes kommen? Aber gerade dieser Jesus, der aus diesem scheinbar üblen Ort kommt, bekennt bei der Taufe im Jordan nicht seine Sünden.

Ein bemerkenswerter Widerspruch: Die Sünder aus dem hl. Land und der hl. Stadt. Und der Heilige aus dem sündigen Dorf! Wie ist dieser Widerspruch zu deuten? Der weitere Verlauf der Taufe Jesu gibt Antwort auf diese Frage.

Wie Jesus nach der Taufe aus dem Wasser steigt sieht er den Himmel aufgerissen. Hinweis darauf, dass Jesus eine Gotteserfahrung macht: denn der Himmel reißt auf, damit von dort etwas herauskommen kann auf Jesus zu! Aber was? Wir haben es gehört: zum einen der hl. Geist in Gestalt einer Taube; zum anderen die Stimme, die Jesus direkt anspricht: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden!“ (Mk 1:11).

Dieses Erleben hebt Jesus aus allen umstehenden Menschen heraus und lässt ihn auch den Täufer weit überragen. Wir stellen fest, dass Jesus dies vom Himmel her zuteil wurde: Nicht er selber hebt sich hervor; nicht Auszeichnung durch Menschen – etwa durch Herkunft aus hl. Land oder aus der hl. Stadt Jerusalem. Diese Auszeichnung wird ihm von Gott geschenkt. Sie bezeichnet seine einmalige Beziehung zu Gott. Es ist eine Liebesbeziehung. Was diese Beziehung für ihn bedeutet, für seine Mitmenschen und schließlich für uns – darauf wird Markus durch die weitere Erzählung seines Evangeliums Antwort geben.

Mit dem heutigen Bericht von der Taufe Jesu will Markus die Aufmerksamkeit des Lesers auf Jesus richten und zugleich seine Neugierde am weiteren Werdegang dieses Jesus erwecken.

Zudem wird die Bedeutung der Taufe für die Zeit nach Jesus wesentlich erweitert: sie ist nicht nur ein Abwaschen von Sünde sondern ein bekleidet Werden mit dem Kindsein vor Gott. Die Taufe ist die Tür zur Gotteskindschaft – für Jesus und für uns! Amen!

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