Samstag, November 29, 2008

Seid wachsam!


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus 13: 33 – 37



In jener Zeit, sprach Jesus zu seinen Jüngern:



33 Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.



34 Es ist wie mit einem Mann, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen: Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern, jedem eine bestimmte Aufgabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.



35 Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.



36 Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen.



37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!



„Seid wachsam!“ (Mk 13:37) Eindringlich mahnend dringt dieser Ruf im Evangelium an unser Ohr. Als ob wir Gefahr laufen einzuschlafen und nicht wach zu sein, wenn der Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommt.
Mit diesem Einschlafen ist nicht ein Schlaf zu verstehen, aus dem man ohne weiteres geweckt werden könnte.
Dieses Schlafen ist die Unfähigkeit, den Herrn einzulassen, willkommen zu heißen und aufzunehmen, wenn er kommt.
Dieses Schlafen ist eine Verschlossenheit und eine Blindheit für den Herrn, die man tragischerweise überhaupt nicht als solche erkennt. Es ist kein gesunder Schlaf zu erneuertem Leben sondern ein krankhafter Schlaf zum Tode.
Von diesem Schlaf sind die 5 törichten Jungfrauen befangen, die für die Begegnung mit dem Bräutigam zwar ihre Lampen mitgenommen haben aber kein Öl (vgl. Mt 25:3).
Oder jener Pharisäer, der mit trauriger Betroffenheit erkennen muss, dass er wohl kein Betrüger, kein Räuber und kein Ehebrecher ist; dass er zudem „zweimal in der Woche fastet und dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens gibt“ – und dennoch nicht als Gerechter vom Gebet im Tempel nach Hause zurückkehrt (Lk 18:9-14).

Jesus gibt uns neben der eindringlichen Mahnung zur Wachsamkeit auch Mittel zum Wachbleiben. Arznei gegen das Einschlafen! Muntermacher!
Zuerst einmal, indem er uns den vor Augen hält, den wir wachend erwarten sollen oder der uns wachend antreffen möchte, wenn er kommt: „Den Menschensohn“ – mit dem Jesus im Evangelium sich selber meint!
Es ist zweifelsohne leichter wach zu bleiben, wenn ich weiß, wen ich zu erwarten habe und wer mich wachend antreffen möchte bei seinem Kommen.
Und es ist das Wachbleiben doppelt leicht, wenn ich zu dem Erwarteten eine positive, liebende Beziehung habe. Wenn ich mir von der Begegnung mit ihm Gutes, Beglückendes, Positives für mein Leben erwarte.
Das Warten wird zudem spannend gemacht, da der Zeitpunkt für das Kommen des Herrn in „großer Macht und Herrlichkeit“ unbekannt ist. Es kann jederzeit sein; darum ist auch eine jederzeitige Wachsamkeit angesagt.
Das wachsame Erwarten ist kein bloße Passivität; der Hausherr hat seinen Dienern nämlich „alle Verantwortung übertragen; jedem gibt er eine bestimmte Aufgabe;“ (Mk 13:34) Dieses Wachsein ist alles andere als bloß ein untätiges „Die Hände in den Schoß legen.“
Dieses Wachsein ist vor allem anderen ein wachendes Beten; wobei gerade dieses Beten je und je ein Aufwachen ist; ein „Aufgeweckt werden“ zu einem verschärften Wahrnehmen des kommenden Herrn!
Im Wahrnehmen der anvertrauten Verantwortung und der übertragenen Aufgabe gleicht das Wachsein einem strebenden Suchen nach dem Herrn. Wachsamkeit bedeutet, dem Herrn aufmerksam suchend entgegenzugehen.
Der Advent ein Aufeinanderzugehen von Gott und Mensch. Der Herr, der Sehnsucht hat nach dem IHN wachend erwartenden Menschen und der Mensch, der Sehnsucht hat nach dem ihm entgegenkommenden Gott!
In der ersten Lesung kommt diese Sehnsucht des Menschen nach Gott ja so deutlich zum Ausdruck: „Kehre zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Eigentum sind.
Reiß doch den Himmel auf und komm herab, sodass die Berge zittern vor dir. Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen, kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen, dass es einen Gott gibt außer dir, der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen.“ (Jes 63:17.19b;64:3)
Um Gott so erwarten zu können bedarf es einer Begabung, von der Paulus in der 2. Lesung schreibt, wenn er von der Gnade Gottes spricht, „ die euch in Christus Jesus geschenkt wurde, dass ihr an allem reich geworden seid in ihm, an aller Rede und aller Erkenntnis.“ (1 Kor 1:4f.) „es fehlt euch keine Gnadengabe, während ihr auf die Offenbarung Jesu Christi, unseres Herrn, wartet.“ (1 Kor 1:7)
Zu diesen Gnadengaben gehört zweifellos alles, was uns an geistlichen und materiellen Gaben geschenkt ist; diese Gaben werden durch die Dankbarkeit zu einer starken Verbundenheit mit dem Herrn.
Es gehört zu diesen Gnadengaben und zu dieser Erkenntnis aber auch die Einsicht in unsere Schuld, in unser Versagen, in unsere Verweigerung dem Herrn gegenüber. Darum das Eingeständnis in der 1. Lesung: „Wir haben gegen dich gesündigt, von Urzeit an sind wir treulos geworden. Wie unreine Menschen sind wir alle geworden, unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein schmutziges Kleid. Wie Laub sind wir alle verwelkt, unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind. Niemand ruft deinen Namen an, keiner rafft sich dazu auf, fest zu halten an dir.“ (Jes 64:4ff.)
Die Wachsamkeit für den kommenden Herrn hat eine bestimmte Gestalt: Sie bedeutet Achtsamkeit auf die uns anvertraute Verantwortung in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht – darin sind wir dem Herrn ähnlich und so für ihn wach und offen.
Sie bedeutet Achtsamkeit auf die Gaben Gottes an uns, damit uns die Dankbarkeit dafür öffne und hinwende zum Herrn.
Sie bedeutet Achtsamkeit auf unsere Armseligkeit und unsere Schuld, damit wir uns in ihr öffnen und ausstrecken hin zum Herrn!
„Seid wachsam!“ können wir also übersetzen mit: „Nehmt eure Verantwortung wahr! Erfüllt eure Aufgaben! Seid dankbar! Lasst euch erlösen!“ Es ist eine Haltung, die uns mitten in Licht und Dunkel des Lebens auf den Herrn ausrichtet! Amen!

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