Samstag, Oktober 04, 2008

Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen!


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 21: 33 – 44

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes:

33 Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land.

34 Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen.

35 Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie.

36 Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso.

37 Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.

38 Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben.

39 Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.

40 Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun?

41 Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.

42 Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder?

44 Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen.

43 Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.




Eine sehr unvernünftige Geschichte, die Jesus uns da erzählt. Die Unvernunft kommt daher, dass die beiden Protagonisten der Geschichte – der Gutsbesitzer und die Pächter – blind sind. Dabei könnten die Ursachen dieser Blindheit unterschiedlicher nicht sein.

Da ist einmal die Blindheit des Gutsbesitzers:
Ich meine, wenn die ersten Knechte, die ich schicke, geprügelt, umgebracht und gesteinigt werden, dann schicke ich auf keinen Fall weitere Knechte und schon gar nicht meinen Sohn zu diesen Winzern. Vielmehr ziehe ich sofort die Konsequenzen, nehme ihnen den Weinberg und bestrafe sie. So würde wohl jeder von uns handeln.

Nicht aber der Gutsbesitzer im Evangelium. Er schickt weitere Knechte und schließlich gar seinen Sohn – den mit der ausdrücklichen Hoffnung, dass sie wenigstens vor dem Achtung haben werden, weil er eben sein Sohn ist!

Was bewegt den Gutsherren zu seinem Verhalten: Die Hoffnung, dass die Winzer schließlich doch einsichtig werden und ihm den Anteil aushändigen, der ihm laut Pachtvertrag zusteht. Der Gutsbesitzer handelt aus einer unbegreiflichen Langmut heraus. Zu dieser Langmut bewegt ihn die Erwartung, dass die Pächter schließlich doch zur Einsicht kommen, den Anteil an den Früchten abliefern, so den Pachtvertrag erfüllen und der Bestrafung entgehen, die sich zusammenbraut. Der Gutsherr schaut weniger auf den Pachtzins, weniger auf seine Knechte, weniger auf seinen Sohn – er schaut vor allem auf die Pächter, die jedoch dieser Achtsamkeit überhaupt nicht verdienen, sie nicht einmal bemerken und sich darum auch nicht dankbar erweisen dafür. Wir können sagen, der Gutsbesitzer ist blind aus Liebe – aus Liebe zu den Pächtern.

Es ist leicht, aus dem Verhalten des Gutsbesitzers das Umgehen Gottes mit seinem Volk Israel herauszulesen – und genau das möchte Jesus seinen Zuhörern vermitteln: Gott ist in der Langmut mit seinem Volk menschlich unbegreiflich. Trotz aller Sünden des Volkes erwartet er beständig dessen Umkehr. Ja, seine Liebe zum Volk scheint mit dessen Vergehen zu wachsen – so sehr, dass er schließlich seinen Sohn sendet, als letzte Chance für sie. Aber auch die schlagen sie aus, indem sie auch den Sohn umbringen. Und warum bringen sie ihn um?

Weil auch die Pächter blind sind.
Warum nun sind sie blind? Die Reaktion auf die Sendung des Sohnes entlarvt ihr Verhalten: „Das ist der Erbe. Auf wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben!“ Die Habsucht macht sie blind! Andernfalls kann man nicht so kurzsichtig und blöd agieren. Ich meine, wenn ich von jemandem Anteil an seinem Erbe bekommen will, dann gehe ich besonders aufmerksam und liebevoll mit ihm um: Dann hätten sie erstens gleich den Anteil des Gutsbesitzers abgeliefert und noch was drauf gegeben als Geschenk und schließlich hätten sie den Sohn bis zum äußersten hofiert. Aber nichts von all dem!

Dabei hat der Gutsbesitzer nichts gefordert, was ihnen gehört. Ihr Anteil am Ertrag des Weinberges blieb unangetastet. Er forderte bloß seinen Anteil – das, was ihm rechtens zusteht.

Schauen wir nun auf uns selber und fragen wir uns: Wie schaut der Weinberg aus, denn Gott ganz liebevoll angelegt und dann uns gegeben hat?
Wie könnte der Anteil ausschauen, der Gott zusteht und den er zu Recht von uns einfordert?
Ist mir die Langmut und die Geduld bewusst, mit der Gott mich behandelt und mit der er trotz meiner Verweigerung nicht müde wird im Bestreben, die Früchte unseres gemeinsamen Weinberges mit mir zu genießen?
Ist mir klar, dass auch ich schließlich einmal verantworten werde müssen, was ich Gott verweigert habe?

Welche Art von Habgier besetzt mich und macht mich blind für die berechtigten Forderungen Gottes? Macht mich blind dafür, dass der Weinberg nicht mir sondern Gott gehört und dass ich nicht Besitzer sondern Mitarbeiter im Weinberg bin?

Stellen wir uns diesen Fragen und stellen wir uns mit ihnen vor jenen Gott, der wegnehmen kann, was unser Gewissen belastet und der uns jenen Frieden schenkt, den nur seine Barmherzigkeit uns geben kann. Amen!

1 Kommentar:

Freiwirtschaftler hat gesagt…

Gerechtigkeit

In Matthäus_21,33-39 (Original: NHC II,2,65) geht es um das bis heute fehlerhafte Bodenrecht und nicht um "gute" oder "böse" Winzer. Die Ungerechtigkeit besteht darin, dass der Grundbesitzer ein leistungsloses Einkommen (private Bodenrente) von den Winzern erpresst, dass er also auf deren Kosten existiert, was am Ende dazu führt, dass die Winzer den Sohn (den zukünftigen Erben) des Grundbesitzers töten.

Dazu empfehle ich zunächst den folgenden Grundlagentext:

Freiland – die eherne Forderung des Friedens

Die zweite Ursache – und mittlerweile Hauptursache – leistungsloser Einkommen auf Kosten der Mehrarbeit anderer ist ein bis heute fehlerhaftes Geld:

Die Rückkehr ins Paradies