Samstag, Oktober 18, 2008

Gebt Gott, was Gott gehört!


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 22: 15 – 21

In jener Zeit

15 kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen.

16 Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person.

17 Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?

18 Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle?

19 Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin.

20 Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das?

21 Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!



„Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person.“ Ein Lob der Wahrhaftigkeit, des Gehorsams und der Unparteilichkeit Jesu – möchte man meinen. Doch wir wissen bereits: Die Leute, die so reden, wollen Jesus eine Falle stellen, sie möchten ihn in seinen Worten fangen. Ihr Mund redet Gutes, ihr Herz hingegen plant Böses. Auf ihren Lippen ist nicht das, was in ihren Herzen ist. Sie reden zwiespältig. Es sind gespaltene, zerrissne Menschen, die Jesus da anreden. Während ihre Lippen loben plant ihr Herz Übles. Es kommen einem die Worte des Evangelisten in den Sinn: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.“ (Mt 15:8) Dieses Verhalten hören wir bereits im Psalm vorausgesagt: „Doch sie täuschten ihn mit falschen Worten und ihre Zunge belog ihn.“ (Ps 78:36)

Überhören wir nicht die Erinnerung an uns selber, die sich in diesem gespaltenen Verhalten äußert. Gewiss wird niemand von uns sich in der perfiden Haltung jener Leute im Evangelium dem Herrn nahen – doch ist auch uns der Unterschied zwischen dem Bekenntnis der Zunge und dem Empfinden des Herzens nicht fremd. Oder ist es noch nie passiert, dass wir beteten: „Dein Wille geschehe!“ – aber eigentlich unseren Willen meinten; oder: „Dein Name werde geheiligt!“ – aber unsere eigene Ehre anstrebten; oder: „Dein Reich komme!“ – aber eigentlich wünschten, dass unsere bequeme Welt nicht angerührt werde?
So wollen uns die Gesprächspartner Jesu im heutigen Evangelium gewiss nicht der absichtlichen Heuchelei dem Herrn gegenüber bezichtigen. Aber sie sind eine Einladung für uns, das Beten unserer Lippen mit dem Streben unseres Herzens in Einklang zu bringen.

Damit es uns nicht passiert, was der Prophet Jesaja angekündigt hat:„Weil dieses Volk sich mir nur mit Worten nähert und mich bloß mit den Lippen ehrt, sein Herz aber fern hält von mir, (weil seine Furcht vor mir nur auf einem angelernten menschlichen Gebot beruht,) darum will auch ich in Zukunft an diesem Volk seltsam handeln, so seltsam, wie es niemand erwartet. Dann wird die Weisheit seiner Weisen vergehen und die Klugheit seiner Klugen verschwinden.“ (Jes 29:13f.)

Und dieses seltsame Handeln des Herrn vollzieht sich im heutigen Evangelium vor unseren Augen: Denn keiner der Gegner Jesu hat mit seiner Reaktion gerechnet. Ihre Weisheit ist vergangen und ihre Klugheit ist verschwunden, denn „als sie hörten was Jesus sagte, wunderten sie sich, ließen von ihm ab und gingen davon.“ (Mt 22:22) „Und der Rest ist Schweigen,“ können wir mit Hamlet anfügen.

Aber schauen wir uns die Reaktion des Herrn näher an. Da hören wir, dass „Jesus ihre Bosheit merkte.“ Jesus zeigt sich als der, „der wusste, was im Menschen ist.“ (Joh 2:25b) „Er kennt die Gedanken der Menschen!“ (Ps 94:11) Er weiß um das Herz der Menschen, aus dem die bösen Gedanken kommen (vgl. Mk 7:21) Die Widersacher Jesu dachten sich mit den Worten des Psalmisten: „Der Herr sieht es ja nicht, der Gott Jakobs merkt es nicht.“ Doch im Verhalten Jesu fragt der Psalmist dann: „Begreift doch, ihr Toren im Volk! Ihr Unvernünftigen, wann werdet ihr klug? Sollte der nicht hören, der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht sehen, der das Auge geformt hat?“ (Ps 94:7-9)
Dieser Herr kennt auch unser Herz bis auf den Grund; so wollen wir nicht lang Verstecken spielen sondern uns gleich mit den Psalmworten ihm anvertrauen: “Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken. Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen. Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge - du, Herr, kennst es bereits.“ (Ps 139:1-4). Wir wollen als Menschen vor dem Herrn stehen, die wissen, dass „der Weg eines jeden offen vor den Augen des Herrn liegt, der auf alle seine Pfade achtet.“ (Spr 5:21) Denn „vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.“ (Hebr 4:13)

