Freitag, Oktober 10, 2008

Stark sein durch Jesus!


Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper 4:12-14.19-20

Brüder!

12 Ich weiß, Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: In Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung.

13 Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt.

14 Trotzdem habt ihr recht daran getan, an meiner Bedrängnis teilzunehmen.

19 Mein Gott aber wird euch durch Christus Jesus alles, was ihr nötig habt, aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken.

20 Unserem Gott und Vater sei die Ehre in alle Ewigkeit! Amen.



„Alles vermag ich durch den, der mir Kraft gibt!“ (Phil 4:13)
Das ist kein Werbeslogan von einem Kraftriegel oder einem Energydrink oder von einem SuperBigMac. Wer aufgepasst hat, weiß: das sind die Worte des Apostel Paulus aus der zweiten Lesung vorhin. Und mit diesen Worten will er uns ganz einfach sagen, wer ihm die Kraft gibt für seinen Dienst, für seine Arbeit, für sein Apostolat. Dabei ist seine Tätigkeit noch dürftig beschrieben, wenn er sagt: „In jedes und alles bin ich eingeweiht: In Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung!“ (Phil 4:12)

An anderer Stelle holt er weiter aus: „Ich ertrug Mühsal, war im Gefängnis, wurde geschlagen, war oft in Todesgefahr. Fünfmal erhielt ich von Juden die neununddreißig Hiebe; dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See. Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer, gefährdet durch falsche Brüder. Ich erduldete Mühsal und Plage, durchwachte viele Nächte, ertrug Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße. Um von allem andern zu schweigen, weise ich noch auf den täglichen Andrang zu mir und die Sorge für alle Gemeinden hin. Wer leidet unter seiner Schwachheit, ohne dass ich mit ihm leide? Wer kommt zu Fall, ohne dass ich von Sorge verzehrt werde?“ (2 Kor 11:23-29)
Nun verstehen wir schon, dass für solchen Einsatz der Bountyriegel oder das Isostar aus dem nächsten Supermarkt als Energiequelle zu wenig ist. Da konnte nur der die Kraft dazu geben, der ihn zu diesem Werk als erlesenes Werkzeug erwählt hat; (vgl. Apg 9:15) der, dem er vor den Toren von Damaskus begegnet ist: Jesus Christus! Im Namen Jesu hat Paulus das alles erlebt, das alles auf sich genommen, das alles überlebt.

Der Apostel lenkt durch sein Wort unsere Aufmerksamkeit auf die Energiequellen unseres Lebens; auf das, woraus wir Kraft schöpfen für die Bewältigung unseres Lebens.
Was wird uns da wohl alles in den Sinn kommen an Speisen, an Medikamenten, an Kursen, an Übungen, an Materialien aus Metallen, Steinen und Hölzern verschiedener Art?
Man möge mir verzeihen, aber ich muss an dieser Stelle an das goldene Kalb und an die Götzen denken, die sich das Volk Israel aus Metall und Steinen und Holz gemacht hat;
und weiter muss ich denken, wie sehr Gott sein Volk vor diesen Götzen, diesem Machwerk aus Menschenhand, gewarnt hat;
und schließlich muss ich daran denken, wie die Anhänglichkeit an diese Götzen das Volk in die Katastrophe der babylonischen Gefangenschaft geführt hat. Denn die Verehrung dieser Götzen bedeutete zugleich die Abkehr von Jahwe, dem einen und wahren Gott, der allein seinem Volk das Leben schenken und erhalten konnte – wie sich erwiesen hat in der Zeit seiner Väter: in der Zeit Abrahams, Jakobs und Isaaks;

Vor allem hat sich Gott als der wahre Kraftquell erwiesen in der Befreiung seines Volkes aus der Gefangenschaft Ägyptens, auf dem langen Weg durch die Wüste und indem er seinem Volk schließlich das verheißene Land schenkte mit großen und schönen Städte, die es nicht gebaut hatte, mit Gütern gefüllte Häuser, die es nicht gefüllt hatte, in den Felsen gehauene Zisternen, die es nicht gehauen hatte, Weinberge und Ölbäume, die es nicht gepflanzt hatte. (vgl. Deut 6:10f)
Aber kehren wir zurück zu unseren Kraftquellen – womöglich taucht da unter anderem auch einmal Jesus auf; und zu dem gehen wir dann jeden Sonntag Kraft tanken, denn man weiß ja nie: Hilft er nicht so schadet er nicht! Und wir sind ja heute so vif, dass wir alle sich bietenden Möglichkeiten ausnützen, um Kraft zu gewinnen und Energie zu schöpfen; der Markt bietet eine Überfülle davon an. Ein buntes Patchwork an wirklichen und vermeintlichen Energieträgern sammelt sich so an.
Wisst ihr, wie mir das vorkommt: Geradeso, als möchte man ein großes Mühlrad dadurch in Bewegung bringen, dass man einmal hier ein Wässerlein und einmal dort ein Wässerlein und an einer weiteren Stelle ein drittes Wässerlein auf das Rad fließen lässt und so weiter – und dann wundern wir uns, dass sich nichts rührt! Deppen sind wir!
Das Mühlrad wird sich nur dann bewegen, wenn wir einen Wasserstrahl gezielt auf die immer gleiche Stelle hin fließen lassen.

Nun hat aber Gott durch Jesus Christus seinen ganzen Gnadenstrom auf uns Menschen gerichtet, dass wir von ihm getroffen, von ihm durch und durch getränkt, von ihm zuinnerst bewegt neue Menschen würden – Menschen seiner Gnade, Menschen erfüllt von seinem Geist, Menschen, die Jesus nachfolgen – wie Paulus; und die so wie Paulus alles vermögen. Menschen, die erkannt haben, was Jesus bei Johannes sagt: „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh 15:5)

Mein lieben Freunde: Das Festmahl, von dem Jesaja in der ersten Lesung spricht sehen wir vorausgebildet im verheißenen Land, in das Israel eingezogen ist, um es in Besitz zu nehmen;
Seine tiefste Erfüllung findet dieses Vorausbild und das Wort des Propheten jedoch im eucharistischen Mahl, bei dem uns jenes Brot gereicht wird, von dem der Herr selber sagt: „Mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. ... Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ (Joh 6:32-35)

Wozu sollen wir noch die Äcker unserer Gottvergessenheit bestellen und was stehen wir noch in den Läden des Götzendienstes herum und geben uns ab mit billigem Ramsch dieser Welt? Wo doch der Herr auf uns wartet, der die Tränen von jedem Gesicht abwischt, der den Tod für immer beseitigt.
So begreifen wir doch endlich, dass wir seit unserer Taufe mit dem Hochzeitsgewand der Gotteskindschaft bekleidet sind und laufen wir doch endlich unserem Gott und Vater in die Arme, der uns einlädt zum Hochzeitsmahl seines Sohnes, der immer schon auf uns wartet und dem die Ehre sei in alle Ewigkeit! Amen!

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