Freitag, November 21, 2008

Hirte sein, wie es recht ist ...


Lesung aus dem Buch Ezechiel 34:11-12.15-17


11 So spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern.

12 Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben.

15 Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen - Spruch Gottes, des Herrn.

16 Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.

17 Ihr aber, meine Herde - so spricht Gott, der Herr -, ich sorge für Recht zwischen Schafen und Schafen, zwischen Widdern und Böcken.



„Israel soll sich über seinen Schöpfer freuen, die Kinder Zions über ihren König jauchzen. Seinen Namen sollen sie loben beim Reigentanz, ihm spielen auf Pauken und Harfen.“ (Ps 149: 2-3)

Wenn sich Könige in der Öffentlichkeit zeigen, ist dies mit einem großen Auflauf verbunden. Die Leute wollen ihren König sehen; sie erfreuen sich an der Pracht, die dabei entfaltet wird. Sie sind in der Regel stolz auf ihren König. Die Medien sind zahlreich vertreten und übermitteln dieses Ereignis in alle Welt. Der König muss dabei gar nichts Besonderes tun: Einfach da sein, sich würdevoll geben und den Leuten freundlich zuwinken – das genügt schon!

Wenn sich heute Christus als unseren König zeigt, dann haben wir Christen noch viel mehr Grund, dass wir uns in Freude und Dankbarkeit versammeln; dazu bewegen uns allerdings nicht prachtvolle Kleidung und höfischer Pomp. Hören wir auf die Lesungen des heutigen Tages; sie geben den Grund an für unsere Freude über Christus, den König; sie sagen uns nämlich in welcher Weise Christus König ist.

In der 1. Lesung begegnet uns Christus in der Gestalt des guten Hirten. In der 2. Lesung als der Sieger über den Tod und im Evangelium als der Richter am Ende der Zeit.

In allen drei Weisen gibt Christus uns eine Antwort auf das, was uns bewegt:
Als guter Hirt fängt er uns auf in jeder Not und gibt uns, was wir zum Leben brauchen.
Als Sieger über den Tod gibt er uns Anteil an seinem Sieg und nimmt uns die Angst vor dem Tod.
Als Richter am Ende der Zeit gibt er unserem Tun und Lassen hier auf Erden Richtung, Ziel und Ewigkeitswert. Wir erleben den Herrn als einen, der für Zeit und Ewigkeit um unser Heil besorgt ist – darin besteht sein königliches Wirken! Deshalb ist er unser König. Denn “der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Mt 20:28) Er ist König zu unserem Heil – in diesem Sinne zutiefst: unser König! Denn die Macht, die er ausübt, dient unserer Befreiung, unserer Erlösung, unserer Heilung, unserer Heiligung.
Und Christus ist König zur Ehre Gottes des Vaters! „Darum übergibt er die Herrschaft Gott, dem Vater, wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft vernichtet hat.“ (1 Kor 15:24) „Damit schließlich Gott herrscht über alles und in allem.“ (1 Kor 15:28)

Das Königsein Christi bedeutet ein Herrsein über alle Mächte und Gewalten. Wenn wir nun bedenken und am eigenen Leib erfahren, welche Mächte heute in unserer Welt und Zeit am Werk sind – dann können wir erahnen, was es heißt, dass es da in Christus einen gibt, der auch diese Gewalten samt und sonders bändigen und überwinden kann;
und was es heißt, dass gerade dieser Christus einer ist, der uns liebt und zu dem wir mit aller Unfreiheit, mit aller Unterdrückung, mit aller Krankheit kommen dürfen.
Er möchte, dass wir seine unbegrenzte Macht mit unbegrenztem Vertrauen beantworten. Dann brauchen wir in finsterer Schlucht kein Unheil zu fürchten; denn der Herr ist bei uns, sein Stock und sein Stab geben uns Zuversicht. (vgl. Ps 23:4) Das heutige Fest will uns dazu bewegen, dass wir erneut sämtlichen Herren und Mächten abschwören, um unser ganzes Vertrauen auf ihn zu werfen und uns ganz seiner göttlichen Macht anzuvertrauen. Mit Josua möchte ich euch heute zurufen: „Schafft also jetzt die fremden Götter ab, die noch bei euch sind, und neigt eure Herzen dem Herrn zu!“ (Jos 24:23)

Meine Freunde! Wie glücklich können wir uns doch preisen, so einen König zu haben; wie dankbar müssen wir Gott doch sein, dass er uns in Christus so einen Herren geschenkt hat. Unsere Dankbarkeit wird noch vertieft, wenn wir bedenken, dass Christus unser König bei uns bleibt und sein königliches Wirken fortsetzt in der Kirche hier auf Erden:

Die Seelsorger sind seine Stellvertreter,
das Evangelium ist sein Wort,
die Eucharistie ist sein Leib,
die hl. Messe ist Gedächtnis seines Sterbens und Auferstehens,
die Sakramente sind seine beschenkende, heilende, befreiende, machtvolle Gegenwart.

Die Kirche feiert heute in Christus ihren eigenen göttlichen, machtvollen Ursprung;
sie feiert den, der sie als ihr Haupt mit königlicher Würde ziert.
Sie feiert den, der sie nach seinem Vorbild zum königlichen Heilsdienst in der Welt beruft und befähigt.

Schwestern und Brüder! Wir können Christus nicht als unseren König feiern ohne dass wir uns zugleich unserer eigenen königlichen Würde besinnen, die der Herr uns in der Taufe geschenkt hat. Das heißt Besinnung auf unsere Freiheit;
Besinnung auf unsere Berufung;
Besinnung auf das Ziel unseres Lebens.

Das bedeutet:
dass wir Jesus folgen, da wir ihn den Weg nennen;
dass wir auf ihn schauen, da wir ihn das Licht nennen;
dass wir auf ihn hören, da wir ihn den Meister nennen;
dass wir ihm dienen, da wir ihn den Herrn nennen;
dass wir ihm glauben, da wir ihn die Wahrheit nennen;

Das ist ein königliches Leben, das Christus entspricht – den wir mit Recht als unseren König verehren. Er bewahre uns immer in der Freiheit zu einem solchen Leben zur Ehre Gottes des Vaters! Amen!

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