Samstag, Dezember 27, 2008

Segen durch Hingabe


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2: 22.39 – 40

22 Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Moses vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen.

39 Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.

40 Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.



Aus der Ehegemeinschaft von Josef und Maria ist durch die Geburt Jesu eine Familie geworden. Es liegt nahe, die Familiengemeinschaft dieser drei besonders anzuschauen, zu würdigen und zu verehren.
Gewiss – es sind drei individuelle, einmalige Persönlichkeiten, die unter besonderen geschichtlichen Umständen eine einmalige Familiengemeinschaft bilden. Gibt es bei aller Besonderheit, die trennt, nicht auch ein verbindendes Gemeinsames mit uns, das wir leben können wie sie; das Familien heute leben können wie sie es damals gelebt haben?
Ich meine, ja!
Es ist ein Leben in Frömmigkeit und Eintracht. Wodurch zeichnet sich dieses Leben in Frömmigkeit und Eintracht bei der hl. Familie aus? Wie äußerte sich ihre Frömmigkeit? Und wie ihre Eintracht?

Einen ersten Hinweis auf ihre Frömmigkeit finden wir gleich zu Beginn des heutigen Evangeliums: „Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen.“ (Lk 2:22)
Reinigung der Mutter und Weihe des Kindes.
Nach jüdischem Gesetz galt eine Mutter nach der Geburt eines Knaben vierzig Tage für unrein. Während dieser Zeit musste die Mutter im Haus bleiben, durfte den Tempel nicht betreten und keine Opferspeisen anrühren. Nach dieser Wartezeit sollte sie zur gesetzlichen Reinigung ein Brand- und Sündopfer im Tempel darbringen – für die Armen ein paar Tauben: die eine Taube für das Brand- und die andere für das Sündopfer.

Zudem schrieb bei der Geburt des Erstgeborenen das Gesetz die „Heiligung“ des Kindes vor. Die erstgeborenen Söhne waren nämlich Jahwe geheilig; d.h. sie waren zu Gottes Eigentum und Dienst geweiht. Als nun die Leviten anstelle der Erstgeborenen zum Dienst im Heiligtum bestimmt wurden, trat das Gesetz in Kraft, dass die Erstgeborenen loszukaufen seien – zurzeit Jesu um den Preis von 5 Schekel - heute wären das eta 700 Euro. Die Heiligung des Kindes wurde „Darstellung“ genannt und deutete an, dass das Kind dem Herrn geweiht und zum Dienst am Tempel übergeben worden sei.

Die Eltern Jesu erkennen ihr Kind als Gabe Gottes an. Sie nehmen diese Gabe an, indem sie es im Tempel Gott weihen. Obwohl ihnen Gott dieses Kind geschenkt hat nehmen sie es ganz als Eigentum Gottes an. Es gehört bleibend Gott. Gott hat ihnen dieses Kind anvertraut, dass sie es als sein Eigentum behandeln. Dass sie mit diesem Kind umgehen sollen und wollen im Wissen, dass es Gott gehört. Dass sie also nach dem Willen Gottes dieses Kind erziehen. Den Willen Gottes nehmen sie im Gesetz des Moses an.
Und dass sie dieses Wissen dann dem Kind auch weitergeben.
Es soll sich bewusst werden, dass es vor allen anderen – auch vor den Eltern selber – Gott gehört.
Dass Jesus als 12jähriger dann bei einer Wallfahrt im Tempel zurückbleibt können wir als Frucht dieser Erziehung sehen. Andererseits scheinen seine Eltern die Konsequenzen ihres gottgefälligen Erziehens nicht völlig durchdacht zu haben.

Auf jeden Fall ist eines klar: Frömmigkeit bedeutet für die Eltern Jesu, durch diesen Akt der Hingabe ihres Kindes an Gott ihre Familie von Anfang an auf eben diesen Gott zu gründen. Sie ahmen so Abraham nach, der auch bereit war, seinen Sohn Isaak Gott im Schlachtopfer zu geben.
Zugleich verhalten sie sich wie der kluge Mann im Gleichnis Jesu, der sein Haus auf Fels baute.
Nun liegt es wohl auf der Hand, dass dieses Zeichen der Verbundenheit mit Gott nicht das einzige geblieben sein wird. Diese Hingabe werden sie im verborgenen Alltag Nazareths weitergelebt haben; sonst wäre das Verhalten des 12jährigen Jesu nicht denkbar.
Zudem erfließt die Heiligung ihres Kindes im Tempel aus ihrer eigenen Lebenshingabe an Gott, die sich in den biblischen Erzählungen bei Matthäus und Lukas bereits vor der Geburt ihres Kindes überdeutlich manifestiert.
Sie konnten ihr Kind deshalb Gott geben weil sie sich selber Gott gegeben haben.

Das, was wir eben aus dem Leben der hl. Familie gehört haben regt uns als Eltern, als Vater und Mutter an zu fragen, wie sich denn unsere Gottverbundenheit manifestiert; wie ernst wir es damit meinen; welche Zeichen wir dafür setzen; welche Kontinuität sie in unserem Leben hat. Wo sie sich in herausragenden Zeichenhandlungen niederschlägt und wo sie in alltäglichen Gesten aufleuchtet.

Wo diese Gottverbundenheit nicht da ist dürfen wir uns nicht wundern, dass die Gottlosigkeit sich einstellt mit allen Konsequenzen, die ein gottloses Leben hervorbringt. Ein schlechter Baum bringt tatsächlich nur schlechte Früchte – das hat schon Jesus erkannt – und vielleicht hat er dabei an die religiöse Erziehung seiner Eltern gedacht.
Wir können an der hl. Familie ablesen, dass Frömmigkeit Eintracht mit Gott bedeutet. Diese Eintracht mit Gott ist aber unbedingt nötig für die Eintracht untereinander. Frömmigkeit und Eintracht hängen notwendig zusammen und bedingen einander. Wo eines fehlt, fehlt auch das andere!

Christliches Familienleben ist berufen, ein Strom der Frömmigkeit und der Eintracht zu sein. Dieser Strom entspringt bei Gott und fließt wieder zu ihm hin. Beten und leben wir so, dass unsere Familien sich wieder mehr und mehr von diesem Strom mitreißen lassen! Amen!

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