Donnerstag, Oktober 23, 2008

Gott aus ganzem Herzen, den Nächsten wie dich selbst!


Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 22: 34 – 40

34 Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum
Schweigen gebracht hatte, kamen sie (bei ihm) zusammen.

35 Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe
stellen und fragte ihn:

36 Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?

37 Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit
ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.

38 Das ist das wichtigste und erste Gebot.

39 Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten
lieben wie dich selbst.

40 An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den
Propheten.




„Nur einer ist euer Lehrer, Christus.“ (Mt 23:10)

An das heutige Evangelium werde ich erinnert, wenn bei einem Abschied der Wunsch geäußert wird: ... „und gesund bleiben; das ist das Wichtigste!“ Ich denke mir dann: das ist wohl sehr wichtig; aber das Wichtigste ist, Gott zu lieben mit ganzem Herzen und den Nächsten wie dich selbst. Je nach Befindlichkeit meines Gesprächspartners mache ich dann eine Bemerkung in diese Richtung; denn man muss ja so aufpassen bei diesen Dingen, denn entweder meinen dann die Leute, man vergönne ihnen die Gesundheit nicht oder man halte sie für unfromm, unchristlich oder gar für gottlos.

Wenn ihr euch getraut, dann sagt nur einmal zu einem an Stelle von „Hauptsache: Gesund bleiben!“ „Hauptsache: Gott und den Nächsten lieben!“ Die Leute schauen euch an wie Wesen von einem anderen Stern! Als ob beides absolut nichts miteinander zu tun hätte. Und dabei ist beides doch so sehr miteinander verwoben!

Was ich damit meine wollen wir uns nun näher anschauen. Und wir wollen uns dabei von Jesus unterweisen lassen, denn nur einer ist unser Lehrer: Christus! Gerade in dieser wichtigen Frage wollen wir uns seine Lehre in Wort und Tat anschauen um unser Leben dann nach seinem bilden zu können.

Jesus wird also nach dem wichtigsten Gebot im Gesetzt befragt. Und er nennt als das größte und wichtigste Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.“ (Mt 22:37). Dann fügt er jedoch ein anderes hinzu: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22:39b) und stellt dieses dem ersten Gebot gleich. Mit dieser Zweigestalt des wichtigsten Gebotes bringt Jesus sein Leben auf den Punkt; Denn sein Leben besteht dermaßen aus Gottesdienst und Dienst an den Menschen, dass wir nicht sagen können: Was hat nun eigentlich den Vorrang?

Denn nach den Evangelien sehen wir Jesus vor allem bei den Menschen: Er hat mit ihnen Gemeinschaft; er isst und trinkt mit ihnen; er spricht mit ihnen; er streitet mit ihnen; er erzählt ihnen Geschichten; er heilt Kranke, weckt Tote auf und wirkt Wunder, um den Menschen das Leben zu erleichtern, er leidet unter ihnen und wird schließlich von ihnen getötet. Von der Krippe bis zum Kreuz ist Jesus unter Menschen. Und selbst nach seiner Auferstehung ändert sich nichts an diesem Verhalten Jesu: Er sammelt seine verstreuten Jünger um sich und bereitet sie auf den Empfang des hl. Geistes vor.

Unablässig ist er um die Menschen bemüht, sei es um seine Jünger, sei es um die Leute, die zu ihm kommen mit ihren Krankheiten und Leiden; sei es um seine Gegner, die mit ihm streiten und ihn beseitigen wollen. Keinen lässt er links liegen, keinen übergeht oder übersieht er; jeden nimmt er ernst. Jesus gibt ein überwältigendes Zeugnis von seiner Liebe zu den Menschen. Deshalb ist es kein Wunder, dass das Gebot der Nächstenliebe für ihn zum wichtigsten Gebot dazu gehört.

Wir sind versucht zu sagen, Jesus habe das Gebot, Gott zu lieben, völlig vernachlässigt. Denn die Stellen, in denen Jesus als Betender geschildert wird sind vergleichsweise dünn gesät. War Jesus etwa gar nur ein äußerst ideal gesinnter Altruist?

Wir finden eine Antwort auf diese Frage im Überblick über das alte Testament, die Bibel Jesu. Da erscheint Gott durchgehend als der, der sich mit seinem Volk auseinandersetzt, der sich um sein Volk kümmert, ihm hilft, es beschützt, es bestraft und wieder begnadigt. Angefangen bei der Erschaffung des Adam bis hin zu den Makkabäern – der Herr ist für sein Volk da! Er verausgabt sich in der Liebe zu seinem Volk!

Und genau diesen Gott stellt Jesus dar als seinen über alles geliebten Vater; als den wahren Gott Israels, als den Gott, der sein Äußerstes für sein Volk gibt: sich selber in der Menschengestalt des Jesus von Nazaret. Jesus ist der vollkommene Sohn, der tut, was er seinen Vater tun sieht: „Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, wenn er den Vater etwas tun sieht. Was nämlich der Vater tut, das tut in gleicher Weise der Sohn.“ (Joh 5:19).

Wir können also sagen: Jesus erfüllt seine Liebe zu Gott in der Liebe zu den Menschen. Er liebt Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit allen Gedanken indem er sein ganzes Herz, seine ganze Seele und alle seine Gedanken im Dienst an den Menschen einsetzt. Seinen Höhepunkt erreicht dieser Einsatz am Tiefpunkt seines Lebens: In seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Dass er so das wichtigste Gebot im Gesetz erfüllt hat – die Bestätigung dafür gibt Gott durch die Auferweckung Jesu und durch dessen Aufnahme in die Herrlichkeit des Himmels auf den Thron zu seiner Rechten.

Die Nächstenliebe ist die einzig legitime Auslegung der Gottesliebe! „Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott! , aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht.“ (1 Joh 4:20)

Seit Jesus ist das einzige Kriterium der Gottesliebe die Nächstenliebe. Das dürfen wir bei unserer praktisch christlichen Lebensgestaltung nicht vergessen. Und so wie Jesus in seiner Nächstenliebe seinen Vater im Himmel nachgeahmt hat sollen wir ihn nachahmen in der Liebe zu unseren Nächsten. In keiner Hinsicht möchte Jesus mehr unser Lehrer und Meister sein als in der Nächstenliebe. In keiner Hinsicht müssen wir mehr seine Schüler sein als in der Nächstenliebe.

Damit wir das schaffen ist die Verbundenheit mit ihm unablässig. Denn nur „wer in IHM bleibt und in wem ER bleibt, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von IHM können wir nichts vollbringen.“ (Joh 15:5) Diese Verbundenheit zu stärken geschieht im Gottesdienst und im Gebet. Und da wird uns dann klar, dass das Ziel unseres liturgischen und betenden Dienstes die Verherrlichung Gottes ist, die jedoch ihre Vollendung in der Nächstenliebe findet.

Jesu Vorbild befreit Gebet und Gottesdienst aus dem Gefängnis einer ichbezogenen Seelenkosmetik und befreit sie zur Vorbereitung auf die Nächstenliebe. Damit es auch in unserem Leben das wichtigste Gebot sei, den Herrn zu lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit allen Gedanken indem wir den Nächsten lieben, wie uns selbst.

Der Herr mache unser Lieben dem seinen immer ähnlicher! Amen!

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