Samstag, November 08, 2008

Grundstein ist Christus Jesus!


Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther 3

9 Ihr seid Gottes Bau.

10 Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut.

11 Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus.

16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

17 Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.



Am Kirchweihfest gedenken wir der Weihe jener Kirche, zu der wir als Mitglieder einer Pfarre oder einer religiösen Gemeinschaft gehören. Wir danken dabei für einen Kirchenbau, dessen Wert darin besteht, dass wir in diesem Raum die Geheimnisse unseres Glaubens feiern; dass wir in diesem Raum unserer besonderen Beziehung zu Gott und zueinander bewusst werden.
Wir sind mit diesem Bauwerk durch Jahre und Jahrzehnte hindurch verbunden, haben darin gebetet und gesungen, gebittet und gedankt, gesucht und gefunden. Es sind persönliche Bande, die uns mit der Kirche verbinden, deren Weihefest wir feiern.

Heute sollen wir aber das Weihefest der Lateranbasilika begehen – einer Kirche die sich an die 800 km von uns entfernt in Rom befindet; in der vielleicht erst wenige von uns drinnen waren. Ich habe diese Kirche auch noch nicht besucht. Zu der wohl niemand von uns eine persönliche Beziehung hat. Wo soll da die Festfreude herkommen, wo die Dankbarkeit?

Erschließt uns womöglich der Titel dieser Kirche einen Zugang zu herzlicher Festfreude? „Mutter und Haupt aller Kirchen Roms und des Erdkreises“ heißt sie. Können wir mit der Erhabenheit dieses Namens noch was anfangen? Was will dieser Titel uns heute sagen, dass wir in Freude erbeben und in Ehrfurcht erschauern?

Wenn wir „Mutter“ hören – sind wir etwa dann ihre Kinder? Aber in welcher Weise?
Und wenn wir „Haupt“ hören – sind wir dann etwa ihre Glieder? Aber in welcher Form?

Wenn ich nun anfüge, dass sie sozusagen die Hauskirche des Papstes ist, kommen wir dem Geheimnis des heutigen Festes schon näher. Der Papst ist ja der, dem die Sorge für die katholische Kirche weltweit auf besondere, hervorragende, einmalige Weise aufgetragen ist. In dieser Sorge ist es Nachfolger des Apostels Petrus und Stellvertreter Christi. Der Papst ist in dieser Hinsicht oberster Hirt der Kirche; er ist Diener der Diener Gottes. Mutter – Hirt – Diener: Diese Begriffe haben alle zu tun mit Leben: Leben gebären, Leben behüten, Leben fördern, Leben erhalten, Leben zur Vollendung führen.

Es geht hier um jenes Leben, das Jesus Christus durch sein Evangelium in diese Welt gebracht hat.

Es ist das Leben in der Gnade,
das Leben aus dem Glauben,
das Leben in der Nachfolge und in der Verbundenheit mit Jesus, der selber dieses Leben gibt und dieses Leben ist.

Dieses Leben hat die Kirche erbaut, deren Weihefest wir heute begehen; in diesem Leben wird auch die Lateranbasilika zu einem Symbol für die Kirche, die aus lebendigen Steinen besteht und die ganze Welt umfasst.
Jesus, den wir in den Gemäuern aus vielen verschiedenartigen Steinen feiern, will uns zu einem Haus aus lebendigen Steinen machen, dem er den Namen „Kirche“ gibt und von der es heißen soll: Ihr seid Gottes Bau; ihr seid Gottes Tempel; der Geist Gottes wohnt in euch.

Wir wissen jedoch, dass dies leider noch nicht vollkommene Wirklichkeit ist und dass der Herr auch bei uns immer wieder Tempelreinigung machen muss, weil in diesem Bau Gottes Dinge passieren, die mit Gott nichts zu tun haben.

So will die ferne Lateranbasilika unseren Horizont weiten und uns bewusst machen, dass wir katholische Kirche sind: das heißt weltweit, allumfassend, für alle offen.
Dass wir auf einem Grundstein stehen, der Jesus Christus ist.
Dass wir einen Hirten haben in demselben Jesus Christus – sichtbar dargestellt und vertreten im Bischof von Rom.
Dass wir eine Mitte haben in eben demselben Jesus Christus, von dem her wir lebendige Steine einer lebendigen Kirche sind; von dem her wir immer wieder Befreiung, Läuterung, Erleuchtung und Wegweisung finden – weil er unser Erlöser und Heiland ist, Weg Wahrheit und Leben in Ewigkeit!

Was gibt es Schöneres, als lebendiger Stein im Gefüge dieser Kirche sein zu dürfen, lebendiges Glied an diesem Leib, der immerfort geheiligt wird durch Christus? Gibt es einen tieferen Anlass zur Freude, einen tieferen Grund zur Dankbarkeit?

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