Wie der Herrn nun auf den Grund des Herzens seiner Gegner sieht, so geht er auch der Frage, die sie ihm stellen, auf den Grund. Er gibt keine schnelle und oberflächliche Antwort auf die Frage, „ob es recht sei, dem Kaiser Steuern zu zahlen oder nicht?“ (Mt 22:17) Er fragt nach einer Steuermünze und erkundigt sich nach Abbild und Aufschrift auf der Münze, die für Jesus Hinweis sind auf den Besitzer dieser Münze. Und diesem Besitzer sollen sie dann geben, was ihm gehört.

Dann geht Jesus aber einen Schritt weiter und fügt hinzu: „Und Gott gebt, was Gott gehört!“ (Mt 22:21d) Damit weitet Jesus den Horizont; er lenkt ihre Aufmerksamkeit vom Irdischen auf den Überirdischen; vom Geschöpf auf den Schöpfer. Er stellt ein rein weltliches Problem vor das Angesicht dessen, dem die Welt gehört. Das Licht Gottes fällt auf eine Situation, die sie bloß mit dem Licht ihres begrenzten und verdunkelten Verstandes angeschaut haben. Damit stürzt Jesus seine Bedränger in Bedrängnis; sie, die glaubten, alles im Griff zu haben, sehen sich nun vor die Frage gestellt: Was gehört Gott? Was ist Gott zu geben? Wo ist Gott abgebildet? Wo steht seine Aufschrift?
Die müssen sich auf einmal wie in einem anderen Film vorgekommen sein!
Jesus hat sie auf Gedanken gebracht, die sie bisher nicht hatten; er hat sie zum Umdenken bewegt; und ich möchte ihre Verwunderung auch positiv sehen als den Beginn einer Umkehr hin zu Gott.
Machen auch wir es wie Jesus: Beantworten wir alle Probleme und Fragen, die kleinen wie die großen, nicht im engen, rein weltlichen Horizont – stellen wir sie wie Jesus hin vor das Angesicht Gottes; eröffnen wir den Menschen neue Weiten; geben wir ihnen neue Gedanken – Gedanken an jenen Gott, der uns hinausführen will ins Weite und der unsere Finsternis aufhellt. (vgl. Ps 18:20) Helfen wir ihnen umzudenken und umzukehren.

Warum konnte Jesus so reden? Weil er selbst völlig in Gott verwurzelt war; er war selber voll des Lichtes Gottes. Er war Licht vom Licht. Er ist die Münze, die Gott abbildet und die Aufschrift trägt: Gott allein! Darum konnte er nicht anders als auch diese Steuerfrage im Lichte Gottes zu sehen. Und er gab uns Anteil an dieser lichtvollen Ansicht.

Wir haben einen königlichen Weg, uns in Gott zu verwurzeln und uns in sein Licht zu stellen: das Gebet. In ihm verwirklichen wir uns als Kinder des Lichtes. (vgl. 1Thess 5:5) In Gott verwurzelt brauchen wir uns keine Sorgen machen, wie und was wir reden sollen, wenn die Leute uns fragen; wir gewinnen das Vertrauen, dass uns in jener Stunde eingegeben wird, was wir sagen sollen. (vgl. Mt 10:19)
Das heutige Evangelium zeigt uns sehr anschaulich, wie Jesus das Gebet unserer hl. Mutter Teresa gelebt hat: Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken. Alles vergeht; nur Gott bleibt derselbe; wer sich an Gott hält, dem fehlt nichts. Gott allein genügt! Amen!

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