Freitag, Dezember 19, 2008

Gottes Entgegenkommen


+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 1:26 – 38



26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret

27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.

31 Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.

32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.

33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?

35 Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.

36 Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.

37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.

38 Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.



„Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.“ (Lk 1:31)

Mit dieser Botschaft des Engels aus dem heutigen Evangelium beginnt etwas Neues. Die Zeit des Advents wird um eine Dimension erweitert.
Bisher wurden wir gefordert:
Wir wurden ermahnt, wachsam zu sein, damit der Herr uns bei seinem Kommen nicht schlafend findet.
Wir wurden aufgefordert, dem Herrn den Weg zu bereiten und ihm die Straßen zu ebnen.
Wir wurden eingeladen: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Bereitet Euer Herz zum Tempel.
So haben wir uns denn auf den Weg gemacht nach Bethlehem;
sei es der Weg zur Rorate in der Morgenfrühe, oder der Weg an das Krankenbett eines Verwandten oder Bekannten, oder der Weg von Geschäft zu Geschäft auf der Suche nach einem ganz bestimmten Geschenk für einen bestimmten Menschen.
Sei es der Weg zur stillen Runde um den Adventkranz.
So suchten wir in diesen Tagen den Herausforderungen des Evangeliums zu entsprechen.

Heute nun treten wir mit dem 4. Adventsonntag in eine zweite, intensivere Phase des Advents ein; beim Blindekuhspiel wird es wärmer und wärmer – ehe es zu Weihnachten ganz heiß wird, indem wir das Kind in Krippe ertasten.
Und im Evangelium wird diese wärmere Phase dadurch ausgedrückt, dass sich nun auch Gott von der Stelle rührt.

Es mag bisher den Eindruck erweckt haben, als seien nur wir auf dem Weg zu einem Gott, der uns gemütlich in seinem Thronsessel erwartet.
Im Gegenteil: Wir gehen einem Gott entgegen, der seinerseits uns entgegenkommt! Und nicht nur in der Weise, dass er uns seine Engel schickt, wie es das Evangelium anfangs nahe legen könnte; nein – er macht sich selber auf den Weg nach Bethlehem, indem er in den Schoß einer Jungfrau herabsteigt, und dort Mensch wird.
Das ist die große Botschaft der schlichten Geschichte des heutigen Evangeliums, das ist die strahlende Mitte unserer christlichen Religion, das sie von allen anderen Religionen unterscheidet und sie alle in den Schatten stellt: Dass Gott uns als Mensch entgegenkommen, dass er uns im Menschen Jesus von Nazaret begegnen möchte.

Gott ist zwar immer schon ein entgegenkommender Gott gewesen; ja, indem er den Menschen aus Nichts geschaffen hat, ist er grundsätzlich ein Gott, der dem Menschen entgegen kommt, indem er ihm das Leben schenkt und ihn im Leben erhält.
Auch in der Geschichte seines Volkes ist Gott dieser seiner Art treu geblieben. Denken wir an das Ereignis auf dem Berg Sinai: Das Volk kam zu diesem heiligen Berg und Gott stieg auf den Berg herab;
oder an den Tempel, den Salomon in Jerusalem erbaut hat: auch da ließ sich die Herrlichkeit Gottes auf diesen Ort nieder und heiligte ihn.

In beiden Ereignissen des Ersten Bundes können wir so Vorausbilder sehen für das, was jetzt im Advent geschieht und sich zu Weihnachten vollendet: Gott und Mensch auf dem Weg zueinander um sich zu begegnen!

Das will uns Mut machen! Denn es wird klar: Nicht nur uns liegt an der Begegnung mit Gott; noch viel mehr liegt Gott an der Begegnung mit uns! Und wie sehr ihm daran liegt erkennen wir daran, dass er Propheten gerufen hat, damit sie sein Volk hinführen zu ihm und es vorbereiten auf den Herrn: Immer wieder hat er den Menschen seinen Bund angeboten und sie durch die Propheten gelehrt, das Heil zu erwarten (vgl. IV. Hochgebet): Jesaja und Johannes der Täufer, zwei von ihnen, haben uns besonders intensiv durch diesen Advent geführt. An diesen Männern wird deutlich, wie sehr Gott uns gleichsam von allen Seiten umschließt, damit wir ihn ja nicht verfehlen und er uns mit seinen Gaben beschenken kann (vgl. Ps 139: 5)

Beim Propheten Jesaja ruft Gott gar aus: „Hört auf mich, ihr vom Haus Jakob, und ihr alle, die vom Haus Israel noch übrig sind, die mir aufgebürdet sind vom Mutterleib an, die von mir getragen wurden, seit sie den Schoß ihrer Mutter verließen. Ich bleibe derselbe, so alt ihr auch werdet, bis ihr grau werdet, will ich euch tragen. Ich habe es getan und ich werde euch weiterhin tragen, ich werde euch schleppen und retten. Mit wem wollt ihr mich vergleichen, neben wen mich stellen? An wem wollt ihr mich messen, um zu sehen, ob wir uns gleichen?“ (Jes 46:3-5) Es gibt tatsächlich keinen Gott, der sich so sehr um sein Volk kümmert, wie Jahwe um Israel. Und diese Sorge Gottes um sein Volk weitet sich im 2. Bund dann aus auf alle Menschen.

Wahrlich – an Gott kann es nicht liegen, wenn die Begegnung mit ihm nicht stattfindet!

Wie sehr diese Begegnung gelingen kann, wird uns in der Jungfrau Maria gezeigt. Voll der Gnade ist sie bereit, Gott ihren Leib zu schenken, dass er davon nehme und Mensch werde. Bedenken wir dieses „Voll der Gnade!“
Es heißt bereit, offen, wach sein für die Begegnung mit dem Herrn: In der Stunde, die er sich aussucht und an dem Ort, den er sich erwählt.
Es heißt im Gespräch mit ihm seinen Willen zu ergründen, soweit das Menschen möglich ist – nicht aus Skepsis, misstrauisch und widerwillig sondern voll Vertrauen und begierig, mit um so größerer Hingabe seinen Willen zu tun, je mehr er uns davon verstehen lässt.
Voll der Gnade sein heißt schließlich, sich ganz dem Herrn zur Verfügung zu stellen: Mit Leib und Seele, mit Haut und Haar, in Zeit und Ewigkeit. Amen!

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