Freitag, Januar 23, 2009

Die Zeit ist erfüllt!


Aus dem hl. Evangelium nach Markus 1: 14 – 20

Aus dem hl. Evangelium nach Markus 1: 14 – 20

14 Nachdem man Johannes den Täufer ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes

15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

16 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer.

17 Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

18 Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.

19 Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her.

20 Sofort rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.




„Die Zeit ist erfüllt“ hörten wir Jesus eben rufen.
„Die Zeit ist kurz“ haben wir vorher noch vom hl. Paulus gelesen. Dem seine Bekehrung feiern wir heute am 25. Jänner.
Warum er sich bekehrt hat? Nun, weil er eben diese erfüllte Zeit am eigenen Leib erlebt hat vor den Toren von Damaskus. Womit war sie erfüllt? Mit der Gegenwart Jesu, den er bis dahin in dessen Gemeinden verfolgt hat – ohne sich dessen bewusst zu sein.

Nun nennt Jesus aber die Fülle der Zeit „Königsherrschaft Gottes“ – die ist nahe gekommen, das erfüllt die Zeit. Die Königsherrschaft Gottes ist in diesem Jesus nahe gekommen. Und Paulus kann nicht anders als tun, was Jesus als Konsequenz auf diese Nähe Gottes fordert: Kehrt um und glaubt an das Evangelium! Genau diesen Schritt der Umkehr im Glauben hat Paulus vor Damaskus vollzogen. Und es war der erste Schritt eines Weges, den er glaubend weiter gehen wird. Dieser Weg ist zugleich ein Weg in der Nachfolge Jesu, den er fortan verkündet: Wie er in Jesus die Königsherrschaft Gottes umwerfend und erneuernd nahe erfahren hat so wird nun in seiner Verkündigung dieser Jesus sein Inhalt. Königsherrschaft Gottes und Jesus sind für Paulus identisch – so hat er es erfahren und so verkündigt er es.

Diese Erfahrung machen auch die vier ersten Jünger im Evangelium: Gottes Königsherrschaft wird in ihrem Leben in der Weise wirksam, dass sie die Worte hören, die Jesus ihnen zuruft, dass sie lassen, was sie bisher hatten und taten und dass sie diesem Jesus nachlaufen. Durch Jesus hat sich Gottes Herrschaft so mächtig in ihrem Leben erwiesen, dass sie aus ihren Familien und aus ihrem Beruf von einem Augenblick auf den anderen entwurzelt und herausgerissen und in die Gemeinschaft mit Jesus eingepflanzt wurden. „Christus ist mein Leben“ – und nicht mehr meine Familie, nicht mehr mein Beruf oder sonst was! Diese Erfahrung machen sie – und diese Erfahrung macht sie zu seinen Zeugen, zu seinen Jüngern, zu den Hirten und zum Fundament seiner Kirche.

„Die Zeit ist erfüllt“ – „Die Zeit ist kurz“ zwei Dimensionen der Zeit kommen zum Ausdruck: Ihr Inhalt und ihre Dauer. Beides hängt zusammen.
Nun ist es gewiss so, dass Paulus zusammen mit den übrigen Christen seiner Zeit das baldige Kommen des Herrn erwartet hat und die Zeit deshalb kurz ist.
Jedoch hängt auch diese Naherwartung des Herrn damit zusammen, dass Paulus völlig von Christus erfüllt war. Christus war für ihn nicht nur Fülle der Zeit, ER war auch Fülle seines Herzens, seines Denkens und Fühlens – er war christusvoll. Und nun wissen wir ja aus eigener Erfahrung, dass bei einer interessanten, fesselnden Tätigkeit die Zeit rasend schnell vergeht.

Und so ist es auch dem Paulus ergangen: Erfüllt von Christus ist ihm die Zeit zu kurz geworden; sie ist ihm gleichsam unter den Fingern zerronnen: unablässig wollte er für Christus wirken und andauernd war er für den Herrn unterwegs und hat dabei schier übermenschliches auf sich genommen. Die Liebe Christi hat ihn wahrhaftig gedrängt und ihn zur schmerzlichen Erkenntnis geführt, dass die Zeit viel zu kurz ist für das, was er noch alles für den Herrn tun möchte. Und er hat schmerzlich klar die Gefahr erkannt, die von der vergänglichen Welt ausgeht, dass wir mit ihr nämlich die kostbare Zeit vergeuden, die wir eigentlich dem unvergänglichen und immer gegenwärtigen Herrn schenken sollten. Deshalb seine eindringliche Bitte in der Lesung, für die Welt in ihren verschiedenen Hinsichten nicht mehr Zeit aufzuwenden als unbedingt nötig. Die vergängliche Welt möge doch dem unvergänglichen Herrn nicht im Wege stehen. Die Zeit, schon erfüllt mit des Herren Gegenwart möge man doch nicht zu füllen versuchen mit den vergänglichen Gütern dieser Erde.

Möge der Herr uns beides schenken: Dass die Zeit erfüllt ist von Seiner Gegenwart! Und dass sie uns zu kurz ist für das, was wir aus Liebe zu IHM noch alles tun möchten. Amen!

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